20.09.08, 0 km
Gestern Abend begann es zu tröpfeln, es nieselte die ganze Nacht. Heute morgen begann es richtig zu regnen, so dass ich die meiste Zeit im Hotelzimmer verbrachte und mich ausruhte. Als der Regen endlich aufhörte, ging ich um 16.00 Uhr doch noch kurz hinaus und stockte nochmals meine Bargeldvorräte auf. Nur ein paar Schritte entfernt ist eine HSBC-Filiale, wo ich bereits gestern problemlos 300 Pesos (Maximalbetrag) beziehen konnte. So wiederholte ich dieses Prozedere heute nochmals, denn in Argentinien werde ich ja noch ein paar Tage verbringen…
21.09.08, 103 km
Für die 11 km zurück zur Kreuzung, wo ich am Freitag von Santo Tomé herkam, betrug die Fahrzeit 35 Minuten. An den Lichtsignalen, die trotz kaum Verkehr ständig rot waren, wartete ich zudem weitere 15 Minuten – und dies, obwohl ich bei einigen Ampeln bei rot über die Kreuzung fuhr. Die Strasse drehte in den Wind, und ich durfte den ganzen Tag über auf diese Unterstützung zählen.
Auch heute war es wieder sehr warm, was meine gestrige Entscheidung unterstützte: Nach dem Wäsche waschen am Samstag packte ich die langen Sachen ein und kramte die kurzen Radlerhosen und -hemd hervor. Ich hoffe, mit diesen möglichst lange herumfahren zu können… Und am morgen gab es gleich noch die nächste Erfolgsmeldung: ich konnte den Gürtel das nächste Loch enger schnallen!
Warum die Strasse in Misiones im Handbuch als Achterbahn beschrieben ist, konnte ich heute erfahren. Die Strasse geht eigentlich immer rauf oder runter, flach ist es praktisch nie. Die Wellen sind aber um einiges höher als noch in Uruguay, und der Schwung aus der Abfahrt reicht nur für wenige Meter im kommenden Aufstieg. Doch mit dem Rückenwind war das Tempo dennoch ausserordentlich hoch: 65 Minuten für die ersten 20 km, 62 bzw. 68 Minuten für die folgenden – sonst war ich immer froh, einen 70 Minuten-Schnitt zu erreichen. Deshalb war ich um halb zwölf schon 60 km weiter in San Ignacio Mini, wo die Ruinen der bekanntesten Jesuitenreduktion stehen. Gewaltig, was für Steine hier aufgeschichtet wurden – und wie exakt die Häuser und Pfeiler ausgerichtet sind. Allzu viele Touristen waren nicht dort. Es ist halt noch nicht Hauptsaison – und wohl deshalb auch der Eintritt frei. Dafür habe ich den Kindern ein paar Münzen gegeben, die während meinem Besuch das Velo bewachten.
Es ging weiter durch die bewaldete hügelige Landschaft, bis ich in Jardín America eintraf. Bei der Suche nach einem Hotel kam plötzlich Alejandro mit seinem Roller zu mir und führte mich zu einer Unterkunft. Für morgen früh haben wir abgemacht, dass er mir einen Wasserfall hier in der Nähe zeigen wird.
22.09.08, 110 km
Mit Alejandro habe ich zuerst den nahegelegenen Wasserfall besucht. Dieser lag auf dem Weg Richtung Norden, nur 1.5 km von der Hauptstrasse entfernt. Danach ging es weiter mit dem Wellenreiten, denn Gelände, Landschaft und Strassenbedingungen waren identisch mit gestern. So galt es, nach den über 1300 Höhenmeter von gestern, heute fast 2000 Höhenmeter zu überwinden. Und das geht richtig an die Substanz, so dass ich bald schon die kleinsten Gänge benutzen musste, um die Hügel zu erklimmen. Zudem musste ich die Strasse wieder mit den Lastwagen teilen, die mich des Öfteren auf den ungeteerten Seitenstreifen jagten. Einmal war der Übergang auf den Seitenstreifen so hart, dass es sogar eine meiner hinteren Packtaschen aus der Verankerung riss und plötzlich am Boden lag!
Erst nach etwa 60 km war es etwas angenehmer, da der Seitenstreifen nun durchgehend geteert war. Ärgerlich war es nur, wenn eine Überholspur noch dazu kam, denn dann waren jeweils Sekundenschlaf-Schwellen über den ganzen Seitenstreifen gezogen, so dass ich diese jeweils über die Fahrbahn umkurven musste – und von diesen Überholspuren gab es leider nicht wenige… Bei einer der letzten sah ich im Gegenlicht schon das Schild, dass die Überholspur endet – und Rumms, habe ich eine dieser Schwellen erwischt! Das hat eine weitere Tasche aus der Verankerung gerissen…
In Eldorado angekommen, konnte ich im Hotel noch schnell ins Internet. Nun gibt’s heute nur noch 2 Dinge: Essen und Schlafen!
23.09.08, 103 km
Die ersten 6 km am Morgen waren einfach, da es bergab ging – allerdings habe ich mir da wohl eine kleine Erkältung eingefangen. Danach ging es wieder mit der Wellenreiterei weiter, wobei heute wieder ein bisschen mehr Kraft in den Beinen war als gestern.
Genau nach 40 km hupte es mal wieder – Erika und Claude kamen von den Cataratas zurück und gaben mir die letzten Infos. Ich machte zuerst aber noch in Wanda halt, wo Quarze und Halbedelsteine aus dem Boden geholt werden. Die Anfahrt zur Mine war aber richtig hart, denn der Asphalt ging in eine Art Kopfsteinpflaster über – wobei es sich eher um grosse Schottersteine handelte, die da im Boden stecken. Es rumpelte jedenfalls gewaltig, obwohl ich im kleinsten Gang darüber fuhr.
Nach dem Minenbesuch fuhr ich auf dem selben Weg zurück ins Dorf – und sah wenig später, dass auch eine Erdpiste zur Mine führen würde. Dafür versuchten sie mir da, ein Schmuckstück anzudrehen – was der Verkäuferin aber nicht gelang…
So machte ich mich wieder auf den Weg zu den Iguazú-Wasserfällen, und zwischendurch war die Strasse sogar ein paar Kilometer eben – ein Gefühl, das ich schon lange nicht mehr hatte! Schlussendlich steuerte ich den Iguazú-Nationalpark an, denn ich wollte im Hotel Sheraton übernachten, welches im Park gelegen ist. Dieses ist zwar nicht gerade billig, doch die Iguazú-Wasserfälle sind ja auch ein Höhepunkt auf meiner Tour. Und so habe ich nun ein Zimmer mit Blick auf die Wasserfälle, die auch sehr gut zu hören sind.
24.09.08, 0 km
Nach einem ausgiebigen Frühstück ging die Parkbesichtigung kurz nach 8 Uhr los. Die Schuhe habe ich bereits gestern Abend von „velofahren“ auf „laufen“ umgerüstet, und eine der vorderen Fahrradtaschen diente als Tasche für Verpflegung und Kamera. Zuerst absolvierte ich den Circuito Inferior, welcher durch die Wälder führte, und eine Besichtigung der Fälle von unten zuliess. Die erste Stunde war ich ganz alleine mit der Natur – keine Menschenseele war zu sehen.
Danach ging ich hinunter ans Ufer, um zur Isla San Martín überzusetzen. Mit einer Familie und einem weiteren „Einzelgänger“ erkundeten wir so zu fünft diese Insel. Zuerst ging es da einige schweisstreibende Stufen hoch, doch die verschiedenen Ausblicke waren einfach unbeschreiblich, So genoss ich die Zeit bis zum Mittag und „benötigte“ für diese beiden Touren über 1 Stunde mehr als angegeben…
Am Nachmittag machte ich den Circuito Superior, wo man die verschiedenen Wasserfälle von oben über die Kante beobachten kann. Nun hatte es deutlich mehr Volk, aber ich hatte ja Zeit und konnte zwischen den einzelnen Gruppen immer wieder mal die Fälle für mich haben. Von unten hatten mich die Fälle aber viel mehr beeindruckt als von oben.
Anschliessend gings zur Eisenbahn, mit der ich zur Garganta del Diablo wollte – allerdings stieg ich in den falschen Zug ein und landete beim Parkeingang. Also kurz aussteigen, Richtung Ausgang laufen – und in der Schlange wieder anschliessen, die in den Park will. Im Zug setzten sich zwei Deutsche zu mir, die soeben aus Buenos Aires angekommen sind und heute und morgen den Park besuchen. So fuhren wir zur Garganta del Diablo – und dort war es einfach ein weiteres Mal unglaublich! Unmengen von Wassermassen stürzen tosend in einen Schlund, aus welchem dichter Nebel emporsteigt. Einfach einzigartig!
Jetzt stellt sich nur noch die quälende Frage, welche Handvoll Fotos ich ins Internet stellen soll. Es stehen Hunderte zut Auswahl, sowohl von den Wasserfällen wie auch den Blüten, Vögeln und Schmetterlingen – und jedes Einzelne finde ich beeindruckend!
25.09.08, 0 km
Heute morgen absolvierte ich den Sendero Macuco. Despacio y tranquillo – so lief ich diesen Trail, der wie ein Tunnel in den Urwald gehauen wurde. Nur 2, 3 Mal waren auf dem Hinweg andere Touris da, die mich überholten. Doch jeweils nach wenigen Minuten kamen alle die Tierchen und Geräusche zurück, die sich aufgrund des Schwatzens oder Schlurfens zurückgezogen haben.
Am Ende des Trails befindet sich der Salto Arrechea, der derzeit wenig Wasser führt. Zuerst kann man diesen von oben beobachten, danach über riesige Steine hinuntersteigen, wo der Wasserfall in ein natürliches Becken hinabstürzt. Dort gab es auch Schmetterlinge mit einer Spannweite von ca. 10 cm zu sehen! Da hat man schon ein wenig Respekt, wenn einem so ein Tier entgegenfliegt…
Nach einer längeren Pause gings die dreieinhalb Kilometer zurück zum Eingangsbereich, wo ich mir ein Mittagessen gönnte und den Internet-Zugang benutzte. Gestern Abend im Hotel musste ich nämlich feststellen, dass im Hotel die Sicherheitseinstellungen vom Internetzugang ein Update meiner Homepage nicht zulassen. Deshalb habe ich heute morgen früh den Text mal als Mail geschrieben, so dass der schon mal elektronisch vorhanden war. Deshalb musste ich am Nachmittag nur noch den Text rüber kopieren und die vorbereiteten Bilder uploaden. Was ich aber immer noch nicht tun konnte, war das Infomail zu versenden – da hat es mich jeweils unmittelbar wieder rausgeworfen.
Zum Abschluss machte ich nochmals den Circuito Inferior – die Wasserfälle sind immer noch atemberaubend, auch wenn es um diese Tageszeit von diesem Trail aus keine Regenbogen mehr gibt. Es hatte wiederum sehr wenige Leute und die Zeit verflog im Nu. Nach einer letzten Dusche am Salto Bossetti ging es so zurück ins Hotel – begeistert, überwältigt, hingerissen…
Cataratas del Iguazú, 25.09.2008
Ergänzt in Ciudad del Este, 26.09.2008
Gesamtkilometer: 1882


















