Nachdem ich mich von meiner Zimmerkollegin verabschiedet habe, nehme ich die 222 nach Süden. Diese ist auf meiner Karte grün eingefärbt, so dass dies eine besonders reizvolle Strecke sein müsste – und das war sie dann auch! Die Blicke auf die Landschaft waren sensationell, mit den Wäldern entlang den Flanken des Mjøsa und den wenigen Häusergruppierungen und Dörfer, die den Radweg säumten. Mit dem wenigen Verkehr konnte ich richtig in die Stille abtauchen.
In Minnesund habe ich dann meine Lebensmittelvorräte wieder aufgefüllt. Die Supermärkte haben zwar bis 10 oder 11 Uhr abends geöffnet, doch bleiben diese am Sonntag geschlossen. So kaufte ich genügend Brot, Fleisch und Tomaten, um mich auch am folgenden Tag mit Sandwiches zu ernähren.
Dann fuhr ich weiter nach Eidsvoll – und dieses Städtchen habe ich dann fast gar nicht gefunden! Der Radweg führte kurz weg von der Hauptstrasse durch ein paar Häuserzeilen, und dann fand ich mich plötzlich wieder auf einer Kreuzung, ohne dass dort die Richtung nach Eidsvoll gewiesen wird. Also entschloss ich mich, nach Westen zu fahren – und kehrte dann nach 4 Kilometern wieder um, nachdem ich an einer Haltestelle den Busfahrplan studiert hatte. Eidsvoll befand sich dann tatsächlich auf der anderen Seite der Kreuzung – allerdings musste ich dann feststellen, dass ich seit Minnesund auch eine andere Strasse benutzt habe als vorgesehen…
Die Strecke führte mich dann weiter über sanfte Hügel, welche mit saftigem Gras oder aber mit reifen Kornfeldern bedeckt waren. Etwa 10 Kilometer vor meinem angepeilten Tagesziel, Fetsund, war dann eine Informationstafel für Touristen aufgestellt. Da musste ich mit Schrecken feststellen, dass es in Fetsund selbst keine Übernachtungsmöglichkeit gibt. Etwa 5 Kilometer abseits der Route liegt aber Lillestrøm, wo es ein Hotel geben soll. Gemäss Karte ist Lillestrøm dann aber auch schon fast wieder ein Aussenbezirk von Oslo… Soll ich stattdessen auf gut Glück weiter Richtung Süden fahren und hoffen, dass irgendwann ein Hotel oder ein Campingplatz kommt? Da die Wasservorräte beinahe zu Neige sind, entschliesse ich mich dann doch für das sichere Hotel in Lillestrøm. Um von Fetsund dorthin zu kommen, hatte ich dann zuerst aber mächtig mit Gegenwind zu kämpfen, und dann legte ich die letzten 2 Kilometer auf einer Autostrasse zurück – ich fand einfach keinen Radweg, der in diese Richtung führte! Die Autostrasse mündete dann in einen Kreisel, ich bog ab, und stand dann schon direkt vor dem riesigen Hotelkomplex, welches anscheinend für Messen verwendet wird.
Beim Einchecken erklärte mir der Angestellte dann, was für ein riesiges Glück ich habe. Normalerweise kostet die Übernachtung 1’500 NOK. Derzeit bestehe aber ein Sonderangebot für 1’000 NOK. „Na ja“, denke ich, „das sind immer noch etwa 200 CHF. Aber lieber ein Dach über dem Kopf als dass sich die dunklen Wolken die ganze Nacht dann über meinem Zelt ausschütten“.


















