Gestern Nacht hatte ich erstmals auf dieser Reise die Apsis geschlossen. Nicht aber, weil es kalt war, sondern weil ich die fliegenden Viecher nicht im Zelt haben wollte! So ein kleines Ding hatte mich gestern Abend beim Zeltbezug in den Fuss gestochen – ein Gefühl, wie wenn ich in Brennnesseln stehen würde! An diesem Fuss hatte ich gestern Abend zudem noch ein Pflaster am Knöchel angebracht – zu oft habe ich diesen schon am Pedal angeschlagen. Immerhin hält hier das Pflaster!
Schon gestern wunderte ich mich über die Grösse bzw. Länge des Zeltplatzes. Nach ein paar Hundert Metern Fahrt ging mir heute Morgen ein Licht auf: Ich bog auf die Tourist-Trophy-Strecke ein und fuhr an aufgebauten Tribünen vorbei. Obwohl wenig Verkehr herrschte und auch um diese Uhrzeit noch keine Motorräder unterwegs waren, blieb ich nicht lange drauf: Meine Route führte mich auf eine stillgelegte Bahnstrecke. Diese gibt es also auch auf der Isle of Man! Danach ging es auf Nebenstrassen weiter Richtung Norden, wo ich bei Bride kurz nach Tour-Kilometer 2’000 meinen nördlichsten Punkt auf der Insel erreichte. Es ginge noch etwa 5 Kilometer weiter zum Leuchtturm, doch den liess ich links liegen, ging auf die öffentliche Toilette und fuhr nun wieder Richtung Süden.
Auf der Fahrt nach Bride sah ich zuerst noch Dunst an den Hügeln hängen, danach zogen Schleierwolken auf. In Ramsey, wo ich eine Essenspause am Strand einlegte, hing sogar Nebel über der Stadt. Erstmals seit Tagen – nein, Wochen! – musste ich mir keine Gedanken machen, wo ich ein Schattenplätzchen für eine Pause finde!
Gegen 11 Uhr war dieser Spuk wieder vorbei, das Einstreichen der Sonnencrème am Morgen hat sich doch gelohnt… Da war ich schon fast in Laxey angekommen, wo ich die grosse Mittagspause einlegte. Gegessen hatte ich noch an der Strandpromenade auf einer Sitzbank. Diese war an der prallen Sonne – der Mittagsschlaf wird also verschoben. Ich fuhr das Strässchen zur Hauptstrasse hoch, und beinahe oben angekommen, war da ein schöner Park mit viel Schatten. Während es unten an der Promenade vor Menschen wimmelte, war ich hier alleine und genoss das Nickerchen. Der Park hatte aber noch mehr zu bieten: In Laxey wurde bis vor ca. 100 Jahren Blei und Zink abgebaut, und die längst abgebaute Waschanlage für das Erz sowie ein riesiges Wasserrad standen direkt daneben.
Schon auf dem Weg von Ramsey nach Laxey kreuzte ich dann und wann Tramschienen, und in Laxey sah ich auch endlich ein Tram vorbeifahren – diese Strecke wird aber wohl nur noch für Touristen betrieben. Auch von Laxey zurück nach Douglas folgte meine Route auf den letzten Kilometern vollständig den Tramschienen. Das bot mir schlussendlich auch die Gelegenheit, eine der elektrisch betriebenen Kompositionen bildlich festzuhalten. Als in Douglas wieder auf Meereshöhe war, sah ich zu spät, dass ein von einem Pferd gezogener Wagen entgegenkam. Ich gehe davon aus, dass der Vierbeiner das Gefährt nur entlang der Strandpromenade ziehen muss und nicht die Hügel hinaufgaloppieren muss!
In Douglas fuhr ich zuerst zum Tesco, und nach den Einkäufen zurück zur Unterkunft. Dort habe ich nicht das gleiche Zimmer erhalten wie vor zwei Tagen, sondern ein etwas kleineres einen Stock tiefer – das andere sei ebenfalls belegt. Aber auch hier kann ich dieselbe Aussicht geniessen. Zuerst galt es aber noch, die Ausrüstung mit Sekundenkleber sowie Nadel und Faden instand zu stellen: Mal schauen, ob die kleine Seitentasche an der Lenkertasche wieder hält, so wie auch die abgerissene Öse für das Innenzelt.
