Gestern Nacht hat es nur leicht genieselt, Tropfen habe ich nie auf das Zelt prasseln hรถren – bis um 6.00 Uhr! So war klar, dass ich heute ein Thermo-Unterhemd hervorkrame und gleich mit allen Regensachen starte. Der Regen hielt den ganzen Vormittag an, mal ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger. Immerhin gab es kaum Wind, die Temperaturen waren angenehm und die Strecke รผberwiegend flach.
Genau nach 49 Kilometern – und somit dem Tour-Kilometer 3’000 – hatte der Regen aufgehรถrt und ich stand vor einem steilen Anstieg, nachdem ich zuvor schon bergauf gefahren bin. Zuerst zog ich alle Regensachen aus und das Hemd รผber das Thermohemd. Danach schaute ich mir die Route auf der App an – und da kommen einige Hรถhenmeter auf mich zu! Ich liess mir von der App ihre bevorzugte Route vorschlagen – und die ging hinunter zur Hauptstrasse und folgte dieser fast flach, bis in etwa 10 Kilometern der Radweg auch wieder auf diese Strasse einbiegt. Ich gรถnnte mir die Alternative รผber die Hauptstrasse, und obwohl es wieder leicht zu nieseln begann, verzichtete ich auf einen erneuten Tenรผwechsel. Dafรผr stoppte ich wenig spรคter bei einer Bushaltestelle, wo ein altes, sechseckiges Wartehรคuschen aus Holz stand. Mein Fahrrad passte exakt durch die Tรผrรถffnung, und ich legte dort die Mittagspause ein – schliesslich war es mittlerweile auch schon nach 11.30 Uhr.
Als ich wieder aufwachte, war es 12.18 Uhr – und draussen schรผttete es richtiggehend vom Himmel! Ich war ja schon weit vorangekommen, also kann ich die Pause auch verlรคngernโฆ Allerdings musste ich zum Weiterschlafen die Regenbekleidung wieder anziehen, denn durch die unverglasten Schiessscharten zog ein kalter Wind durch. Eine Stunde spรคter war ich wieder wach, und es war gerade Regenpause. Die Regenbekleidung behielt ich trotzdem an, denn nun musste beim Fahren wieder Wรคrme in den Kรถrper gebracht werdenโฆ
Nachdem der Radweg wieder auf die Strasse einmรผndete – ich kam flach daher, der Radweg steil den Berg hinunter – war mir rasch wieder warm, denn nun ging es bergaufโฆ Spรคter folgte noch ein etwas mรผhsamer Abschnitt auf einer schmalen Strasse mit ungewรถhnlich viel Verkehr – wo wollen denn die alle hin? Immerhin wurde es danach besser: Der Regen hรถrte auf, die Wolken rissen langsam auf, und die Sonne zeigte sich wieder! So konnte ich kurz vor Inverness doch die Regenkleider wieder ausziehen (die Fรผsslinge blieben wegen dem aufspritzenden Wasser aber an den Schuhen).
In Inverness steuerte ich zuerst den Morrison ein und holte Verpflegungs-Nachschub. Danach ging es weiter durch die Innenstadt zum Campingplatz auf der anderen Seite des Ortes. Dort gab es fรผr mich das Highlight des Tages: Nicht nur verstand ich den Campingplatzbesitzer bestens (gestern verstand ich in Elgin kaum ein Wort), sondern wir konnten sogar Witze machen. Ich: „Do you have a free camping spot for a Backpacker?“ – „We have camping spots available, but you have to pay for it.“
So stellte ich kurz nach 16.00 Uhr mein Zelt auf die Zeltwiese und liess dieses wie auch meine anderen Sachen trocknen. Nach dem Duschen habe ich auch lange Hosen und ein Langarmhemd hervorgekramt, um der Frische zu trotzen und nicht gleich ins Zelt zu mรผssen. Und um 18.00 Uhr trafen auch Sam und Frรคnzi ein, sie sind heute die 20 Kilometer mehr gefahren, die ich gestern noch zurรผckgelegt habe. Und sie konnten berichten, dass die beiden Deutschen vorgestern Abend noch trocken nach Turriff gekommen sind.
Die Etappe fรผr morgen habe ich nun auch schon geplant. Es scheint so, dass Fort William ein Regenloch ist – dort nieselt es die ganze Woche permanent. Nun, da muss ich jetzt halt durchโฆ


















