Das Teilstรผck Puerto Serrano – Olvera bildete heute das Herzstรผck der Etappe, und es ging bei der Planung in den letzten Tagen nur darum, ob ich Puerto Serrano – Olvera oder Olvera – Puerto Serrano fahren soll. Beide Startpunkte sind etwa gleich weit von Algodonales entfernt, und ich entschied mich dann aus folgenden Grรผnden fรผr die Bergauffahrt:
Erstens hat die Suche im Internet keine Hotel-Treffer fรผr Puerto Serrano ausgegeben, dafรผr in Olvera gleich mehrere sowie einen Campingplatz. Zweitens ist Olvera fรผr die Weiterfahrt strategisch-geografisch besser gelegen. Und Drittens kann ich damit rechnen, keinen Gegenwind zu haben. Dass es derzeit noch einen bedeutenden vierten Grund gibt, habe ich dann erst in Puerto Serrano erfahren…
Ach, ihr wisst gar nicht, was an dieser Strecke so besonders ist? Nun, es handelt sich um die Vรญa Verde de la Sierra. Zwischen diesen beiden Orten wurde vor 100 Jahren eine 36 Kilometer lange Bahnstrecke gebaut, mit 40 Tunnels, 4 Viadukten und 5 Bahnhรถfen. Allerdings gab es dann mal den spanischen Bรผrgerkrieg und den 2. Weltkrieg. So kam es, dass zwar alles gebaut war, aber nie ein Zug fuhr. Nun wurde das Trassee in einen Rad- und Wanderweg umgenutzt.
So bog ich in Puerto Serrano dann zum etwas ausserhalb liegenden Bahnhof ab – und wurde dort gleich abgefangen. Mir wurde erlรคutert, dass Tunnel Nummer 6 eingestรผrzt sei und daher weder durchfahren noch umgangen werden kรถnne. Es gรคbe daher 2 Alternativen: Entweder die 7 km bis zum eingestรผrzten Tunnel fahren und dann wieder zurรผckkommen, oder eine Umfahrungsstrasse nehmen und dann die restlichen 26 Kilometer der Vรญa Verde de la Sierra erfahren.
Ich entschied mich natรผrlich fรผr Variante 2, fuhr zurรผck nach Puerto Serrano, folgte den Wegweisern zum Friedhof und verliess dort den Ort. Auf den nรคchsten 8 Kilometer erlebte ich dann den vierten Grund, warum das Befahren von dieser Seite von Vorteil ist! Es ging nรคmlich zuerst 5 Kilometer bergauf mit ziemlich steilen Rampen, um dann auf der anderen Seite 3 Kilometer lang wieder mit bis zu 14% Gefรคlle wesentlich steiler runterzugehen. Diese 3 Kilometer mit meinem schweren Rad hochzufahren am Ende einer Tagesetappe wรคre ganz sicher eine ganz รผble Herausforderung geworden…
Jedenfalls bog ich dann in die Vรญa Verde ein und konnte schon bald die ersten Tunnel und Viadukte geniessen. Wรคhrend die kรผrzeren Tunnel unbeleuchtet sind, haben die lรคngeren (bis zu 990m) und gebogenen Tunnel eine Beleuchtung. Und dazwischen gibt es natรผrlich immer wieder herrliche Ausblicke auf die verschiedensten Landschaften.
Leider hat heute aber das Wetter nicht ganz mitgespielt und ich hรคtte mir das Einschmieren der Sonnencrรจme sparen kรถnnen. Morgens in Algodonales schien zwar noch die Sonne, so dass ich kurzรคrmlig (wie auf der ganzen bisherigen Tour mit Unterhemd) und bei Abfahrten mit der Windstopper-Jacke unterwegs war. Es zog dann aber bald Bewรถlkung auf, die immer dichter wurde. So stellte ich dann bereits in Puerto Serrano auf das langรคrmlige Trikothemd um. Auf der Vรญa Verde nieselte es dann sogar mehrmals, ohne dass man dabei gross nass wurde. Auch als ich den Bahnhof von Olvera erreicht hatte und mir noch ein steiler Schlussanstieg in das Stรคdtchen bevorstand begann es wieder zu nieseln. Dann nieselte es stรคrker. Dann war das irgendwie kein nieseln mehr, sondern schwacher Regen. Und der Regen wurde nicht schwรคcher, ganz im Gegenteil! Ich sah dann eine Tankstelle mit grossem Dach รผber die Zapfsรคulen und spurtete darauf zu, gerade bevor es so richtig heftig zu Regnen begann.
Ich verbrachte dann so fast eine Stunde an der bedienten Tankstelle bei einer Tรผte Chips und konnte schon mal in Erfahrung bringen, wo die Hotels sind. Denn schon beim Nieseln bezweifelte ich eine Nacht im Zelt, und mit dem Regen war das nun wirklich keine Option mehr – auch in Anbetracht dessen, dass ich mir gestern eine leichte Erkรคltung eingefangen hatte.
Als der Boden ein bisschen abgetrocknet war, rollte ich so noch die verbleibenden knapp 200 Meter zum nรคchsten Hotel und bekam dort ein Plรคtzchen im Trockenen.


















