Letzte Nacht hat es nicht mehr so stark abgekühlt wie die Nacht zuvor, so dass ich das Thermohemd heute getrost im Gepäck lassen konnte. Zudem wusste ich ja, dass es mir wohl bald sehr warm werden würde: Auf den nächsten 30 Kilometern bis Freudenstadt erwartete ich einige Anstiege.
Nach der Abfahrt vom Campingplatz – ich nahm jene Strasse, bei der ich den geringsten Höhenverlust erwartete – hatte ich zuerst ein kleines Wettrennen mit einem Ballonfahrer. Zuerst fuhr ich ihm entgegen, danach drehte der Fahrradweg und wir hatten dieselbe Richtung. Das ist ein schönes Zeichen für Rückenwind! Der Wind schien aber abzuflauen, denn plötzlich hatte ich keine Mühe, ihn zu überholen uns stehen zu lassen.
Dafür wurden dann die Anstiege etwas steiler – und es blieb nicht bei einem einzigen Anstieg… Tiefe Gräben legten sich quer zu meiner Route, und während die Eisenbahn diese Senken mit Brücken überspannte, durfte ich jeweils hinunterrollen und auf der anderen Seite wieder hochklettern.
Auf einem Abschnitt haben sich die Wegmacher einen kleinen Scherz erlaubt und mehrmals hintereinander die Radwegpfeile ZWISCHEN zwei Möglichkeiten ausgerichtet. Das erste Mal tippte ich falsch, die anderen beiden Male war einige hundert Meter später wieder ein Radwegschild postiert.
Kurz vor Freudenstadt nahm ich etwas nach 10 Uhr meine erste feste Zwischenmahlzeit ein (400 Gramm Kartoffelsalat) und erklomm danach die letzten Höhenmeter in und um Freudenstadt.
Weiter ging es nun ins Kinzigtal, tief in den Schwarzwald hinein – es waren nur noch Bäume zu sehen. Die erste Ortschaft in diesem Tal war Lossburgt, und am Ende der Ortschaft gab es eine Gabelung der Radwege, wobei die Distanz bis Alpirsbach bei beiden Optionen identisch ist (13 oder 14 Kilometer). Ich entschied mich, auf dem Kinzigtalradweg zu bleiben, denn ich meine, dort auch einen Hinweis auf einen Panoramaweg gesehen zu haben. Wenn dies stimmt, bin ich auf dem mit Abstand ältesten Radweg gewesen, denn die Nadelbäume sind in den letzten Jahrhunderten bis Alpirsbach durchgehend ins Panorama gewachsen! Der Naturweg war aber trotzdem schön mit nur ein paar wenigen Gegenanstiegen. Diese waren leider immer nach engen Kurven, so dass kein Schwung in die Anstiege mitgenommen werden konnte.
Ab Alpirsbach war wieder mehr zu sehen, und ich fuhr Schiltach entgegen. Dort war ich vor ein paar Jahren schon mal, daher habe ich nur meine zweite feste Zwischenmahlzeit gegessen (200 Gramm Nudelsalat).
Im Gegensatz zum Morgen konnte ich nicht mehr vom Rückenwind profitieren. Im Gegenteil, dieser blies mir immer heftiger ins Gesicht – und zwar so trocken, dass ich ständig wieder meinen ausgetrockneten Mund mit Wasser befeuchten musste. Die Trockenheit hatte noch andere Folgen, denn ich erspähte einen jungen Waldbrand, indem mitten im Wald eine Rauchsäule aufstieg. Als ich wenig später im besiedelten Teil des Ortes ankam (zuerst führte der Radweg durch das Gewerbegebiet, das sonntags natürlich nicht bevölkert ist), hörte ich auch schon die Sirenen der anrückenden Feuerwehr.
Ich fuhr noch ein paar Kilometer weiter, erreichte gegen 15 Uhr Steinach und sah ein Campingplatz-Schild. Auf MAPS.ME checkte ich die nächsten Campingplätze, und da wäre ich sicher noch mindestens zwei Stunden unterwegs gewesen. Also stoppte ich heute etwas früher, denn es waren heute ja auch wieder über 1’000 Höhenmeter zu bewältigen. Und zudem bereitete mir die Wolkenbildung etwas Sorgen.
Nun bin ich gespannt, wie akkurat mein aktualisierter Wetterbericht ist. Ab 22 Uhr soll es leicht zu regnen beginnen, bis morgens um 5 Uhr. Dann soll es für 4 Stunden trocken bleiben, um dann wieder ganz leicht zu nieseln. Wenn das tatsächlich stimmt, werde ich auch morgen wieder ein paar Kilometer zurücklegen können.
