Fr 17.07.2026 | Sedgwick – Ravenglass

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Via

  • High Newton
  • Lakeside
  • Elterwater
  • Hardknott Pass
  • Wrymose Pass

Infos

  • 82 km
  • 7:25 h
  • 6.50 l
  • Camping
  • Ravenglass Camping & Caravanning
  • GBP 8.80

Strava

Heute traf ich zwei Entscheidungen, die ich bereue – die eine wird mich wohl noch viele Tage, wenn nicht Wochen beschรคftigen. Doch alles der Reihe nachโ€ฆ

Am Morgen hat meine Zeltnachbarin ihren Platz zur gleichen Zeit gerรคumt wie ich meinen. Sie hat heute eine Prรผfung, indem sie innert 7.5 Stunden zwei Meter einer Trockensteinmauer abtragen und neu aufbauen muss. Ihr Werk wird also in vielen Jahrhunderten noch sichtbar sein!
Ich fuhr die ersten kleineren Hรผgel hoch und runter, sah aber vor mir eine grรถssere Wand immer nรคher kommen. Vom Streckenprofil her wusste ich, dass es sich dabei um den ersten signifikanten Ausschlag nach oben handelt: Der Anstieg hinauf nach High Newton. Und was war das fรผr ein Anstieg: 150 Meter mit einer maximalen Steigung von 20 % – und der Rest war auch nicht viel weniger steil! Ich schaffte es aber, den ganzen Anstieg durchzupedalen!

Nach einer kurzen Abfahrt mit einigen Gegenanstiegen ging es zum Windermere-See, dem lรคngsten See von England. Der ist aber nur 17-18 Kilometer lang, wรคre in der Schweiz also nur eine Randnotiz. Oft hatte es der Westkรผste entlang einen schรถnen Radweg, manchmal musste auch die schwach befahrene Strasse herhalten. Im Gegensatz zur Wasseroberflรคche galt es aber auch hier, immer wieder einige Hรถhenmeter zu erklimmen und wieder zu vernichten.

Am Ende des Sees folgte bald der nรคchste – nun mehrheitlich flache – Radweg bis Elterwater. Von da an ging es wieder auf schwach befahrenen Strรคsschen weiter, wobei ich der nรคchsten grossen Steigung langsam aber stetig nรคher kam. Und dann kam das Schild: 25 % Steigung! Bis dahin konnte ich alle Rampen fahren, und auch die ersten Meter des mรถrderischen Schlussanstiegs konnte ich mich noch auf dem Rad halten, doch dann wurde es einfach zu steil. Ich begann zu schieben, fand mit meinen Schuhen mit Klickpedalen aber kaum Halt auf dem Untergrund. Da traf ich die erste dรคmliche Entscheidung des Tages: Ich zog Schuhe und Socken aus in der Hoffnung, so besser vorwรคrts zu kommen. Das tat es fรผr ein paar wenige Dutzend Meter tatsรคchlich, jedoch zu einem sehr hohen Preis: Der Asphalt hat mir meine Fusssohlen verbrannt! Es ist gar nicht so einfach, bei so einer Steigung im Sitzen das Fahrrad so zu deponieren, damit es nicht wieder zurรผck ins Tal rollt.

Wieder mit Socken und Schuhen an den Fรผssen schmerzte nun jeder Schritt. Um die Schmerzen ein bisschen zu lindern, habe ich die Fรผsse in einer etwas anderen Position auf den Boden gesetzt – und so hatte ich auch wieder etwas mehr Halt. Hรคtte ich auch vorher machen kรถnnen!

Mit viel Schieben schaffte ich es bis fast nach oben, und die letzten Meter konnte ich sogar aufs Rad sitzen und fahrend auf dem knapp 400 Meter hohen Wrynose Pass ankommen. Doch ich wusste: Das Streckenprofil hat hier Teufelshรถrner angegeben. Also rein in die Abfahrt, geniessen, so lange es geht, und dann den nรคchsten Anstieg hinter mich bringen. Da hat das Strassenschild am Fusse des genau so hohen Hardknott-Passes noch einen draufgelegt: 30 %! Bevor ich zu schieben begann, habe ich nochmals eine Essenspause eingelegt. Danach konnte ich mit erstaunlich wenigen Ruhepausen das Rad nach oben schieben – und wie beim vorherigen Pass liess ich mir es nicht nehmen, die letzten 50 Meter auf dem Rad hochzuwuchten!

Auf der anderen Seite ging es genauso steil wieder runter, da wurden die Bremsen gefordert! Spรคter konnte ich es doch noch rollen lassen, bis wieder Gegenanstiege zu bewรคltigen waren. Aber mit aus dem Sattel gehen und die Wellen mit Wucht zu รผberwinden war nichts, da machten meine geschundenen Fรผsse nicht mit!

Nach Eskdale Green – es waren nur noch wenige Kilometer bis zu meinem Etappenziel in Ravenglass – traf ich die nรคchste Fehlentscheidung. Die Routenplanung hatte einen Radweg vorgeschlagen, der mehrheitlich einer Bahnlinie folgt. Das ist ja grundsรคtzlich ganz angenehm. Und auch die Wegweiser wiesen darauf hin, dass es sich um einen Radweg handelt – bzw. handeln soll! Spรคtestens, nachdem ich eine Wiese durchquert hatte und zum Farn kam, hรคtte ich abbrechen und umkehren sollen. Aber es ist ja nicht mehr weit, und der Weg wird sicher besserโ€ฆ Nun, er wurde erst nach รผber 1.5 km fรผr die letzten 700 Meter besser – dazwischen wurde es immer schlimmer! Zuerst war das Farn so dicht, dass ich wiederum nur mit Schieben vorwรคrts kam. Dann kamen manchmal auch noch grรถssere Steine auf dem Pfad hinzu, dann mal Dornen, und auch Brennnesseln durften nicht fehlen! Mit diesen Pflanzen an Armen und Beinen taten immerhin die Fรผsse nicht mehr so weh!

Schlussendlich hatte ich auch diese Passage bewรคltigt, und ich erreichte den Campingplatz von Ravenglass kurz vor 17 Uhr. Nach Zeltaufbau und Dusche galt es, die Wunden zu verpflegen – mit Smartphone als Spiegel unter den Fusssohlen sahen diese nicht gerade gut ausโ€ฆ Es kam wieder Bepanthen zum Einsatz, danach habe ich die Wunden abgedeckt und eingebunden. Danach konnte ich immerhin wieder etwas besser laufen. Viel habe ich aber nicht mehr unternommen – und morgen werden wir sehen, ob ich die Schuhe wieder anziehen und in die Pedale treten kann!


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