– Bahntrassen-Radwege –
Auf stillgelegten Bahnstrecken einen Radweg anzulegen, hat fรผr die Benutzer schon etwas reizvolles. Nur schon deshalb, dass Eisenbahnen keine steilen Steigungen bewรคltigen kรถnnen ohne Zahnrad. Und als Radfahrer lassen sich Steigungen im Promillebereich definitiv einfacher bewรคltigen als im Prozentbereich. Zudem ist man auf einer ehemaligen Bahnstrecke zumeist getrennt von der normalen Strasse und man kann in aller Ruhe vorankommen. Nicht zuletzt gibt es auf solchen Anlagen auch immer wieder Kunstbauten zu bewundern, welche fรผr die Eisenbahn erstellt wurden.
Ich kann mich schwach erinnern, mal das Wiesental runter solch einen Bahntrassen-Radweg benutzt zu haben, als ich von einer kleineren Tour vom Feldberg her kam. In bester Erinnerung ist mir natรผrlich die als Radweg umgenutzte Bahntrasse zwischen Puerto Serrano und Olvera, welche ich vor ein paar Monaten in Spaniens Sรผden erkundet habe. Mit seinen vielen Tunnels und Viadukten war das ein echter Hรถhepunkt wรคhrend der Andalusien-Tour.
Und auch heute fand ich mich unvermittelt auf einer ehemaligen Bahnstrecke wieder. Ausgangs Houffalize wunderte ich mich, dass so tiefe Einschnitte in den Fels gehauen wurden, nur fรผr den Radweg. Das passte gar nicht zur 17%-Rampe, die gerade zuvor noch zu รผberwinden war. Und der sanft ansteigende Weg stand auch in Kontrast zur erheblich steileren Anfahrt nach Houffalize – gut, das waren nur die ersten paar Kilometer, aber trotzdem!
Nach ca. 13 Kilometer solch sanftem Anstieg ging es dann genauso sanft – aber stetig – wieder bergab, nach Bastogne, dann weiter, irgendwann รผber die Grenze nach Luxemburg. Und dann kam der definitive Beweis, dass dies mal eine Bahnstrecke war: 4 Tunnels, jeweils zwischen 100 und 250 Meter lang! Ach wie schรถn!
Ab Wiltz fรคhrt die Eisenbahn (leider) noch – auf dem Radweg hรคtte dann kein Zug mehr eine Chance gehabt! Es gab ein stรคndiges rauf und runter, wobei ich das Gefรผhl hatte, ersteres mehr angetroffen zu haben als letzteres. Aber das ist natรผrlich ein subjektiver Eindruck, welcher sicher auch vom Donnergrollen beeinflusst wurde. Die letzte Steigung auf dem Radweg durch den Wald wollte und wollte einfach nicht hรถren, und mein einziger Orientierungspunkt war einzig noch die verbleibende Distanz zur nรคchsten Ortschaft mit Zeltplatz gemรคss Tacho-Countdown. Eigentlich hรคtte ich ein Pause nรถtig gehabt, aber das immer wiederkehrende Trรถpfeln und die Furcht vor einem heftigen Gewitter liessen mich nicht absteigen, sondern mit letzter Anstrengung das Rad weiter hochwuchten.
Endlich wurde es dann mal etwas flacher, und es kam noch ein Zickzack-Kurs, bis ich endlich Hosingen erblicken konnte – und auch den Campingplatz. Da schoss ich dann darauf zu, stellte so schnell wie mรถglich das Zelt auf schmiss das Gepรคck hinein – und dann riss der Himmel wieder auf und die Sonne schien!
Nun, wenn ich fรผnf Stunden spรคter (20 Uhr) diese Zeilen schreibe, scheint die Sonne immer noch – und da habe ich absolut nichts dagegen!


















