Von den 3 Velofahrer-Parteien auf dem Zeltplatz rollte ich um 07:50 Uhr als Erster los, gerade als die Sonne langsam auf die Zeltwiese schien. Da gestern bei Sonnenuntergang sofort grosse Feuchtigkeit aufkam, habe ich mein Zelt deshalb auch ziemlich nass eingepackt.
Bis Landeck haben wir noch dieselbe Route, dann verfolgen wir unterschiedliche Wege: Der Eine will durch das Engadin an den Comersee, die anderen Beiden über den Reschenpass nach Venedig – und ich über den Arlberg Richtung Bodensee.
Bis Landeck folgte ich weiter dem Radweg, welcher nun keine geografischen Hindernisse mehr in den Weg stellte. Ab Landeck fuhr ich anschliessend auf der Hauptstrasse, welche je später desto weniger Verkehr hatte – bis St. Anton jedenfalls. Dort begann die richtige Steigung, und ständig wurde ich von LKW’s überholt, welche Beton geladen hatten – auf dem Berg wird intensiv die Wintersaison vorbereitet – und dann natürlich noch von anderen Autofahrern, die sich die Maut durch den Tunnel offenbar sparen wollen.
Wie beschrieben ging es ab St. Anton richtig bergauf – aber wirklich richtig! 6 oder 7 Kilometer im 1. Gang alles geben, um vorwärts zu kommen und nicht vom Rad zu fallen! Nur im unteren Teil hatte es mal eine Serpentine zum ausruhen, sonst waren die Kurven genauso steil wie die Geraden. Aber die Schinderei hatte auch mal ein Ende, es wurde ein bisschen flacher, einem 800 Meter langen Tunnel entgegen – und dank 2 Mountainbiker, die mich gerade vor dem Tunnel überholten, sah ich, dass ich diesen mit dem Velo umfahren kann.
Als ich nach dem Tunnel wieder auf die Hauptstrasse kam, waren da Anzeichen vom nahen Kulminationspunkt zu sehen – warum würde sonst jemand seine Herberge „Hospiz“ nennen… Dann war da noch ein Hotel mit einer Höhe von 1’800 Meter nach einer Kurve zu sehen – dass muss der Passübergang sein, denn laut meiner Karte ist der Arlbergpass nur 1’793 Meter hoch! Da war ich dann auch tatsächlich oben – ob sie wegen dem Hotel kein Strassenschild mit der effektiven Höhe gesetzt haben, damit die Höhendifferenz niemandem auffällt?
Jedenfalls hatte ich das Dach dieser Tour erreicht, und obwohl es da oben sehr warm war, zog ich für die Abfahrt die Jacke an – sicher ist sicher! Die war dann auf den ersten Kilometern auch wirklich rasant, nur durch drei Baustellen unterbrochen, wobei mich zwischendurch auch ein Schwyzer mit seinem Sportwagen ziemlich offensiv überholte. Offensichtlich behielt er auch in der Folge seinen Fahrstil bei, denn als ich nach ein paar schönen Serpentinen durchs erste Dorf hindurchfuhr, passierte ich ihn wieder, als er gerade bei der Polizei sein Ticket bezahlte…
Da wurde auch gleich ein Radweg ausgeschildert, weshalb ich von der Hauptstrasse abbog und dieser Fährte bis Feldkirch folgte. Allerdings war ich froh, den Radweg bergab und nicht bergauf zu benutzen, denn auf den steilen Schotterpassagen hätte ich da zu kämpfen gehabt, bevor die Schlusssteigung begonnen hätte!
10 Kilometer vor Feldkirch, nachdem ich schon über etliche Kilometer den Säntis vor mir aufragen sah, überholte mich eine Senioren-Fahrradgruppe von einem Veloclub, teilweise auch mit E-Bikes unterwegs. Da hängte ich mich dran und genoss etwas den Windschatten, dafür war mein Blick mehr auf das Hinterrad des Vordermannes gerichtet denn auf die Landschaft. Und manchmal war ein spezieller Effort notwendig, wenn in engen Kurvenpassagen abgebremst und dann wieder beschleunigt wurde…
Als es vor Feldkirch etwa 100 Meter steiler bergauf ging, klinkte ich aus und liess die Gruppe ziehen – einer von ihnen wartete aber oben auf mich und lotste mich durch Feldkirch durch, über Unterführungen von Brücken wenn die Ampel für die Überführung rot war, auf Schleichwegen als Abkürzung, um den Rest der Gruppe wieder einzuholen… Jedenfalls war ihr Ziel eine Kneipe 200 Meter vor dem Campingplatz, so dass ich noch nie so schnell von einem Ende einer Stadt am anderen Ende war – und erst noch auf dem Campingplatz.
Dort habe ich zuerst mal mein Zelt zum Trocknen an die Sonne gelegt, bevor ich es für die Nacht aufstellte. Auch mit dem rechten Fuss scheint alles wieder Okay zu sein, denn heute Morgen beim Aufstehen verspürte ich nur noch ein leichtes Ziehen. Da bin ich daher optimistisch, dass Morgen gar nichts mehr zu spüren sein wird!


















