Scherben sollen Glรผck bringen – aber sicher nicht in Form einer zerborstenen Autoscheibe auf dem Radweg! Zu spรคt konnte ich dieses รrgernis erkennen, umfahren wรคre sowieso unmรถglich gewesen – und 35 km und 3 Platten spรคter habe ich die letzten Glassplitter mit dem Sackmesser aus dem Pannenschutz meines Hinterreifens gekratzt (so hoffe ich jedenfalls!). Bei diesem letzten Platten bei Tageskilometer 45 habe ich auch gleich noch den Hinterrad- und den Vorderradreifen getauscht, denn vorne ist deutlich weniger Gewicht drauf als hinten.
Mein Plan, in den frรผhen Morgenstunden mรถglichst viele Kilometer hinter mich zu bringen, war somit rasch obsolet. Erst ab 13.00 Uhr war ich wieder plattenfrei unterwegs – und die Sonne heizte schon ab 8 Uhr mรคchtig ein. Da war ich froh, dass ich am Morgen noch dem Rhein-Rohne-Kanal entlangfuhr, wo es mit den Bรคumen und dem Gebรผsch noch schattig war.
Am Nachmittag ging es dann รผber das offene Feld in Richtung Sรฉlestat. Dort neigte sich der Inhalt der dritten und letzten 1.5l-Flasche langsam aber sicher dem Ende entgegen. Also gab ich im Ortszentrum bei Organic Maps „Wasser“ ein – und nur 61 m weiter gab es einen รถffentlichen Trinkwasserspender! Mit vollen Flaschen fuhr ich weiter, nun in Richtung Rebberge. Der Name sagt es bereits, es blieb nicht mehr flachโฆ Ich mรผhte mich in den kleinsten Gรคngen die Hรผgel hinauf und ruhte mich bei jeder Gelegenheit an einem Schattenplatz aus. Nur um 15 Uhr gab es fรผr ca. 30 Minuten mehr Schatten: Mit Donnergrollen schoben sich Wolken vor die Sonne, und die Temperatur fรผhlte sich sofort ein paar Grad niedriger an. Immerhin blieb ich heute vom Regen verschont!
In einer Schattenpause liess ich mir die verbleibende Distanz zu meinem geplanten Etappenziel Wasselone anzeigen – aber sofort war mir klar, dass diese 44 km heute bei mir nicht mehr drin liegen. Zu sehr zehrt die Hitze an meinen Krรคften (das kann der einzige Grund sein, warum ich nicht wie Pogacar durch die Gegend fliege!). Aber von der Planung vor ein paar Monaten hatte ich mir auch den Campingplatz von Molsheim angeschaut – und diese 29 km sollten doch ab 16 Uhr noch zu schaffen sein, oder?
Nun: nein! Etwas nach 18 Uhr liess ich auch dieses Ziel fallen. Gemรคss Organic Maps wรคren es noch 11 km dorthin gewesen, ich entschied mich aber fรผr den nรคheren Platz in Obernau. Dazu musste ich zwar ein paar Hundert Meter zurรผckfahren, aber ich muss ja nicht schon am zweiten Tag masslos รผbertreiben! So sicherte ich mir einen Stellplatz, nahm rasch eine Dusche und ging dann zum Food-Truck eine Pizza essen, bevor ich das Zelt aufstellte. So werde ich diese Nacht erstmals in dieser Tour im Zelt schlafen, denn gestern blieb es bei Open-Air. Nachdem ich die Zeltunterlage, auf der ich Isomatte und Schlafsack ausgerollt hatte, mit Insektenspray behandelt hatte, liessen mit letzte Nacht auch die Ameisen in Ruhe!


















