Um vom Gardasee nach Molina di Ledro zu kommen, habe ich heute wohl unabsichtlich den beschwerlichsten Weg gewählt. Das ganze begann in Riva, wo ich das Ufer vom Gardasee verliess. Zum Lago di Ledro führt die Hauptstrasse durch einen langen Tunnel, welchen ich vermeiden wollte (und wohl auch musste). Auf meiner Karte war aber noch eine kleine Nebenstrasse eingezeichnet, und die wollte ich nehmen.
Die „Strasse“ fand ich dann auch tatsächlich, aber Autos fahren da – wenn überhaupt jemals – schon lange nicht mehr. Die Fahrbahn ist nur halb so breit, mit Schotter bedeckt und wird von Bikern und Wanderern benutzt. Trotz der Steigung kam ich gut voran, wurde aber natürlich laufend von anderen Bikern überholt. Dann kam ein geteerter Abschnitt, eine Abzweigung – Lago die Ledro nach links. OK, links hoch in schönen Serpentinen mit tollen Ausblicken auf den Gardasee hinunter. Ich biege dann ein auf die Hauptstrasse, welche aus einem Tunnel kommt – stimmt also perfekt mit meiner Karte überein. Die Strasse führt in ein Dorf, welches nicht auf meiner Karte verzeichnet ist, aber das macht ja nichts. Weiter geht’s.
Nach dem Dorf ist dann die Strasse grundsätzlich zu Ende, das Fahrrad muss über eine Schranke gehoben werden. Merkwürdig, aber was soll’s. Weiter geht’s bergauf wieder auf Schotter, immer steiler und steiler – bis ich dann nur noch schieben konnte. Später wurde es dann mal wieder flacher, und ich konnte wieder in die Pedale treten.
Unterwegs überholten mich munter andere Biker, und da erfuhr ich dann, dass ich bei der Kreuzung unten hätte rechts abbiegen müssen, um auf direktem Weg an den Lago die Ledro zu kommen. Auf diesem Weg hier kommt man auch hin, aber ein bisschen beschwerlicher. Zudem wurde mir noch geraten, nicht vom Passo Guil zum Lago die Ledro hinunterzufahren, sondern noch 2.5 Kilometer geradeauszufahren und erst dann hinunterzustechen. Da sei der Untergrund viel besser zum fahren.
Nun, der Gardasee liegt auf einer Höhe von 70 Meter, der Lago die Ledro auf 700 Meter. Mittlerweile zeigte ein Wanderwegweiser die aktuelle Höhe mit 964 Meter an – aber das Pièce de Résistance stand mir noch bevor! Es galt noch, zum Passo Rocchetta hochzuklettern – und da ist auch für die Biker nichts mehr mit fahren! Es waren vielleicht 3 Kilometer, wo ich mein Gefährt über Felsen hieven und über Wurzeln würgen musste – und das bei nicht gerade flachem Gelände auf schmalem Pfad immer am Abgrund…
Irgendwann hatte ich auch das geschafft, weiter geht’s zum Passo di Guil. Wanderzeit 30 Minuten. Die ersten Paar Meter schob ich das Fahrrad den steilen Weg hinunter, dann konnte ich vielleicht einen Kilometer fahren, bevor die nächste Radwanderung angesagt war. Hoch oben über dem Gardasee, der kaum mehr zu erkennen war, erklomm ich so die nächste Anhöhe und war schon auf über 1200 Meter angelangt…
Vom Passo di Guil aus konnte ich dann wenigstens einen grösseren Teil bis zum Abzweiger im Sattel sitzen, und dann ging es – von ein paar steilen Gegenanstiegen unterbrochen – seeeehr steil runter. Da war nichts mit Abfahrt geniessen, sondern bremsen, bremsen, bremsen war angesagt. Konzentration pur auf den Boden, denn Schotter kann sehr gefährlich sein!
Ich kam dann kurz nach 15 Uhr unten an, und ich fuhr direkt zum Campingplatz. Für heute habe ich genug Abenteuer gehabt! Ich wählte einen Stellplatz aus, rollte das Fahrrad drauf, lud das Gepäck ab – ja und wo ist mein Schlüsselbund? WO IST MEIN SCHLÜSSELBUND?!? #%&@+¢!!!!! WARUM IST MEIN SCHLÜSSELBUND NICHT MEHR IN MEINER HOSENTASCHE? Ist er eventuell noch im Zelt und ich habe ihn heute morgen so eingepackt? Nein, das kann aus zwei Gründen nicht sein: Erstens hätte ich sonst am Morgen mein Fahrrad nicht losbinden können, und zweitens machte ich nach dem Losfahren wie immer den 3-Taschen-Check; linke Hosentasche Natel – Check; rechte Hosentasche Schlüsselbund – Check; hintere Hosentasche Portemonnaie – Check. Da muss mir also tatsächlich oben in den Felsen irgendwie der Schlüsselbund aus der Tasche gerutscht sein. Aber wann? Und wie? Keine Ahnung. Dass ich das Fahrrad nicht mehr abschliessen kann, ist ja das Eine. Aber irgendwann sollte ich auch wieder mal in die Wohnung… und ins Büro… Jetzt habe ich da noch ein paar Tage Zeit, mir Lösungen zu erarbeiten…


















