Sa 29.11.2008 | Ushuaia – Punta Arenas

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26.11.2008 – 29.11.2008

  • Ushuaia – Kap Hoorn – Punta Arenas
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  • Schiff (Mare Australis)

26.11.08, 0 km
Als ich nach dem Aufstehen zur Küche lief, konnte ich bereits die Mare Australis im Hafen ankern sehen. Nach 14 Tagen Ushuaia wird dieses Schiff die nächsten 3 Tage meine Bleibe werden.

Nach dem Frühstück deponierte ich mein Gepäck in der Eingangshalle und ging ins Gefängnis. Ushuaia wurde ja rasch nach seiner Gründung 1886 als Strafkolonie in Betracht gezogen. 1902 begann der Bau vom Gefängnis, welches 50 Jahre lang in Betrieb war. Jetzt dient der sternförmige Bau als Museum mit verschiedenen Abteilungen. Besichtigt habe ich zuerst den Schifffahrtsteil, wo verschiedene Expeditionen dokumentiert werden. Als Modell begegnete mir dabei wieder die Fråm, welche ich 1999 in Oslo besichtigt hatte. Ein kompletter Flügel ist auch dem Gefängnis selbst gewidmet, welcher Einblick in das Leben der Gefangenen gibt. In einem anderen Flügel kam ich in Bau 1, dem ältesten der Anlage. Das war wohl gleich nochmals deutlich härter, wenn man dort seine Zeit verbringen musste… Ich sah mir noch den Teil mit Ushuaias Entwicklung an, obwohl ich ein paar dieser Fotos bereits im Fin del Mundo-Museum gesehen hatte.

Nach dem kleinen Mittagessen aktualisierte ich nochmals meine Homepage, belud das Velo und ging zur nahegelegenen San Martín 245, wo ich eincheckte. Danach schaute ich nochmals beim Postamt vorbei – die Kontaktlinsen sind aber auch nach über 2 Wochen definitiv nicht eingetroffen…

Es verblieben noch zweieinhalb Stunden, bis ich aufs Schiff konnte, weshalb ich nochmals auf die Muelle fuhr, den Blick auf Stadt und Berge genoss und am Ufer im Gras lag. Dabei war heute der wärmste Tag, den ich in Ushuaia erlebt hatte – wohl deutlich über 20 Grad!

Beim Zoll wurde ich zuerst zwar etwas schräg angeschaut, als ich da mit meinem Velo auftauchte, doch nun steht es an Deck der Mare Australis. Das grösste Kontingent der ca. 130 Passagiere aus 14 Nationen stellen die Spanier (über 40) und die Franzosen (knapp 30). Die 7 Schweizer übertrumpfen aber locker die Anzahl Chilenen und Argentinier zusammen (Total 3)…

Am Abend versuchte offenbar jemand verzweifelt, mich anzurufen. Bei den ersten 3 Anrufen war ich für 5 Minuten auf dem Deck, um Fotos zu schiessen, 20 Minuten später bei den anderen beiden Versuchen lauschte ich den Sicherheitsinstruktionen. Wer das wohl war? In der Schweiz war es um diese Zeit schon ziemlich spät – aber DHL Argentinien kann ich mir auch nicht vorstellen…

27.11.08, 0 km
Das Wetter meinte es sehr gut mit uns: kurz vor 07.00 Uhr erreichten wir das Kap Hoorn. Mit Schlauchbooten fuhren wir an Seelöwen vorbei, bevor wir am Kap landeten. Dabei war es mit 9 Grad relativ warm, windstill und die See ruhig. Zu einem perfekten Tag fehlte nur noch Sonnenschein… Auf dem Kap lief ich zuerst zum Kap Hoorn-Denkmal, welches an die vielen verunglückten Seefahrer in dieser Gegend erinnert, und anschliessend bestieg ich noch den Leuchtturm.

Wieder an Bord gab es Frühstück – doch dies musste ganz schnell gehen, da wir aufgrund der guten Bedingungen das Kap umrundeten (was pro Saison nur maximal 5 – 6 Mal möglich sei). Das musste natürlich entsprechend dokumentiert werden…

Der bei diesen Gelegenheiten typische Grogg wurde ausgeschenkt, was meinem fast leeren Magen überhaupt nicht gefiel. Ich kämpfte mich durch den Doku-Film über Shackleton und nutzte die anschliessende Stunde bis zum Mittagessen zur Kur. Ich verdrückte eine halbe Rolle Schokoladen-Biscuits und haute mich aufs Ohr – danach ging es mir zum Glück wieder ganz gut.

Am Nachmittag gab es noch einen Landgang in der Wulaia-Bucht auf der Isla Navarina. An Feuerbüschen vorbei und durch Wälder liefen wir zum Aussichtspunkt, wobei wir unterwegs auch Biber bei ihrem Werk beobachten konnten.

Danach ging es wieder in den Beagle-Kanal und an Ushuaia vorbei. Dort konnte ich kurz auch das Handy auf Empfang stellen. Die vielen Anrufe gestern scheinen nicht wichtig gewesen zu sein, denn für heute zeigte es nichts dergleichen an.

28.11.08, 0 km
Beim Morgenessen wurde ich an meinem Tisch als unglaublichen Optimisten bezeichnet, als ich nach dem heutigen Wetter befragt wurde. Seit der Rückkehr von der Wulaia-Bucht ist es stark bewölkt und es regnet immer wieder. Meine Prognose, dass es zur Exkursion ab 15.00 Uhr zu den Gletschern aufklaren wird, traf aber nicht ganz zu – die Sonne zeigte sich bereits zur Mittagszeit…

Die Deutsch- und Englischsprechenden durften um 16.00 Uhr in die Zodiacs steigen. Auf dem Weg zu Piloto- und Nena-Gletschermachten machten wir noch Halt bei einer Kormoran-Kolonie, um anschliessend durch Graupelschauer / Hagel endgültig zu den Gletschern vorzustossen. Dort zeigte sich wieder die Sonne, und das Eis vom Piloto-Gletscher schillerte in verschiedensten Blautönen. Dass der Gletscher in Bewegung ist, konnte man deutlich hören und sehen: manchmal gab es Geräusche wie bei einer Sprengung, manchmal brachen kleinere Eisstücke ab und rutschten ins Meer.

Als alle Passagiere wieder an Bord waren, steuerte die Mare Australis das wenige Minuten entfernte Ende vom Chico-Sund an, wo der Gunther Plüschow-Gletscher bis ins Meer hinunter reicht. Bei solchen Anblicken fehlen einem einfach die Worte…

Nach dem Nachtessen wurden noch die Gewinner des Tisch-Trivias bekanntgegeben sowie die Schiffsflagge verlost. Wie beim gestrigen Bingo-Abend hatten andere mehr Glück…

Zum Tagesabschluss konnte ich kurz nach Sonnenuntergang noch die Einfahrt in die Magellanstrasse und mit dem Cabo Froward den südlichsten Punkt des amerikanischen Festlands beobachten.

29.11.08, 0 km
Noch vor dem Frühstück ging es zur letzten Exkursion, diesmal auf die Isla Magdalena. Dort gibt es eine riesige Kolonie von Magellan-Pinguinen, welche die Hügel der Insel bis hinauf zum Leuchtturm zu zehntausenden bevölkern.

Danach mussten schon wieder die Koffer (bzw. Die Radtaschen) gepackt werden, da wir am Ende dieser fantastischen Schiffsreise waren und um 11.00 Uhr in den Hafen von Punta Arenas einliefen. Nach einem kurzen Bustransfer konnte ich Fahrrad und Gepäck wieder in Empfang nehmen. Bei der Einreisekontrolle ein paar Meter weiter musste ich aber alle Taschen wieder vom Rad nehmen, da alles durchsucht wurde – illegales wurde aber offenbar nicht gefunden.

Von Ushuaia aus hatte ich mir ein Bett im Hostel del Estrecho reserviert. Auf dem Stadtplan markierte ich aber aus Versehen das Hostel del Estancia – zum Glück sind die 2 Hosteles nur zwei Blocks entfernt…

Nach zweieinhalb Wochen geht es morgen wieder mal mit dem Fahrrad weiter – das wird sicher ein harter Tag werden! Immerhin scheint das Wetter in den nächsten Tagen mitzuspielen. Der Wind soll zwar leicht aus Nordosten kommen, wo ich hinfahre, doch soll es wenigstens nicht regnen und sich die Sonne sogar manchmal zeigen.

Als ich die Mails las, gab es noch eine grosse Überraschung: DHL sei am späten Mittwoch Nachmittag doch noch mit dem Paket im Hostal in Ushuaia aufgetaucht – wenige Stunden zu spät! Waren demnach die Anrufe am Mittwoch doch von DHL?

Punta Arenas, 29.11.2008
Gesamtkilometer: 6193


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