Da die Fähre erst um 08.30 Uhr ablegte und ich spätestens 08.05 Uhr eingecheckt haben muss, hätte ich heute länger schlafen können. Meine innere Uhr liess das aber nicht zu, so dass ich um 5 Uhr die Augen öffnete und mich zuerst ein bisschen mit Etappenplanung für die kommenden drei Tage beschäftigte – den Zeltplatz für heute Abend habe ich ja bereits gestern gebucht.
Nach 7 Uhr begann ich, das Gepäck hinunterzutragen und das Fahrrad zu beladen, die Abfahrt erfolgte um 07.20 Uhr. Ein letztes Mal fuhr ich der Strandpromenade von Douglas entlang, und nach einem Kilometer war ich am Fährhafen. Da wurde ich zuerst fehlgeleitet, denn die Dame, welche die Autoschlangen unter Kontrolle hielt, meinte, ich soll an allen Fahrzeugen vorbeifahren – in meiner Reihe war das ein Motorrad und ein Auto – und mich im Gelände drinnen an das Personal wenden. Nun, dort wurde ich gefragt, ob mein Ticket, das ich per Mail erhalten hatte, gescannt wurde. Natürlich nicht, denn ich wurde ja direkt hierin geschickt! Ich konnte das Fahrrad drinnen lassen und lief die 30 Meter zurück hinter das Auto in meiner Schlange. Es vergingen aber noch mindestens 15 Minuten, bis mein Ticket gescannt war – die „Schlangendompteuse“ liess zuerst eine Warteschlange durch, die sich hinten ständig mit neu ankommenden Fahrzeugen auffüllte… Das spielte für mich aber keine Rolle, denn schlussendlich durfte ich mit einem anderen Velofahrer zusammen zuerst auf die Fähre.
Diese Fähre war nicht identisch ausgestattet wie jene, mit der ich auf die Isle of Man gekommen bin. Wenn man keine Lounge gebucht hat, gab es kaum eine Chance auf einen Sitzplatz mit Sicht nach Draussen, ausser auf dem Aussendeck. Also nahm ich in „The Eatery“ im Innenraum Platz, wo es dafür viele Steckdosen gehabt hätte. Da hätte ich den Laptop ja doch mit hinauf nehmen können und ein paar Dinge erledigen… So steckte meine Nase hauptsächlich im eBook-Reader.
Ich zwang mich dazu, bis um 10 Uhr abzuwarten und erst dann an der Theke ein englisches Frühstück zu holen – Bohnen mit Speck, Rührei, und einer Art Rösti auf einer Tortilla. Da war die Warteschlange äusserst kurz, im Gegensatz zu Beginn der Überfahrt. Aber wenn man die ganze Zeit den Geruch in der Nase hat, kann das den Magen ganz schön verrückt machen!
Es kam noch eine Durchsage vom Kapitän, dass es bei einer Maschine ein Problem gäbe und diese daher abgeschaltet und repariert werden müsse. Infolgedessen gäbe es auch eine Verzögerung bei der Ankunftszeit, wofür er sich entschuldigte. Es gab danach noch zwei weitere Durchsagen, die ich jedoch nicht verstehen konnte – das Geschwätz an den Nebentischen war zu laut.
Umso erstaunter war ich, als bereits deutlich vor zwölf Uhr die Durchsage kam, dass man nun wieder zu den Fahrzeugen gehen könne. Ich war so überrascht, dass ich den Le Mans-Start verpasste – und zuhinterst in der Warteschlange stand. Als ich endlich unten beim Fahrrad war, war die Luke bereits unten und die ersten Motorräder für die Wegfahrt abfahrbereit – der andere Velofahrer war bereits verschwunden. Vor den letzten beiden Motorradfahrern – einer hatte in Problem mit dem Anlasser – ging ich aber dennoch wieder als einer der Ersten von der Fähre.
Nach dem Fährhafen von Heysham führte mich meine Route direkt weg von der Hauptstrasse, so dass mich die anderen Fahrzeuge nicht zu überholen brauchten. Stattdessen ging es gleich an den Strand – fast eine 10 Kilometer lange, flache und 8 bis 10 Meter breite Promenade. Mit leichtem Rückenwind war es da einfach, vorwärts zu kommen und den Fussgängern auszuweichen. Danach ging es zwar von der Küste weg, aber weitere 10 Kilometer bis Camforth flach weiter. Es ging aber nicht mehr so schnell voran, denn der etwa 60 Zentimeter schmale Pfad war eine Ansammlung von Unebenheiten und Löchern, die durch Asphalt zusammengehalten werden – und knapp daneben war ein Schifffahrtskanal. Da hiess es, das Gleichgewicht zu behalten!
Die restlichen 20 Kilometer waren auch auf verkehrsarmen Strassen, nun aber ziemlich hügelig – ein Vorgeschmack auf das, was die nächsten Tage auf mich zukommen wird! Nach einem Einkaufs- und Essensstopp in Milnthorpe waren es nur noch wenige Kilometer zum Campingplatz. Dieser befindet sich auf einer Farm, die Besitzer haben die Land- und Viehwirtschaft mit diversen touristischen Angeboten erweitert.
