Di 02.12.2008 | Punta Arenas – Puerto Natales

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So 30.11.2008

  • Punta Arenas –
    Ruta 9 km 87
  • 88 km
  • 673 Hm
  • 6:17 h
  • 5.00 l
  • Zelt

Mo 01.12.2008

  • Ruta 9 km 87 –
    Ruta 9 km 176
  • 90 km
  • 533 Hm
  • 6:00 h
  • 4.50 l
  • Zelt

Di 02.12.2008

  • Ruta 9 km 176 –
    Puerto Natales
  • 71 km
  • 383 Hm
  • 3:20 h
  • 4.00 l
  • Hostel

30.11.08, 88 km
Nach dem reichhaltigen Frühstück ging es nun (endlich) wieder mal auf eine richtige Radetappe. Alles fühlte sich noch ganz vertraut an – nur die ersten paar Mal, wo ich in den Wiegetritt überging, hatte ich noch ein paar Schwierigkeiten mit der Balance.

Bei der schwierigen Kleiderwahl (gut, so viel habe ich auch nicht dabei…) habe ich mich optimal entschieden, indem ich das Unterhemd und das Trikothemd wählte. Ich hatte den ganzen Tag angenehm warm und schwitzte dennoch nicht. Je nach Sonnen- und Windbedingungen konnte ich jeweils rasch die Ärmel zurückziehen oder wieder den ganzen Arm bedecken. Zudem fuhr ich praktisch den ganzen Tag mit kurzen Hosen!

Wie schlecht die Leute die Entfernung für Radfahrer einschätzen können, konnte ich in Punta Arenas beim Abnehmen der Hosenbeine erfahren. Ich wurde von einem Einheimischen angesprochen der meinte, dass ich wohl gegen 14.00 Uhr in Puerto Natales eintreffen könne. Würde ich die 250 km mit meinem vollbepackten Velo tatsächlich in fünfeinhalb Stunden zurücklegen können, könnten sämtliche Radprofis einpacken…

Die Reparaturarbeiten an der Flagge in Ushuaia und auf der Mare Australis haben sich ausbezahlt: die komplett durchgebrochene Stange habe ich mit Leim, einem aluminiumbeschichteten Plastikbeutel, Zahnstochern und Klebeband fixiert. Die heutige Bewährungsprobe im patagonischen Wind hat die Stange schadlos überstanden… Dank der Flagge grüssten mich unterwegs auch ein Franzose und ein Schweizer Pärchen aus ihren Mietwagen.

Als ich mit dem Mittagessen fertig war, begegnete mir Gerold mit seinem Fahrrad. Wir redeten lange über Gott und die Welt, bis ich mich wieder aufraffte und die letzten Meter Rückenwind genoss. Dann musste ich nach etwas mehr als 50 km abbiegen und bis zu Windstärke 9 über mich ergehen lassen. Immerhin war es wärmer als in Argentinien vor wenigen Wochen… Auf den letzten 8 Kilometern kam der Wind wenigstens nur noch von der Seite, doch die nächste Kurve voll in den Wind konnte ich bereits sehen. Kurz vor dieser Kurve campiere ich nun neben der Strasse hinter einem kleinen Busch und werde morgen wieder mit frischen Kräften meine Nase in den Wind strecken…

01.12.08, 90 km
Nachdem ich nach 13 Kilometern Villa Tehuelches erreicht hatte, war eine längere Steigung zu bewältigen. Auf der anschliessenden Ebene konnte ich aber von unterstützendem Seitenwind oder sogar Rückenwind profitieren.

Die Landschaft war wie gestern: sanfte grüne Hügel, einige Bäume und Wäldchen, seltener kleiner Büsche. Und die klare Luft lässt immer wieder einen Fernblick auf die schneebedeckten Andenkette zu.

Als ich nach 60 Kilometern in Cerro Morro eintraf, stärkte ich mich in der Cafetería mit einer Coca Cola und liess meine Wasserflasche nachfüllen. So fuhr ich frisch gestärkt in den Gegenwind, denn hier macht die Strasse einen Knick nach Westen. Das Tempo konnte ich meist über 10 km/h halten, obwohl der Wind immer mehr zunahm und schlussendlich Stärke 7 erreichte. Mehr Sorgen bereiteten mir aber die dunklen Wolken, die am Himmel aufzogen. Links vor mir sah ich, wie es bereits regnet – und der Wind kam da gerade aus dieser Richtung… Ich trat mit voller Kraft in die Pedale und schaffte es gerade noch, aus der feuchten Zone rauszukommen. Doch die nächste Regenwolke war bereits am Horizont auszumachen… So brach ich die Fahrt bereits um 15.30 Uhr ab und verkroch mich im Zelt. Es zeigte sich zwar bald wieder die Sonne und ich hätte sicherlich noch ein paar Stunden fahren können, doch die verbleibenden 75 km bis Puerto Natales hebe ich mir für morgen auf…

Abends nahm ich erstmals meinen Kocher in Betrieb. Seit Minas / Uruguay habe ich zwar ein zweckmässiges Benzingemisch dabei, doch mit den in Ushuaia erworbenen Gaskartuschen fühle ich mich wohler…

02.12.08, 71 km
Betreffend Wetter ist Patagonien immer für eine Überraschung gut. Heute war es praktisch windstill – und wenn er doch mal wehte hatte ich Rückenwind!!! Morgens war der Himmel noch komplett bedeckt, doch die Wolken verzogen sich und die Sonne kam hervor. Bald fuhr ich schon am 7 Kilometer entfernten Río Rubens vorbei. Hat dort eventuell der Radfahrer übernachtet, den ich beim Morgenessen im Zelt vorbeifahren hörte?

Nachdem ich nach 20 Kilometern einen grösseren Hügel erklommen hatte, konnte ich am Horizont wieder die Silhouette von markanten Andengipfeln sichten. Diese sah ich praktisch durchgehend bis Puerto Natales, denn es war nun vorwiegend eben oder es ging leicht bergab, immer Richtung Berge. Puerto Natales erreichte ich schon um 11.30 Uhr nach weniger als dreieinhalb Stunden Fahrt. Mit den guten Bedingungen ist es zwar schade, das Tagespensum hier schon zu beenden, doch es ist der letzte Versorgungsort vor Torres del Paine. Deshalb gibt es hier noch einiges zu tun: waschen (mich und die Kleider…), einkaufen, essen, Route planen, usw.

Puerto Natales, 02.12.2008
Gesamtkilometer: 6442


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