Grrrrโฆ Gestern Nacht war es wirklich kalt! Immerhin wurde die Radfahrerhose bis am Morgen doch noch trocken – ich habe sie in der Nacht an die Leine im Zelthimmel gehรคngt.
Aufgrund der Kรคlte habe ich am Morgen zuerst noch etwas gelesen und fuhr erst gegen 07.15 Uhr los. Diesmal waren Sam und Frรคnzi auch schon auf den Beinen, und ich nahm Abschied von ihnen; hier trennen sich unsere Wege. Dabei habe ich heute das neongelbe, zweitdickste Oberteil รผber das Thermounterhemd angezogen – ich hatte gehofft, dieses frรผhestens im Oktober zu benรถtigenโฆ Das Trikothemd habe ich griffbereit verstaut, kam heute aber schlussendlich nie zum Einsatz.
So fuhr ich bei Sonnenschein in den kalten Gegenwind und steuerte zunรคchst das Loch Ness an. Nessie habe ich nicht gesehen – aber auf den See waren generell wenig Blicke mรถglich, da die Bรถschung bewaldet war. Leider war der Radweg auf der schattigen Sรผdseite vom Loch Ness, aber immerhin ging es bis Inverfarigaig praktisch flach voran. Von dort aus ging es mehr bergauf als bergab (mit teilweise wieder steilen Rampen), bis ich den Suidhe Viewpoint auf einer Hรถhe von knapp 400 Metern erreicht hatte.
Oben angekommen, habe ich die Regenjacke angezogen; nicht nur als Windschutz fรผr die kommende Abfahrt, sondern auch tatsรคchlich als Regenschutz. Auf den letzten Kilometern vor dem Gipfel hatten sich die Wolken verdichtet und liessen keine Sonnenstrahlen mehr zu, und auf dem Gipfel begann ein Nieseln.
Auf der Abfahrt, welche selbstverstรคndlich auch immer wieder mit Gegenanstiegen durchsetzt war, habe ich ein hollรคndisches Paar auf ihren Fahrrรคdern angetroffen. Sie fuhren mit dem Zug nach Fort William und hatten immerhin Rรผckenwindโฆ
Am oberen Ende des Sees liegt Fort Augustus, wo es eigentlich Zeit fรผr eine Mittagspause gewesen wรคre. Es kam aber gerade die nรคchste Regenfront, weshalb ich weiterfuhr. Aufgrund der konsultierten Wetterberichte hatte ich heute keinen Regen vor 20.00 Uhr erwartetโฆ Nun, es kam anders, und ich zog mehrmals den Regenschutz an und packte ihn wenig spรคter wieder weg. Einmal hatte ich das Gefรผhl, dass eine besonders regenintensive Front auf mich zukommt, weshalb ich auch Regenhose und Fusslinge anzog. Bis ich eingekleidet war, war die Front aber bereits รผber mich hinweg und es war wieder trockenโฆ
Unter diesen Umstรคnden wird das heute Morgen sehr feucht eingepackte Zelt nicht trocknen kรถnnen, wenn ich es auf dem Campingplatz in Fort William aufstelle. Und wenn es nachts wieder so kalt wird wie gestern und dazu auch noch regnet, wird das im Zelt eine hรถchst ungemรผtliche Nacht. Daher habe ich nach einer bezahlbaren Unterkunft in Fort William gesucht – und das war gar nicht so einfach! Schlussendlich war eine ganze Ferienwohnung in einem Vorort am Gรผnstigsten.
Auch beim Loch Oich folgte der Radweg dem Sรผdufer, zum grรถssten Teil sogar einer stillgelegten Bahnlinie. รrgerlich waren nur die vielen Gatter, die geรถffnet und wieder geschlossen werden mรผssen. Jedes Tor war anders konstruiert, so dass man immer wieder zuerst den Mechanismus herausfinden durfte. Das Gemeinste war jedoch das Gatter in der Mitte dieses Abschnitts: Dort musste das Fahrrad etwa 30 Zentimeter angehoben werden, da die Torรถffnung nicht bis zum Boden reichte.
Als Letztes kam der Loch Lochty an die Reihe, der Radweg wechselte auf die Nordseite. Bin ich nun in jenem Teil Schottlands, der sich nach Osten bewegt, wรคhrend ich zuvor auf der Kontinentalplatte mit Westdrift war? Besonders an diesem See habe ich etliche Wanderer gesehen, die den Caledonian Trail von Fort William nach Inverness laufen – die werden die nรคchsten Tage sicher auch noch einiges an Regen abbekommenโฆ
Der Radweg erklomm auf Schotter wieder einmal eine Anhรถhe, wรคhrend die Strassenverbindung auf der anderen Seeseite offenbar flach dem See folgt. Warum kann das nicht umgekehrt sein und der Radweg ist flach? Nun, nach dem Loch Lochty war der Radweg auch flach dem Kanal entlang, aber allzu rasch kam ich trotzdem nicht voran – zum Regen gesellte sich auch noch starker Gegenwind!
An der Unterkunft fuhr ich zuerst bewusst vorbei, denn ich wollte zuerst noch in Fort William den morgigen Tag vorbereiten. Danach zurรผck nach Caol zum Co-op, einkaufen, und dann die letzten Meter zur Ferienwohnung. Aber wo ist sie denn? Sie war nicht dort, wo sie auf den Karten eingezeichnet ist, und bei der Durchfahrt der Strasse habe ich auch nichts gesehen. Daher die Wegbeschreibung nochmals gelesen, die nรคchste Abzweigung genommen, tatsรคchlich die kleine Gasse gefunden – Aber Nr. 5 scheint bewohnt zu sein! Daneben gibt es noch ein AirBnB mit der Nr. 5A – aber mit dem erhaltenen Code konnte ich die Schlรผsselbox nicht รถffnen! Also weitersuchen, aber nirgends etwas anderes gefunden. Also nochmals zu 5A – und als ich den Knopf nur halb herunterschob anstelle bis zum Anschlag, konnte ich auch an den Hausschlรผssel gelangenโฆ
Bevor ich die Wohnung bezog, musste aber zuerst das Fahrrad gereinigt werden – auf den Schotterabschnitten im Regen hat sich da einiges an Dreck angesammelt! So werde ich morgen nur noch die Kette frisch einรถlen mรผssen.
Nach Dusche und Abendessen habe ich im Wohnzimmer noch das Zelt ausgelegt; ich hoffe, dass dieses bis morgen auch noch trocknet – so wie die Wรคsche, die ich in die Waschmaschine geworfen habe. Seit Luxemburg habe ich die Kleider ja nur jeweils in der Dusche ein bisschen ausgewaschenโฆ
Etwas besonderes hatte der Tag auch noch: erst zum zweiten Mal, seitem ich in der UK bin, habe ich heute keine Sirene einer Blaulichtorganisation gehรถrt! Das erste Mal war im Sรผden von Wales. Unglaublich, wie oft hier auch in lรคndlichen Gebieten Polizei, Krankenwagen und Feuerwehr im Einsatz sind!

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