Di 25.11.2008 | Ushuaia

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13.11.2008 – 25.11.2008

  • Ushuaia
  • 57 km
    davon unasphaltiert: 47 km
  • 847 Hm
  • 3:35 h
  • 4.00 l
  • Hostel

13.11.08, 0 km
Nach dem Frühstück galt es zuerst, die Homepage wieder zu aktualisieren. Seit Río Gallegos haben sich in meinem Heft immerhin 10 Seiten Text angesammelt, und ein paar Fotos habe ich in dieser Zeit auch geschossen.

Danach habe ich meine Ausrüstung ergänzt. Für die beabsichtigten Trekking-Touren hier in Ushuaia und später bei Torres del Paine erwarb ich einen Rucksack, der mich dabei begleiten soll. Gleichzeitig kaufte ich auch gleich noch eine Mütze, um den tiefen Temperaturen zu trotzen. Diese konnte ich auf dem Weg zurück ins Hostel auch gleich benutzen, als ein Graupelschauer niederging…

Am späteren Nachmittag war es dann wieder schöner, und ich suchte die Velowerkstätte auf, die mir gestern bei der Touristeninformation angegeben wurde. Ich lief um den angegebenen Block herum, wo man zwar einen herrlichen Überblick über Ushuaia, den Beagle-Kanal und die Berge hatte, doch die Werkstatt war nirgends zu finden. Ich fragte dann beim Autohändler nach, der sich dort befand, und Daniel zeigte mir Bilder von seiner Reise, die er letztes Jahr mit seiner Frau durch ganz Argentinien unternommen hatte. Er telefonierte dann mit dem Touristenbüro, und die Velowerkstatt wurde nun 3 Blocks weiter angegeben. Dort lasse ich nun mal das Vorderrad neu zentrieren und ein Schutzblech montieren. Morgen um 11 Uhr kann ich das Rad wieder abholen, und dann warten wir auf das Rohloff-Gehäuse…

14.11.08, 0 km
Als ich wieder zur Fahrradwerkstätte hochlief, war ich von Ushuaias Szenerie wiederum überwältigt. Bunte Häuser, Berge, Schnee, Wolken… – herrlich! Das Vorderrad ist nun neu zentriert und wieder mit einem Schutzblech versehen. Ich hoffe, dass das Gehäuse für die Hinterrad-Nabe bald eintrifft. Das sei ja seit 2 Tagen unterwegs.

Dass es langsam aber sicher dem Jahresende entgegen geht, kann man mittlerweile auch im Supermarkt feststellen, da der Weihnachtsschmuck zuvorderst platziert ist. Wo werde ich dieses Jahr wohl Weihnachten verbringen? Ursprünglich hoffte ich, bis dann Ushuaia erreicht zu haben…

Jedenfalls kaufte ich im Supermarkt einen Duschvorhang-Schutz und spannte diesen übers Velo. Für 10 Pesos ist dieser Regenschutz sicher kein zum Fenster hinausgeworfenes Geld…

Am Nachmittag besuchte ich das Fin del Mundo-Museum, welche Einblicke in das Leben der Ureinwohner Feuerlands, die Anfänge Ushuaias und der hiesigen Vogelwelt gibt.

Im Hostel traf heute Thomas aus Frankfurt ein. Mit ihm werde ich morgen trekken gehen.

15.11.08, 0 km
Den Auftakt zu meinen Trekking-Aktivitäten bildete eine Wanderung zum Glaciar Martial. Zusammen mit Tom verliess ich um 9 Uhr das Hostal und wir wanderten zuerst quer durch die Stadt bis zur Talstation vom Sessellift. In gemütlicher Fahrt beförderte uns dieser ein paar Höhenmeter weiter hoch. Dann begann der letzte Teil unseres Gipfelsturms: Nachdem wir einen knorrigen Wald hinter uns gelassen hatten, ging es auf steinernem Untergrund weiter – und manchmal auch über Schneefelder. Bis ganz hoch zum Gletscher schafften wir es dann aber nicht. Die für den Aufstieg gewählte Felsenflanke endete in einem grossen Schneefeld. Unser Mittagessen konnten wir aber mit einem herrlichen Blick auf Ushuaia und den Beagle-Kanal einnehmen. Da wir immerhin bis auf etwa 850 Meter hochgekraxelt sind, zog ich bei dieser Rast dann auch gleich die Regenschutzjacke an – da es wieder deutlich wärmer war, verbrachte ich den Vormittag nur mit Hemd.

Ein wenig nebenan sahen wir dann, wie andere Touristen weiter hinauf kommen. Vorsichtig durchquerten wir ein steiles Schneefeld, um hinüberzukommen, doch dann stellte sich uns ein Fels in den Weg, welchen wir nicht überwinden konnten. Und im Schneefeld kamen wir auch nicht weiter, da wir zu tief einsackten. Deshalb kehrten wir dann wieder um und machten uns auf den Rückweg nach Ushuaia. Dabei machten wir noch einen Abstecher zu einem kleinen Wasserfall sowie durch einen verschlungenen Wald zu einem Moor.

Nach etlichen Kilometern waren wir nach 9 Stunden wieder zurück im Hostel, und nach dieser Leistung gönnten wir uns ein „Tenedor Libre“ im nahegelegenen Restaurant – essen bis man nicht mehr mag zum Fixpreis…

16.11.08, 0 km
Im Internet konnte ich sehen, dass das Gehäuse für die Hinterrad-Nabe in Buenos Aires am Zoll ist – hoffentlich wird sie bald in Ushuaia sein.

Tom konnte letzte Nacht wegen den Zimmergenossen fast keinen Schlaf finden, weshalb er sich heute ein anderes Hostel suchte. Glücklicherweise bin ich da offenbar weniger empfindlich.

Ich machte mich dann um 9 Uhr auf den Weg in den Nationalpark. Der Rucksack war dabei randvoll, da ich beabsichtigte, auf dem Zeltplatz im Park zu übernachten und deshalb das entsprechende Equipment eingepackt habe. Heute war es nochmals wärmer, und die Sonne schien den ganzen Tag. Vormittags genoss ich den Sendero Costera, welcher den Beagle-Kanal entlangführt, mal direkt dem Wasser entlang, mal im Wald, mal mit Ausblick auf die Berge, mal um Buchten herum auf Gras oder Moos. Ein sehr abwechslungsreicher Pfad, auf dem es immer was zu sehen gab. Manchmal musste man sich aber auch stark auf den Untergrund konzentrieren, um nicht knöcheltief im Schlamm zu versinken, was mir glücklicherweise nur einmal passierte…

Am Nachmittag lief ich fast alle Wege in der Bahía Lapataia ab, und erreichte dabei auch das Ende der Ruta 3 mit dem Schild „Alaska 17’848 km“. Mit dem Velo will ich dieses Strassenende auch noch erreichen! Das machte heute Juan Antonio aus Spanien, welcher von hier aus Peru erreichen möchte.

Gegen 16.30 Uhr erreichte ich dann den Campingplatz am Lago Roca – aber dort hatte es dann deutlich mehr Leute als ich erwartet hatte, und Musik dröhnte aus Lautsprechern und überflutete den Platz. So konnte ich mich für diesen Ort überhaupt nicht erwärmen und nahm den Bus zurück ins Hostel. Immerhin konnte ich feststellen, dass der Rucksack etwas taugt. Die linke Schulter schmerzt zwar etwas, aber nicht schlimm. Im Torres del Paine sollten aber noch mehr Lebensmittel und das Kochgeschirr irgendwo untergebracht werden….

17.11.08, 0 km
Zu dritt fuhren wir im Bus von Don Alejo in den Nationalpark. Ein Passagier stieg bei der Haltestelle zum Sendero Costera aus – da waren es nur noch zwei… Dabei hatte heute Christophe aus Frankreich das selbe Tagesziel wie ich: zuerst wollten wir auf den Cerro Guanaco steigen, dann den Hitio XXIV-Pfad bis zur chilenischen Grenze ablaufen. Es dauerte eine Weile, bis Kopf und Zunge auf französisch eingestellt waren, doch nach und nach kamen die Wörter zurück – “hier” anstelle “ayer”, “ici” anstelle “acá” usw.

Auf der Nationalparkkarte wird der Weg zum Guanaco-Gipfel als äusserst schwierig bezeichnet, und sowohl bei Christophe wie auch bei mir reagierte das jeweilige Hostel-Personal leicht schockiert, dass wir diese Extrem-Leistung vorhaben. Christophe berichtete noch, dass von seinem Hostel eine Deutsche gestern dieselbe Tour in 11 Stunden bewältigt habe… Nun, wir stiegen den verwurzelten Pfad hoch, bis wir durch einen mysteriösen Harry Potter-Wald kamen. Dann ging es kurz durch ein Sumpfgebiet, bis das erste kleine Schneefelder auf uns wartete. Nachdem wir ein Moor überquert hatten, wurde es wieder steiler und Geröll wechselte sich mit Schneefelder ab – und nach 2.5 Stunden erreichten wir bereits den Gipfel.

Und das Panorama war grossartig. Die Anden krümmten sich wie ein riesiges Hufeisen um den Cerro Guanaco, so dass beinahe ringsum Berge zu sehen waren. Es war zwar bewölkt, doch die Schneekappen dennoch leicht belichtet.

Beim Abstieg kam uns im obersten Abschnitt ein Pärchen entgegen, das betreffend Kleidung sogar mich unterbot! Sie waren nur im T-Shirt unterwegs. Zu meiner Verteidigung kann ich immerhin anführen, dass ich beim Aufstieg an dieser Stelle die Ärmel auch noch zurück gekrempelt hatte…

Als wir den Lago Roca wieder erreicht hatten, verschwanden die Wolken und es war nur noch blauer Himmel zu sehen. Das gab dann einige Fotos mit diesem Himmel, blauem See und dazu kontrastierende Schneegipfel und Wälder. Auf dem Rückweg von der chilenischen Grenze hatten dann auf einem Abschnitt sowohl Christophe wie auch ich das Gefühl, beim Hinweg diese felsige Gegend überhaupt nicht gesehen zu haben – es gibt aber nur diesen einen Weg… Dafür flog da ein Carpintero knapp über unsere Köpfe hinweg, und wir konnten dann beobachten, wie er mit seinem Schnabel einen Baumstamm bearbeitete.

Um 17.20 Uhr erreichten wir wieder die Confitería am Lago Roca und warteten auf den Bus um 19.00 Uhr, der uns zurück nach Ushuaia brachte. Dabei gingen Christophe und ich nochmals den Tag durch und zählten die anderen Touristen, die wir unterwegs angetroffen hatten: wir kamen auf ganze 14 Personen!

Im Hostel habe ich die Schuhe komplett unter den Wasserhahn gehalten, da sie innen und aussen verschlammt waren.

18.11.08, 0 km
Die Trekkings der letzten drei Tage gingen nicht spurlos an meinem Körper vorüber. Beim Gehen zieht es mächtig in den Unterschenkel, bis die Muskeln warm sind. Und wenn ich ein wenig schneller vorwärts kommen möchte, macht sich auch das linke Knie bemerkbar. Wandern und Velofahren ist halt doch nicht dasselbe…

Deshalb legte ich heute einen Ruhetag ein und verbrachte die meiste Zeit lesend im Hostel. Zum ersten Mal seit ewigen Zeiten lese ich wieder mal ein Buch, welches nicht Fach- oder Reiseliteratur ist. Dan Brown kann einen schon in den Sessel kleben…

Am Morgen habe ich noch fast alle meine Kleider im Hostel abgegeben, so dass diese erstmals auf dieser Reise eine Waschmaschine von innen sehen. Für die 15 Pesos wiederhole ich dieses Prozedere nächste Woche vor der Abreise wohl nochmals.

Nachmittags zogen die Wolken ab und die Sonne strahlte immer mehr über Ushuaia, so dass ich mich dann doch noch aufraffte und hinausging. Ich lief hinunter zur Maipú-Strasse und kehrte dann vorerst im alten Regierungssitz ein, welcher nun eine Erweiterung des Fin del Mundo-Museums beherbergt. Dann lief ich über die Muelle und genoss die Postkarten-Ansicht von Ushuaia: blauer Himmel, weisse Berge, Wald, bunte Häuser, und im Kanal spiegelten sich die Berge – was für ein Glück ich da habe! Auf dem Rückweg liess ich mir dann noch die Haare kürzen – 25 Pesos ist dafür sicher kein schlechter Preis…

Auffallend in Ushuaia ist die Dichte an Honda Jazz, die hier überall zu sehen sind. Zuvor konnte ich in Südamerika knapp eine Handvoll dieser Autos sichten… Das Modell wurde hier allerdings auf den Namen “Fit” getauft.

Abends ging es dann nochmals mit Tom zu einem Tenedor Libre. Er lief heute dieselbe Tour wie ich gestern und war auch völlig begeistert. Morgen wird er dann nach Punta Arenas fliegen und um die Torres del Paine laufen.

19.11.08, 0 km
Am Morgen spürte ich immer noch ein ziehen in den Unterschenkel, weshalb ich mir den ganzen Tag physische Ruhe gönnte und liegend im Hostel die Zeit verbrachte. Da ist es seit gestern morgen auch wieder ruhiger und Küche und Toilette sauberer, seit die Israeli wieder abgereist sind. Das war die mit Abstand rücksichtsloseste Reisegruppe, die ich je gesehen habe!

20.11.08, 57 km
Montezumas Rache hat erstmals zugeschlagen… Auf der langwierigen Suche gestern Mittag nach dem Schneidebrett vergass ich wahrscheinlich, die Tomate zu waschen. Der Darm reagierte rasch und produzierte vorerst weniger wohlriechende Luft. Heute morgen war dann auch endlich Material dabei, so dass ich die Toilette öfter als üblich aufsuchte. Dennoch packte ich heute das Velo und fuhr damit in den Nationalpark. Gewisse Muskeln wurden dann halt umständehalber mehr beansprucht als üblich…

Da es nochmals wärmer war als in den vergangenen Tagen, verbrachte ich den ganzen Tag kurzärmlig und mit kurzen Hosenbeinen. Allerdings hatte der Wind wieder etwas zugelegt, so dass ich nur kurz am Lago Roca war und rasch zum Ende der Ruta 3 in der Bahía Lapataia weiterzog. Zum 4. Mal erreichte ich nun das Ende aller Strassen – zuerst per pedes, dann zweimal per Bus, und nun zum Finale auch mit dem Velo!

In der Bahía Lapataia lief ich dann noch die Pfade ab, die ich am Samstag ausgelassen hatte, bevor ich mich wieder auf den Weg Richtung Eingangsbereich machte. Dort bog eine Seitenstrasse zum Río Pipo ab, und nach knapp 3 km auf der Strasse war es dann noch ein 10minütiger Fussmarsch zu einem Wasserfall. Was sich mir dann dort aber präsentierte, hatte etwa gleichviel Ähnlichkeit mit einem Wasserfall wie ich mit einem 100 Meter-Sprinter…

So genoss ich noch ein wenig die Landschaft und nahm knapp auf halbem Weg zurück den Aufstieg zur Pampa Alta in Angriff. Nachdem ich mich im Wald einmal beinahe verlaufen hatte (und dafür wohl die alten Wege sah, wo wahrscheinlich die Gefangenen das geschlagene Holz aus dem Wald transportierten), kam ich auf einen kleine Lichtung. Dann tauchte ich wieder in den Wald ein – und blieb augenblicklich bockstill stehen. Ich hatte urplötzlich das eigenartige Gefühl, dass irgend etwas passieren wird, konnte aber nichts erkennen. Sekundenlang war alles still und regungslos, und ich wagte kaum zu atmen. Dann sah ich ihn, keine 10 Meter vor mir.

Als ich in den Wald kam, hat er offenbar meine Geräusche gehört und sein Werk unterbrochen. Offenbar hat er mich allerdings nicht gesehen und traktierte nun wieder mit feuerrotem Kopf sein wehrloses Opfer. Ganz langsam und geräuschlos liess ich meine Finger zur mitgenommenen Lenkertasche gleiten, öffnete diese und nahm den Fotoapparat hinaus. Nachdem ich ein paar Fotos geschossen hatte, versuchte ich, noch etwas näher heranzukommen.

Ein Schritt. Ein zweiter Schritt. Beim dritten Schritt war der Fuss noch nicht ganz auf dem Boden, doch ein knackender Zweig hat mich verraten. So stand ich nun alleine im Wald. Entdeckt. Wehrlos. Schutzlos.

Sofort reagierte der Specht und flog ein paar Meter weiter zu einem anderen Baum, wo ich ihn weiter beobachten konnte…

Auf der Pampa Alta hatte ich dann freien Blick auf den am Montag bestiegenen Cerro Guanaco. Ich lief dann auf der anderen Seite vom Berg wieder hinunter und auf der Strasse zurück zum Velo, um nach Ushuaia zurückzukehren.

Im Hostel konnte ich dann feststellen, dass sich die Lieferung mit der Ersatznabe wieder bewegt. Gestern Abend hatte ich ein Mail an Rohloff gesendet, da die Nabe schon fast eine Woche am Zoll von Buenos Aires lag. Ich bekam dann eine Nummer von DHL in Argentinien, wo ich heute morgen anrief. Offenbar hat das wieder Bewegung in die Sache gebracht, denn heute Nachmittag wurde die Lieferung am Zoll abgefertigt und verliess Buenos Aires am Abend. Wäre schön, wenn das Paket morgen endlich eintreffen würde…

21.11.08, 0 km
Ruhetag. Einfach nur lesen – und warten auf die Lieferung!

22.11.08, 0 km
Die Zeit mit der Lieferung wird langsam knapp… Nachdem ich DHL schon am Donnerstag in Buenos Aires angerufen und Mail sowie Natelnummer hinterlassen hatte, rief ich heute morgen nochmals an. Dabei musste ich dann noch irgend einen Spezialzoll für Feuerland entrichten… Das Paket soll nun am Montag abend nach Ushuaia fliegen. Mit viel Glück werde ich es dann am Dienstag erhalten, mit Glück am Mittwoch Vormittag. Sollte ich kein Glück haben, wird das Paket ab Mittwoch Nachmittag ausgeliefert… Und weiss der Geier, wo der Nachschub an Kontaktlinsen derzeit herumliegt

23.11.08, 0 km
Heute packte ich nochmals den Rucksack und machte mich auf den Weg zum Cerro del Medio. Das entwickelte sich dann aber rasch von einer Wanderung zu einer Schnitzeljagd… Das im Beschrieb angegebene Hotel Ushuaia hatte ich rasch gefunden, doch dann war es nicht einfach, den Hang hinauf dem Bach zu folgen. Mal gab es links eine Treppe, mal rechts einen Pfad zwischen den Häusern hindurch. Im Wald folgte ich dann den Trampelpfaden den Berg hinauf.

Der Punto Panorámico war dann knapp über der Waldgrenze, mit 614 m ü. M. angeschrieben und bot einen atemberaubenden Blick auf Ushuaia und die Umgebung. Fast als Hohn war noch angeschrieben, dass an diesem Punkt die Wegmarkierung aufhört. Von einem Abschnitt von etwa 50 Meter Länge ausgenommen, wo fast jeder dritte Baum mit gelber Farbe bepinselt war, gab es auf der ganzen Strecke nur etwas mehr als eine Handvoll Markierungen – und ich war immerhin 2.5 Stunden unterwegs! Ich verzichtete dennoch auf einen weiteren Aufstieg, da ich in dieser exponierten Lage für den Abstieg Mütze und Handschuhe benötigt hätte – und die schlummerten im Hostel…

So telefonierte ich im Graupelschauer nach Hause und machte mich kurz darauf an den Abstieg. Im Wald sah ich dann mal einen Wegweiser, der auf einen Weg quer durch den Wald verwies. Sofort war mir klar, dass dies die Verbindung zum nahegelegenen Weg zum Glaciar Martial sein musste. Ich lief etwa eine halbe Stunde quer dem Hang entlang, wobei ich einige Moorgebiete zu überwinden hatte.

Auf diesem Weg waren zu Beginn viele gelbe Markierungen zu sehen – und plötzlich merkte ich, dass ich dann diese aus den Augen verloren habe. Ich stand dann vor einer Weggabelung und entschied mich für den linken Weg, der bergab führt. Bergab ist hier als Notlösung immer eine gute Idee, da man dann irgendwann unweigerlich wieder auf Ushuaia treffen muss.

Ich lief diesen steilen Weg hinunter, welcher heutzutage wohl höchst selten benutzt wird, und kam dann auf eine Wiese, wo ich Ushuaia wieder erblicken konnte. Nach einem weiteren Waldstück erreichte ich dann eine Häusergruppe, und ich konnte auf der Strasse weiter bergab vorankommen. Nachdem ich unter dem Tor durchgekrochen war, konnte ich da lesen, dass ich auf Privatgrundbesitz war, wo der Zutritt verboten ist. Die Polizei, die da gerade parkierte, liess mich jedenfalls gewähren…

24.11.08, 0 km
In der Regel war es hier in Ushuaia am Morgen immer bewölkt, und die Sonne zeigte sich dann eventuell erst im Verlaufe des Tages (die Sonne ist aber zwischen ca. 05.00 und 21.30 Uhr über dem Horizont…). Heute war aber am morgen früh der Himmel wolkenlos und die Sonne konnte sich dann erst ein paar Stunden später verstecken. Deshalb war es im Zimmer mitten in der Nacht extrem hell, da die Sonne direkt aufs Fenster schien.

Nach einem kurzen Spaziergang durch die Stadt kehrte ich dann ins Hostel zurück und lernte mit „Truce“ ein in Argentinien offenbar beliebtes Kartenspiel. Ich habe zwar nicht alle Regeln vollends begriffen, doch die Karten waren auf meiner Seite…

Als Nachtessen gab es dann ein typisch argentinisches Asado. Mit Daniel, den ich am ersten Tag in Ushuaia im Autohaus gesehen hatte, habe ich mich für heute zum Nachtessen verabredet, und er holte mich dann kurz nach 22.00 Uhr im Hostel ab. Sein Auto unterscheidet sich betreffend Marke und Jahrgang aber komplett von seinen Verkaufsobjekten… Mit einem seiner guten Freunde sowie seiner Frau Letitia verbrachten wir einen unterhaltsamen Abend. Bevor ich mich um 03.00 Uhr dann wieder aufs Ohr legte, konnte ich am Himmel Richtung Antarktis noch einen grünen Schimmer ausmachen – die Sonne wird nicht mehr lange auf sich warten lassen…

25.11.08, 0 km
Die leidige Geschichte mit der Ersatzteillieferung wurde heute um eine weiteres Kapitel ergänzt. Am Morgen musste ich feststellen, dass das Paket in Buenos Aires eine weitere Runde gedreht hat. Zum dritten Mal rief ich bei DHL in Buenos Aires an, zum dritten Mal gab ich meine Telefonnummer durch… Äusserungen wie „DHL will das Paket offenbar gar nicht ausliefern“ oder „warum heisst der Service eigentlich DHL Express, wenn die Lieferung so lange in Buenos Aires herumliegt?“ veranlassten am Nachmittag die Dame jedenfalls dazu, zurückzurufen und mich nach der genauen Abfahrtszeit von morgen zu befragen. Am Abend wurde dieser minimale Hoffnungsschimmer aber wieder vernichtet, denn das Paket liegt immer noch in Buenos Aires herum… Ich hoffe nun, dass das Rad bis El Calafate durchhält und ich dort die Reparatur vornehmen kann.

Nach dem Wäsche waschen habe ich meine Taschen wieder gepackt und die Abreise vorbereitet. In 2 Wochen hatte sich da eine unglaubliche Unordnung im abschliessbaren Kasten entwickelt…

Ushuaia, 26.11.2008
Gesamtkilometer: 6193


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