Nach einer kurzen Nacht, in der ich aber sehr tief geschlafen habe, war es heute also soweit: Der effektive Tour-Start stand heute auf dem Programm. Zuerst gab es aber noch einiges zu erledigen: Wägen (107.0 kg), den verbleibenden Rest vom Schlafzimmer räumen, den Müll ins Neuhüsli zur Abfuhr bringen, das Geschirr vom gestrigen Fest ins Zäni zurückbringen, Nummernschild am Auto demontieren und Auto waschen, eine Portion Spaghetti von gestern aufwärmen und zum Frühstück essen, die letzten Kisten abschliessen und in „meinem“ Kellerregal verstauen (Geschirr, Kleider, Armee-Schlafsack und Krimskrams-Kiste mit dem Rest), Schlafzimmer staubsaugen und dem Rest der Wohnung noch das „Finishing“ geben, umziehen (und auch diese Kleider noch im Kellerregal unterbringen), Schlüssel abgeben und Fahrrad beladen. Da kommt mir gerade in den Sinn: ich glaube, ich habe das Gefrierfach im Kühlschrank nicht geleert – das wäre noch etwas für den Müll gewesen…
Um 10.20 Uhr war es soweit, und ich konnte aufs Rad steigen und losfahren. Nachdem ich am Morgen bei allen Fahrten immer gleich grün hatte, musste ich nun nach ein paar Hundert Metern doch nochmals an der Ampel stehen bleiben. Da fiel dann doch der Druck, der sich in den letzten Jahren, Monaten und Tagen aufgebaut hat, etwas weg, so dass die Emotionen doch noch etwas hochkamen. Jetzt liegen also die letzten Vorbereitungsschritte zu dieser „epischen“ Velotour hinter mir!
Auf bestens bekannten Strassen fuhr ich nach Basel, wo ich nach dem Coop in Zwingen (ich hatte noch ein paar leere Gaskartuschen abzugeben) meinen zweiten kurzen, freiwilligen Halt einlegte (Ampelhalte sind nicht freiwillig!). Aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen hatte ich dort meine erste 1.5l Flasche bereits geleert und ich füllte sie an einem Wasserspender wieder auf – so hatte ich für den Nachmittag wieder drei volle Flaschen. Zum geplanten Etappenziel waren es zwar nur noch 35 km, aber zwei davon waren bis dorthin auch wieder leer!
Die Grenze zu Frankreich überquerte ich direkt am Rhein, danach folgte ich dem Radweg durch die Petite Camargue Alsacienne – wie immer schön ruhig und auch ein bisschen schattig. Zudem erlebte ich eine paradoxe Situation: Noch nie war ich so erfreut über Gegenwind, den ich auf der Fahrt nach Bantzenheim fast durchgehend hatte – die Hitze wurde so ein bisschen erträglicher. Das war insbesondere auf den letzten Kilometern ab Niffer der Fall, als der Radweg durch die Dörfer und über weite Felder führte, die keinen Schatten spendeten. Vermutlich traute sich daher auch kaum jemand nach draussen und die Orte wirkten ausgestorben…
Kurz vor dem Campingplatz in Bantzenheim musste ich mir noch eine Umleitung suchen, denn die Strasse war wegen Bauarbeiten gesperrt. Aber dafür habe ich schliesslich Organic Maps installiert, so dass ich auf der Offline-Karte einen nahegelegenen Feldweg ausmachen konnte und einen kilometerlangen Umweg vermeiden konnte.
Der Campingplatz war fast verwaist, aber ich traf sogleich den einzigen anderen anwesenden Gast (später kamen noch 2 oder 3 weitere Personen, die sich hier auch schon länger installiert haben). Er berichtete mir, dass die Besitzerin erst um 18.00 Uhr kommen würde, also in 2 Stunden. An der Reception hat sie aber hingeschrieben, dass man sich bei ihrer Abwesenheit schon mal ein Plätzchen aussuchen und sich installieren könne. Das machte ich denn auch – und zwar im Schatten unter dem grössten Baum auf dem Platz!
Nach einer kalten Dusche zum Abkühlen legte ich mich hin – und nun begann ich, die Hitze so richtig zu spüren! Auf dem Velo war es nie so schlimm! Ich trank viel und döste vor mich hin, alles andere war zu anstrengend! Nach 18 Uhr kam dann die Besitzerin, wir wechselten ein paar Worte (sie arbeitete den ganzen Tag im Pullover in einem Kühlhaus) und sie schlug vor, dass ich bei diesem Wetter das Zelt nicht aufzubauen brauche. So verbringe ich die Nacht im Freien – sofern keine Viecher kommen!
