Die Nacht war klimatisch nicht vergleichbar mit jener zuvor. Während ich gestern den Schlafsack bis oben zu hatte, um die Wärme am Körper zu halten, nutzte ich diese Nacht den Schlafsack eher als Decke. Und der warme Luftstrom hielt die ganze Nacht das Zelt innen und aussen trocken, so dass ich am Morgen gar nicht auf die Sonne warten musste.
Deshalb verliess ich den Zeltplatz genau eine Stunde früher als gestern. Zuerst ging es auf breiter Strasse nach Slunj, wobei ich unterwegs einen anderen Velotouristen überholte (während 4 Kilometer hatte ich langsam aufgeholt, dann legte er eine Pause ein…).
In Slunj verliess ich die ausgetretenen Touristenpfade und fuhr auf einer schmaleren Seitenstrasse weiter. In Wellenform, aber kaum einmal steil, ging es hauptsächlich durch schattige Eichenwälder hindurch. Wenn alle Backsteinhäuser verputzt wären, könnte man glatt meinen, durch den Jura zu fahren.
Auf der nächsten Hauptstrasse angekommen, bog ich bald nach Ogulin ab. Bei einer Ortsdurchfahrt kurz vor Ogulin waren viele Polizisten zu sehen. Den Grund sah ich auch rasch, denn es wurde eine Prozession vorbereitet. Kurze Zeit später wäre die Strasse wohl gesperrt gewesen…
Der relativ wenige Verkehr wurde hauptsächlich durch einheimische Nummernschilder dominiert – es war aber auch ein Schaffhauser dabei. Ob der gestrige Tag der einzige dieser Tour bleibt, an dem ich keine Schweizer Nummernschilder sehe?
Feiertage haben in Kroatien offenbar einen ganz anderen Stellenwert als Sonntage. Während gestern Sonntag noch alle Lebensmittelläden offen hatten, war heute alles geschlossen. Gut, dass ich immer etwas Reserve dabei habe…
Die Strecke von Ogulin nach Vrbovsko musste ich grösstenteils auf einer Umleitung bestreiten, wiederum durch schattige Wälder. Trotzdem bekam ich die Hitze zu spüren. Während ich auf den knapp 70 Kilometer vom Campingplatz bis Ogulin eine 1.5 Liter-Wasserflasche leerte, reichte die nächste nur noch für die etwas mehr als 20 Kilometer bis Vrbovsko. Und auf den verbleibenden 40 Kilometer wurden nochmals 2 Flaschen geleert.
Die waren dann aber auch ziemlich hügelig. Als es in eine etwas längere Abfahrt ging, dachte ich schon, jetzt könne ich die restliche Distanz gemächlich nach Delnice rollen. Aber denkste, es ging nochmal richtig lange bergauf. Ich bedauerte schon, dass ich nach den ersten 200 Meter Bergauffahrt in Vrbovsko nicht umkehrte und die wegen der Umleitung verpasste kürzere Strasse entlang der Autobahn genommen habe. Als die beiden Strassen 9 Kilometer vor Delnice wieder zusammenkamen, hatte sich dies aber erledigt, denn es ging auch danach weiter bergauf – auf der kürzeren Strasse wäre der Anstieg wohl einfach steiler gewesen…
5 Kilometer vor Delnice wusste ich endlich, dass es wirklich bergauf ging und ich nicht einfach infolge Müdigkeit nicht mehr richtig vorwärts kam. Die Passhöhe von 847 Meter über Meer wurde ausgeschildert – das beruhigt!
So waren die letzten Kilometer doch noch rasch zurückgelegt, fuhr in Delnice hinein, sah ein Hinweisschild für ein Hotel, bog entsprechend ab – doch diese Strasse führt von Delnice weg. Das Hotel könnte also noch ein paar Kilometer entfernt sein. Also kehrte ich gleich wieder um, fuhr ins Zentrum hinein, und da waren auch gleich Zimmer ausgeschrieben. So logiere ich die letzte Nacht in Kroatien über dem Café Centar.


















