Eigentlich wollte ich heute ja via Liù und den Colle del Lis den Moloch Turin umfahren. Aber eben: eigentlich. Von Lanzo aus geht es auf der Hauptstrasse durch einen Tunnel weiter ins Tal hinein. Und aufgrund der Erfahrung von gestern ging ich davon aus, dass da für Velofahrer sowieso ein Fahrverbot herrscht. Auf der anderen Flussseite fand ich dann einen Radweg – aber was für einen! Den müssen wohl die Inkas gebaut haben! Angeblich war diesem Volk das Rad ja unbekannt… Die ersten 100 Meter konnte ich noch fahren, doch dann waren grosse runde Flusssteine verbaut, wo auch laufen kaum gefahrlos möglich war. Als dann nach einem halben Kilometer auch noch grosse Treppenstufen kamen, über die ich das Fahrrad mit Gepäck hätte stemmen sollen, hatte ich genug, denn soweit ich auf der anderen Seite sehen konnte kam es nicht besser!
Daher ging ich zu Plan B über: Heute ist in Italien ja ein Feiertag. Warum nicht auf wenig Stadtverkehr spekulieren und direkt durch Turin durchfahren? Gedacht, getan. Mit ganz leichtem Gefälle und Rückenwind legte ich die 30 Kilometer bis zum Stadteingang in etwas mehr als einer Stunde zurück. Doch um IN die Stadt zu kommen, gab es dann noch eine Aufgabe zu lösen. Da sind auf „meiner“ Strasse Bauarbeiten im Gang. Der Fahrradweg ist dabei noch nicht fertig gestellt. Das Schild, dass Fahrräder verboten sind, wurde aber bereits montiert… So betätigte ich mich als Fährtenleser – nur einmal, als wieder ein geteerter Abschnitt kam, fand ich erst beim dritten Anlauf die weiterführenden Spuren im Staub… Wenigstens erfüllte sich dann meine Hoffnung auf wenig Verkehr in der Stadt. Einziges Problem waren dann noch die Lichtsignale. Auf den 12 Kilometern durch die Stadt musste ich mindestens 50 Mal anhalten und wieder anfahren!
Turin liegt ja am Arsch der Welt, und so fuhr ich dann bei der Stadtausfahrt über den Po weiter Richtung Carmagnola. Auch da konnte ich die Geschwindigkeit konstant über 20 km/h halten und kam so rasch voran. Je höher die Sonne stand, desto stärker brannte sie dann aber auch auf mein Haupt. So machte ich die eine oder andere Schatten- und Cola-Pause. In Fossano hatte ich genug Hitze absorbiert und suchte mir eine Unterkunft. Mein schweissgebadetes Hemd und die salzverkrusteten Hosen habe ich dann gleich gewaschen. So konnte ich die Sonne wenigstens noch zum Trocknen einsetzen…
Von Fossano hatte ich vorher noch nie was gehört – und ich werde den Namen wohl auch rasch wieder vergessen haben. Ich schlenderte am Abend noch ein bisschen durch die auf einem kleinen Hügel erbaute Stadt und fand da wirklich nichts reizendes. Man müsste unverputzte Backsteingebäude halt schon mögen…
