125 km! Diese Distanz erhielt ich gestern Abend bei der Planung für die heutige Etappe zum nächsten Campingplatz, um nicht unterwegs ein Hotel kaufen zu müssen! Meine mentale Vorbereitung während dem Schlafen scheint aber perfekt funktioniert zu haben, denn als ich um 07.10 Uhr aufs Fahrrad stieg, waren meine Beine sofort bereit. Die knapp 15 Kilometer bis zum Tesco in Kilrush hatte ich bereits um 07.50 Uhr zurückgelegt, so dass ich vor den geschlossenen Türen noch 10 Minuten warten musste…
Zusätzlich zu den vor Kraft strotzenden Beinen wehte nur ein schwacher Wind – nach Rückenwind bis Kilrush ein Seitenwind schräg von hinten für die nächsten 40 Kilometer, danach aufgrund der Richtungsänderung der Reiseroute wieder tendenziell Rückenwind. Infolgedessen erreichte ich auch eine hohe Geschwindigkeit: Die ersten 20 Kilometer legte ich in 60 Fahrminuten zurück, die folgenden in 59, 54(!) und 61 Minuten! So war ich mir rasch sicher, dass ich den reservierten Stellplatz werde erreichen können.
Den ganzen Vormittag bedeckte eine dicke Wolkenschicht den Himmel, so dass es ziemlich dunkel war. erst gegen Schluss der Fahrt und auf dem Campingplatz konnte sich die Sonne etwas zeigen.
Die Strasse von Kilrush nach Ennis wird auf einem längeren Stück totalerneuert, und eines muss man den Iren lassen: das können sie! Viele Kilometer rollte ich schon auf einem feinen, perfekt gewalzten Asphaltband daher, bis ich zur mehrere Kilometer lange Baustelle kam, wo gerade die oberste Teerschicht weggehobelt und dahinter der frische Deckbelag aufgetragen wird. Weniger Mühe geben sie sich, wenn sie einen Graben wieder schliessen müssen: Da habe ich das Gefühl, dass sie den Teer höchstens mit einer Schaufel festdrücken. Wenn solch eine Flickstelle dem Strassenverlauf folgt, fühle ich mich manchmal wie ein Rodeo-Reiter!
Von Kilrush ging es nach Ennis, anschliessend nach Clarecastle, von wo aus ich wieder dem Radweg folgte. Dabei galt es, zwischen Sixmilebridge und Limerick die längste Steigung des Tages zu überstehen – und das gelang relativ gut! Nur einen Mäher hätten sie da mal durchschicken können, um die hereinhängenden Brennnesseln, Sträucher und Dornen zurückzuschneiden… Umso mehr genoss ich die Abfahrt – und schon war ich in Limerick drin!
Nach dem Einkauf bei Tesco folgte die Durchquerung der Stadt, und auch wenn die Richtung nun änderte und ich infolgedessen Gegenwind hatte, konnte ich auf den verbleibenden 25 Kilometern ein hohes Tempo halten. So war ich deutlich vor 16 Uhr auf dem Campingplatz – gestern hoffte ich, dass ich vor 18 Uhr ankommen werde…
Morgen sind es zwar ein paar Kilometer weniger, aber aus der Kombination von Fahrt- und Windrichtung werde ich vermutlich länger unterwegs sein…
