In der Nacht begann es zu regnen, und auch am Morgen kamen immer wieder Schauer. So entschied ich mich, den heutigen Tag im Zelt zu verbringen, und begann zu lesen. Doch plötzlich, so um 09.30 Uhr, hörte der Regen auf, die Sonne kam hinter den Wolken hervor und es wurde sofort ziemlich warm im Zelt. Ich überlegte dann nicht mehr lange, sondern schüttelte dann das Zelt kräftig durch, damit die Regentropfen abperlten, und als ich alle Sachen zusammengepackt hatte, war das Zelt tatsächlich schon trocken! So setze ich mich dann kurz nach 10 Uhr wieder in den Sattel.
Gleich als ich Åmål hinter mir gelassen hatte, sah ich ein Radweg-Schild mit der Bezeichnung „Karlstad“. „Super“, dachte ich, „genau da will ich heute ja hin!“ In der Regel sind sonst die Radwege ohne Ortsbezeichnungen angeschrieben, oder aber nur mit der nächsten Mini-Ortschaft, die gar nicht auf meiner Karte verzeichnet ist. So ist es jeweils ein Vabanque-Spiel, ob der Radweg auch tatsächlich in jene Richtung führt, wohin ich auch wirklich möchte. Nun ist aber „Karlstad“ angeschrieben, 100 Kilometer weiter weg mein Tagesziel. So kann ich heute ganz beruhigt dem Radweg folgen.
Und der Radweg heute war fantastisch: kaum Verkehr auf der Strasse, manchmal weite Kornfelder durchquerend, manchmal in tiefer Wälder eintauchend, plötzlich an einem See vorbeifahrend, hie und da ein Häuschen, ein Kirchlein oder sogar so etwas wie eine Ortschaft erblickend, das Auge an bunten Blumen erfreuend – so genussvoll verbrachte ich heute den Tag. Einzig bei Borgvik musste ich nochmals einen halbstündigen unfreiwilligen Halt einlegen, da mich eine dicke schwarze Wolke etwa dreiviertel Stunden verfolgte, bis sie mich erwischte. Ringsherum war aber die ganze Zeit blauer Himmel zu sehen… Ansonsten war es aber den ganzen Tag sonnig und angenehm warm.
Am Abend hatte ich dann in Karlstad aber noch ein bisschen Mühe. Der Radweg führte mich zwar vor die Tore der Stadt, dann verlor ich aber die Fährte. Und da mich der Radweg auf verschlungenen Pfaden zur Stadt führte, hatte ich die Orientierung völlig verloren. So war es dann bei jeder Kreuzung ein Ratespiel, in welche Richtung ich weiterfahren soll, denn ich fand nur ein einziges Mal einen Hinweis für ein Informationsbüro – die Strasse war da aber Autofahrern vorbehalten. Aber auch Schilder zur Jugendherberge suchte ich vergebens. Dann traf ich ein Pärchen, welches auch mit dem Fahrrad unterwegs war, welche ich dann nach dem Weg fragte. Sie nahmen mich dann gleich mit und fuhren auf ihrem Weg nach Hause noch einen kleinen Umweg durchs Zentrum.
Dann, nach etwa 5 gemeinsamen Kilometern, standen wir wieder vor dem selben Hinweisschild zum Informationsbüro, welches ich zuvor schon entdeckt hatte. Was ich vorher aber nicht sah, war der Radweg auf der anderen Strassenseite. Keine 200 Meter weiter war ich mitten im Zentrum…
Mit dem Stadtplan, welchen ich im Touristenbüro erhalten habe, war es dann ein leichtes, die JH zu finden. Diese wurde in der ehemaligen Kasernenverwaltung auf einem kleinen Hügel eingerichtet. Die übrigen Gebäude der Kaserne wurden in Wohnblöcke umfunktioniert, worauf man von der Jugendherberge einen fantastischen Blick hat.
In Karlstadt hatte ich auch mit der JH Glück, denn ich hatte wieder einmal Platz! Und wie! Auf der ganzen Etage waren wir gerade mal 2 Personen. Allein in unserem Raum gab es aber 12 Betten… Mein Zimmerkollege wählte dabei noch einen ganz exklusiven Schlafplatz: Im Tresor, welcher auch mit Betten bestückt ist! Die Türe wurde aber entsprechend bearbeitet, so dass man nicht eingeschlossen werden kann…


















