Do 26.07.2007 | Karlstad – Mariestad

,

Via

  • Kristinehamn

Infos

  • 139 km
  • 7:10 h
  • 5.50 l

รœbernachtung

  • Zelt

Am Morgen hatte ich vor dem Losfahren noch ein logistisches Problem zu lรถsen. Der Stadtplan zeigte einerseits nur die Innerstadt in bester Auflรถsung, wo die JH gerade am Rand noch am Rand verzeichnet war. Andererseits enthielt der Stadtplan eine zweite Ansicht mit einem hรถheren Massstab, auf welcher nur noch die Hauptverkehrsstrassen ersichtlich waren. So war der Start nicht ganz einfach, denn die E18, die sich gleich neben der JH befindet, durchquert Karlstadt grundsรคtzlich von West nach Ost in einem leichten Bogen. Leider ist die Ausrichtung der E18 bei der JH aber genau in Nord-Sรผd-Richtung, und eine Kurve ist nicht ersichtlich.

Aufgrund von Nachfragen beim JH-Personal startete ich dann Richtung Norden. Auf den Radwegen versuchte ich immer, die E18 im Blick zu behalten, denn die fรผhrt nach Kristinehamn, der ersten grรถsseren Ortschaft, die ich heute passieren wollte. So machte ich den Bogen durch die Stadt mit, mal links der E18, mal rechts davon. Nur einmal, als ich am anderen Ende der Stadt wieder gen Sรผden fuhr, verlor ich meinen roten Faden, und prompt fuhr ich falsch! Ich wusste, dass die E18 bald wieder nach Osten abdrehen musste, und entschied mich bei einem Verkehrsschildlosen Kreisel, wo ich nur Richtung Osten oder Westen abbiegen konnte, mich ostwรคrts zuzuwenden. 3 Kilometer spรคter, davon mehrheitlich auf Schotterstrasse, fand die Strasse an einem kleinen See ihr Endeโ€ฆ

Nachdem es am Morgen sehr sonnig und schรถn war, kam immer mehr (Gegen-)wind auf. Gleichzeitig bildete sich eine dicke, graue Wolkendecke, und es wurde kรผhler. Nachdem ich Kristinehamn durchquert hatte, begann es dann auch noch zu regnen, zum Glรผck aber nur kurz. Ich wรคhlte dann den Radweg, nachdem ich die letzten 20 Kilometer vor Kristinehamn auf der E18 Tempo bolzte. Meine Entscheidung fรผr den Radweg sollte ich aber schon bald bereuenโ€ฆ Der Radweg ist auf Nebenstrassen ausgeschildert, die mehr oder weniger parallel zur 26 Richtung Mariestad verlaufen. Plรถtzlich sah ich ein Schild, dass Strassenarbeiten ausgefรผhrt werden. Die folgenden 7 Kilometer war dann der Untergrund von der รผbelsten Sorte! Auf der bestehenden Teerstrasse wurde eine dicke Schicht grober Schroppen aufgetragen und, wenn รผberhaupt, nur wenig eingewalzt. Dies sollen wohl die Fahrzeuge selbst รผbernehmen. Jedenfalls musste ich die ganze Zeit die bestmรถgliche Spur suchen, um nicht allzu tief in die Steine einzusinken. Deshalb fuhr ich praktisch die gesamten 7 Kilometer ganz links aussen, da dort die Steine mehrheitlich am besten eingewalzt waren. Sowohl die entgegenkommenden wie auch die รผberholenden Automobillenker schauten haben sich vielleicht zuerst รผber meine gewรคhlte Position auf der Strasse gewundert, zeigten aber viel Verstรคndnis. Denn auch sie mussten mit dem Untergrund kรคmpfen!

Als ich dann wieder die geteerte Strasse erreichte, wรคre ich vor Erleichterung beinahe abgestiegen und hรคtte die Strasse gekรผsst. Ich liess es dann bei einem lauten Jubelschrei bewendenโ€ฆ Immerhin hat sich aber die Belastbarkeit des Materials erwiesen: Wenn auf solch einer Schรผttelstrasse am Fahrrad nichts bricht oder auch nur locker wird, kann ich mich beruhigt auf mein Velo verlassen.

Den Nachmittag zog ich durch, ohne einmal abzusteigen. Ich wollte einfach so rasch wie mรถglich nach Mariestad. Dort habe ich bereits vor 8 Jahren in der Jugendherberge รผbernachtet, und ich fand die Atmosphรคre damals hervorragend. Entsprechend freute ich mich auf diese Stadt. Ich musste dann aber feststellen, dass Mariestad auch bei anderen Reisenden beliebt ist. Jedenfalls gab es in der JH kein freies Bett mehr. Deshalb fuhr ich weiter zum Campingplatz, um dort mein Zelt aufzustellen.

Auf dem Campingplatz herrscht freie Platzwahl, das heisst, dass man das Zelt dort aufstellen darf, wo es einem gefรคllt (solange man die Stromanschlรผsse fรผr die Campingwagen zugรคnglich hรคlt). Ich wรคhlte dann einen Platz gleich neben den sanitรคren Anlagen. Es hatte dort zwar ein paar Pfรผtzen, doch ich fand ein um ein paar Zentimeter erhรถhtes Plรคtzchen, auf welchem ich mein Zelt ideal aufstellen konnte.

Als ich die letzten Heringe in den Boden drรผckte, bemerkte ich plรถtzlich einen Marienkรคfer neben dem Zelt. Dieser zog dann in den nรคchsten Minuten meine ganze Aufmerksamkeit auf sich, und ich versuchte, den Kรคfer mรถglichst scharf auf ein Foto zu kriegen. Danach ging ich ins Campingrestaurant und gรถnnte mir ein Steak mit Pommes. Als ich nach dem Essen noch dem Ufer des Vรคnern entlang schlenderte, wurde es dann rasch dunkler. Und mit zรผgigen Schritten suchte ich dann mein Zelt auf, als sich die Tropfen zu einem veritablen Regenguss mehrten!


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