So 07.09.2008 | Montevideo – Melo

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Mi 03.09.2008

  • Montevideo –
    Parque Salud / Minas
  • 118 km
  • 790 Hm
  • 6:26 h
  • 3.00 l
  • Hotel

Do 04.09.2008

  • Parque Salud / Minas –
    Ruta 8 km 200
  • 94 km
  • 848 Hm
  • 5:22 h
  • 2.50 l
  • Zelt

Fr 05.09.2008

  • Ruta 8 km 200 –
    Treinta y Tres
  • 98 km
    davon unasphaltiert: 5 km
  • 606 Hm
  • 5:46 h
  • 2.00 l
  • Privat

03.09.08, 118 km
Gestern Nacht nochmals 11 Stunden geschlafen. Vor dem Frühstück die Mails ein letztes Mal gecheckt – und dabei die Nachricht erhalten, dass die Linsen noch nicht versendet werden konnten. Da ich noch für mehrere Monate bei mir habe, werde ich die neuen dann wohl postlagernd nach Ushuaia senden lassen. Um viertel vor zehn stand dann das Fahrrad reisebereit vor der Jugendherberge. Dieses habe ich dann via Plaza Constitución zur Plaza Independencia gestossen, wo ich dann losfuhr und mit den Bussen die Avenida 18 de Julio hochfuhr. Dann auf die Avenida 8 de Octubre – und wie schon bei der Hinfahrt vom Flughafen hatte ich Probleme bei der Gabelung zum Camino Carrasco (zum Flughafen) und zum Camino Maldonado (Ruta 8 Richtung Minas-Melo). Keine Geduld gehabt, linksum kehrt gemacht und nun wieder 2 km in den Gegenwind gestrampelt. Dann wieder gewendet und mich schon damit abgefunden, via Flughafen nach Minas fahren zu müssen. Dann kam doch mal die Gabelung… Die Avenida8 de Octubre ist in der 2. Hälfte einfach generell nicht beschriftet, so wie der Camino Carrasco in der selben Ecke, womit der Übergang zwischen diesen beiden Strassen sehr diffus ist!

Draussen auf dem Land war dann die Beschilderung wieder viel verständlicher – und sogar auf die Kilometerangaben kann man sich verlassen! Links und Rechts der Strasse sind zudem jeweils 30-50 Meter vollständig abgegrast und praktisch komplett von Bäumen und Sträuchern befreit, gefolgt von einem Zaun.

Gelände: die ersten 50 km kamen mir vor wie in Dänemark, wo es auch in Wellen ständig rauf und runter geht, danach waren am Horizont noch Hügel auszumachen. Selbstverständlich war die Landschaft aber ganz anders: Keine Felder, sondern „nur“ Weiden und Wäldchen. Das Gras ist noch sehr kurz, wobei auch das von den teilweise an Pflöcken angebundenen Kühen abgenagt wird.

Dank Rückenwind (ein Dank an alle, die mir das gewünscht haben!) gut vorangekommen, und ca. 10 km vor Minas zum Parque Salud zum übernachten abgebogen. Da es um 19.00 Uhr bereits stockdunkel ist, ist eine rechtzeitige Unterkunftssuche wohl angebracht…

04.09.08, 94 km
Nicht gut geschlafen: ohne Heizung war es zu kalt, mit Heizung zu heiss!

Das Wetter war heute wie gestern, bewölkt mit sonnigen Abschnitten und viel Rückenwind. Um viertel nach neun gings los, zuerst zu einer Stadtrundfahrt in Minas. Auch hier wieder: Einbahnstrassen soweit das Auge reicht – und wer sich nicht auskennt ist selber schuld…

Die Ruta 8 nennt sich auch „Ruta de la Sierra“, und sie macht ihrem Namen alle Ehre. Es gibt keinen ebenen Abschnitt, sondern nur rauf und runter. Diese Aufstiege und Abfahrten werden zudem immer länger, was sich auch bei den Höhenmetern bemerkbar macht – so waren heute doch 850 Meter hinaufzuklettern…

Gegen 14.00 Uhr hielt vor mir ein Pickup an, der Fahrer stieg aus und deutete mir an, dass ich anhalten solle. Er erzählte mir dann, dass es in dieser Gegend nicht viele Schweizer gebe, aber sein 90jähriger Vater stamme aus Zürich und sei vor 60 Jahren ausgewandert. Er wohnt mit seiner Frau, welche auch dabei war, bei Treinta y Tres und sie luden mich ein, womit wir dann die Natelnummern austauschten und testeten, ob es auch funktioniert. So habe ich morgen schon mal eine Übernachtungsmöglichkeit. Nach ihrer Auskunft gibt es bis Treinta y Tres aber keine Unterkunft, so dass ich heute mit dem Zelt vorlieb nehmen muss.

Bis Mariscala hatte ich noch Hoffnung, doch da war tatsächlich nichts auszumachen. Und da die anderen erreichbaren Orte, Colón und Pararajá, auf den Distanztafeln nicht einmal angegeben werden, wird es da auch kaum etwas geben. Deshalb intensivierte ich meine Suche nach einem geeigneten Zeltplatz, was bei dem breiten aufgeräumten Seitenstreifen gar nicht so einfach ist. Schliesslich möchte ich mich ja schon nicht zur Schau stellen. Dann, genau beim km 200, entdeckte ich eine Baumgruppe, die in einer Kurve gelegen ist. Von vorne kam nichts, von hinten auch nicht – und ab unter die Bäume. Doch man konnte mich immer noch sehr gut sehen. Deshalb immer abgewartet, bis kein Fahrzeug zu sehen war, und dann einen Sichtschutz mit abgesägten herumliegenden ästen aufgebaut. Dahinter dann das Zelt aufgebaut, welches dann um 17.00 Uhr bezugsbereit war. Das erste Wild-Camping seit fast 10 Jahren – aber das wird in den kommenden Monaten wohl noch das eine oder andere Mal vorkommen…

05.09.08, 98 km
Am Morgen das Zelt abgebaut und den Sichtschutz wieder entfernt. Fahrrad aufgepumpt und das Gepäck zum 200 km-Pfahl getragen. Die Weiterfahrt zeigte, dass der Zeltplatz ideal war; kein ähnlich geeigneter Platz war die kommenden 20 km zu erspähen. Dafür überholte ich wenig später die Arbeiter auf ihrer seltsamen Baumaschine, die ein wenig schneller als Schritttempo vorwärts kam. Die werden sich sicher gefragt haben, wo sie mich gestern überholt haben… Dann fuhr ich noch an einer Putzkolonne vorbei, die links und rechts jeweils mit 3 Mann die Strasse ablief. Allerdings sammelten sie offenbar nur Dinge, die ihnen gefielen, und warfen den Rest weiter weg von der Strasse…

Heute war es den ganzen Tag bedeckt, am Abend gab es noch ein paar Tropfen. Zuerst war es zudem windstill, doch dann kam der Rückenwind zurück. Dennoch musste ich den ganzen Tag mit Jacke fahren, da es mit 9 Grad doch kühler war als die letzten Tage. Wie in den vergangenen Tagen fuhr ich dabei die meiste Zeit auf dem gut ausgebauten Seitenstreifen – doch manchmal ist dieser schlicht nicht fahrbar, wie z.B. um Minas herum sowie vor Treinta y Tres.

In Treinta y Tres bog ich dann auf den ersten Ripio-Abschnitt ein, um zur Estancia von Eduardo mit seiner Frau Marie sowie seinem aus der Schweiz ausgewanderten Vater zu gelangen. Dank dem Wegbeschrieb von Eduardo habe ich diese dann gleich beim ersten Anlauf gefunden. Auf 300 Hektaren hält die Familie 160 Kühe, welche zweimal täglich – jeweils um ein Uhr – gemolken werden, immer 6 gleichzeitig. Nach einem feinen Nachtessen ging so ein weitere Tag dem Ende entgegen.

Sa 06.09.2008

  • Treinta y Tres –
    Melo
  • 120 km
    davon unasphaltiert: 5 km
  • 1’286 Hm
  • 7:44 h
  • 3.50 l
  • Hotel

So 07.09.2008

  • Melo –
    Melo
  • 0 km
  • 0 Hm
  • 0:00 h
  • 0.00 l
  • Hotel

06.09.08, 120 km
Gestern Abend begann es zu regnen – und 24 Stunden später hat es immer noch nicht aufgehört. Heute morgen deshalb Regenhosen und -jacke angezogen und den ganzen Tag nicht mehr ausgezogen. Zuerst gab es bei Eduardo und Marie aber noch ein Frühstück. Dabei war auch noch eine Gruppe aus Chuy, welche unterwegs nach Tacuarembó zu einem christlichen Jugendfest waren.

Danach ging es auf der Naturstrasse zurück nach Treinta y Tres, wobei mir heute dieser Weg mit dem nassen Boden und dem Gegenwind viel länger vorkam als gestern. Kaum war ich dann wieder auf der geteerten Ruta 8 in der Gegenrichtung unterwegs, flaute der Wind ab, so dass mir heute diese Unterstützung verwehrt blieb. Mit der Zeit hatte ich aber das Gefühl, dass nicht alleine der fehlende Rückenwind und die bei den Aufstiegen entgegenfliessenden Wasserläufe der Grund für mein langsames Vorwärtskommen sein können. Da ich nichts Eingeklemmtes feststellen konnte, hob ich das Fahrrad an und stellte fest, dass das Hinterrad leicht an der Bremse streifte. Da die entsprechenden Werkzeuge zuunterst in der Packtasche sind und ich im Regen nicht alles auspacken wollte, hängte ich dann einfach die Bremse aus – schliesslich sind die Abfahrten nicht steil und deshalb die Bremsen praktisch unnötig.

Abfahrten blieben dann aber eine ganze Weile aus, und es ging nur noch hinauf, hinauf und hinauf. So verbrachte ich dann eine Weile in den Wolken mit sehr geringer Sichtweite. Mit dem langsamen Vorwärtskommen befürchtete ich zudem, dass es nicht bis Melo reichen wird und ich dann irgendwann ins Nasse das Zelt stellen muss. Doch dann ging es auch wieder ein paar mal bergab, und die Strasse schlängelte sich von Hügel zu Hügel Richtung Melo, wobei dann auch noch ein ekliger Seitenwind aufkam.

Als ich dann deutlich nach 17.00 Uhr entkräftet und mit tauben Fingern in Melo ankam, fuhr ich durchs Zentrum und suchte ein Hotel, konnte aber nichts finden. Deshalb querte ich dann wieder die Strassen und fuhr auf der Ruta 8 retour in der Hoffnung, dass dort etwas entsprechendes zu finden ist – doch Fehlanzeige. Also fragte ich an der ANCAP-Tankstelle, die ein Block weiter ist. Nachdem ich die angegebenen 6 Blocks die Seitenstrasse hinunter gefahren war und weitere 6 Blocks nach rechts hinter mich brachte, war da tatsächlich, ganz versteckt, ein Hotel. So konnte ich doch noch vor dem vollständigen Einbruch der Dunkelheit mein Sachen ins Trockene bringen und mich wieder aufwärmen.

07.09.08, 0 km
Heute lege ich einen Ruhetag ein. Einerseits gilt es nach dem gestrigen Tag wieder Kräfte zu tanken, andererseits hatte es heute morgen immer noch geregnet. Mittlerweile, um 10.30 Uhr scheint aber die Sonne. Wunderground.com verspricht zudem, dass ich in den kommenden Tagen auf dem Weg nach Tacuarembó und dann weiter nach Salto von weiterer Nässe verschont sein soll. Zudem soll es auch wieder wärmer werden. Das sind doch erfreuliche Aussichten.

So erkunde ich heute noch ein bisschen die Stadt und pflege das Fahrrad, damit es morgen wieder weitergehen kann. Die Kleider sind ja dank guter Heizung bereits wieder trocken.

Melo, 07.09.2008
Gesamtkilometer: 452


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