Mit Hilfe einer Stadtkarte, die ich an der Hotelrezeption erhalten hatte, fand ich ohne Probleme den Weg aus Uddevalla hinaus. Ohne Karte wäre dies ganz bestimmt komplizierter geworden! Jedenfalls fuhr ich so zügig Richtung Osten, dem Vänern-See entgegen, oft auf Radwegen neben der Hauptstrasse. Dabei muss ich einmal die Abzweigung der E45 verpasst haben. Diese führt nämlich, an Vänersborg vorbei, dem Westufer des Vänern entlang Richtung Karlstad. So nahm ich dann die vermeintliche Abfahrt und erwartete in ein paar Kilometern Vänersborg links von mir zu erblicken. Doch dann war ich plötzlich mitten in Vänersborg…
Ich fand mich dann rasch zurecht, und bald auch die E45. Auch dort hatte es vorerst Radwege, denen ich bis Mellerud mehr oder weniger folgte. Wer einmal in diese Gegend kommt, sollte unbedingt in Frändefors Halt machen: Auf der linken Strassenseite (wenn ich das richtig gesehen habe gibt es in ganz Frändefors sowieso nur ein einziges Restaurant) ist eine Pizzeria wo ich die Pizza meines Lebens gegessen habe! Der Pizzateig war knusprig aber dennoch weich, die Auflage genau richtig, also weder zuwenig noch zuviel, und die Würze hervorragend. Jeder Biss war einfach ein wahrer Genuss!
In Mellerud habe ich dann meinen ersten Stopp in einem ICA-Zentrum eingelegt. Vor 8 Jahren fühlte ich mich beim Shoppen in den ICA’s jeweils wohl, und dementsprechend freute ich mich schon auf dieses Erlebnis – und ich wurde nicht enttäuscht! Irgendwie wurden diese Einkaufsläden nach meinen Präferenzen gebaut, so dass ich mich immer sofort zurechtfinde und ich die gewünschten Produkte nicht suchen muss. Nein, diese befinden sich jeweils genau dort, wo ich diese erwarte! Einfach unglaublich!
Jedenfalls gingen die 40 Liter Eistee-Extrakt, die ich von zu Hause mitgenommen habe, langsam zu Neige, so dass in diesem Bereich dringend die Bestände wieder aufgestockt werden mussten. Und in allen Shoppingcenters in Skandinavien ist Lipton-Eistee erhältlich. Da ich aber aus Erfahrung wusste, dass Eistee in Norwegen zu horrenden Preisen verkauft wird, habe ich eine entsprechend grosse Menge von zu Hause mitgenommen.
Angezogen fühlte ich mich auch von den Früchten und Nüssen, die mit einer Schokolade-Joghurt-Schicht überzogen waren, welche individuell in einen Beutel abgefüllt werden konnten. Da konnte ich einfach nicht widerstehen…
Sehr angetan war ich auch vom Brot, welches im ICA verkauft wird. Es gibt eine ganz grosse Auswahl von Brot (ehrlich gesagt habe ich in Schweden allerdings auch keine Bäckerei gesehen), welches bereits geschnitten in Plastiksäcken abgepackt ist. Und das Brot hat trotzdem einen wunderbaren Geschmack!
Von Mellerud bis Åmål war die E45 auf der Landkarte grün markiert. Dies bedeutet, dass die Landschaft entlang der Strasse besonders reizvoll ist. Entsprechend freute ich mich auch auf diesen Abschnitt – leider vergebens! So richtig etwas zu sehen gab es auf jeden Fall nicht viel, und falls doch, dann konnte ich diese infolge des Verkehrs nicht geniessen.
Immerhin kam ich auf der E45 rasch vorwärts. Schon gestern Nachmittag hatte ich das Gefühl, leichter voran zu kommen. Weist der neue Pneu eventuell einen geringeren Rollwiderstand auf? Oder ist das nur Einbildung? Oder habe ich auf der bisher zurückgelegten Strecke Muskeln zugelegt, die sich nun plötzlich offenbaren? Jedenfalls ist es ein erhebendes Gefühl, wieder einmal mit ein bisschen Tempo voranzukommen – wobei auch bei 25 km/h die Landschaft noch lange nicht vorbeihuscht…
In Åmål steuerte ich dann die Jugendherberge an, die direkt am Vänern liegt. Leider war die JH aber schon ausgebucht, und ich machte mich auf den Weg ans andere Ende von Åmål. Dort liegt der Campingplatz, auch wunderbar um einen Hügel am Ufer des Vänern angelegt. So baute ich mein Zelt auf (hier hatte es im Gegensatz zu Haverslev noch etliche andere Gäste) und kochte etwas in der Campingküche. Dann genoss ich noch die Abendstimmung mit golden leuchtenden Wolken, bevor ich in den Schlafsack kroch.


















