Am Sonntag Abend um 17.00 Uhr ging es endgültig los. Nachdem mich am Morgen Fabian in der Autofahrt zum Flughafen begleitet hatte und wir das Gepäck inklusive Velo eincheckten, nahm ich nun Tram und Bus um zum Flughafen zu gelangen. Beim Fahrrad hatte ich – gemäss Waage am Flughafen – das erlaubte Höchstgewicht von 30 kg mit 27.5 kg deutlich unterschritten (wobei auf einem Band nebenan vor einem Monat 2 kg mehr gewogen wurden…). Auch beim eingecheckten Gepäck hatte ich die Gewichtslimite mit 19.9 kg (bei erlaubten 20…) exakt eingehalten. Nur beim Handgepäck war das Limit mit 16 kg leicht überschritten…
Der Flieger nach Frankfurt hatte mehr als 1 Stunde Verspätung, so dass wir statt um 18:40 Uhr erst gegen 20 Uhr abhoben. In der anschliessenden Rechtskurve konnte ich dann noch einen letzten Blick auf meine Wohnung werfen. Auch sonst konnte ich noch ein paar mir bekannte Orte am Boden ausmachen, wie z.B. Kembs oder Kandern.
Durch die Verspätung (wegen einem technischen Defekt habe das Flugzeug am Nachmittag ausgetauscht werden müssen, wobei der Ersatzflieger nicht sofort bereit gewesen sei) verkürzte sich die Aufenthaltsdauer am Flughafen Frankfurt von 2.5 h entsprechend auf 90 Minuten. Ohne grosse Umwege ging ich deshalb zum Checkin-Schalter der TAM, wo bereits eine lange Schlange anstand – und die hinter mir rasch länger wurde. Nur standen wir längere Zeit am selben Ort, da der Schalter zwar besetzt war, vorne aber irgendwie gar nichts ging. Dann, nach mehr als einer Viertelstunde an Ort, ging es doch langsam, Schritt um Schritt, nach vorne, bis auch ich meine Einsteigekarte ergattern konnte. Wenige Minuten später durfte ich dann auch schon ins Flugzeug.
Dort sass ich dann neben einem Chilenen aus Santiago, welcher den Fensterplatz erhalten hatte (wobei es in unserer Reihe gar kein Fenster gab). Er war mehrere Monate in Oslo und flog nun wieder nach Hause. Auf der anderen Seite vom Gang war eine Brasilianerin, welche seit 8 Jahren in Deutschland lebt und nun für drei Wochen die Familie besucht. So verbrachte ich einige Zeit schwatzend und essend (es wurde noch ein Abendessen serviert), bis ich dann für ein paar wenige Stunden die Augen schloss. Bald gingen nämlich die Lichter im Flugzeug wieder an, und es wurde das Frühstück serviert. Das muss so etwa um 04.00 Uhr Südamerikanische Zeit gewesen sein.
Den Flughafen in Sao Paulo betrat ich dann um 05.46 Uhr, eine halbe Stunde früher als im Flugplan vorgesehen. Da der Anschlussflug nicht planmässig um 09.15 Uhr erfolgte, sondern erst eine halbe Stunde später, verbrachte ich da noch ein paar Stunden im Transitbereich. Auf dem Flug nach Montevideo hatte ich dann wieder einen Fensterplatz – wobei ich mich eigentlich für die ganze Reise als Flügelmann bezeichnen könnte: bei allen drei Flügen war ich knapp hinter den Flügeln platziert.
Der Unterschied zwischen Sao Paulo und Montevideo war vom Flugzeug aus beeindruckend: Beim Vorbeiflug an Montevideo stachen mir sofort die vielen Naturstrassen in die Augen, welche ich so in Sao Paulo nicht ausmachen konnte. Wieviel Staub werde ich da in den nächsten Wochen und Monaten schlucken?
In Montevideo hatte ich dann vom Flugzeug aus direkten Blick auf das Gepäckförderband, wobei ich meine Gepäckstücke nicht ausmachen konnte. Als ich dann aber im Bus war, sah ich, wie eine grosse Kiste mit gelbem Klebeband das Förderband hinunter kam. Juhui, mein Fahrrad ist auch angekommen! Jetzt ist nur noch die Frage, in welchem Zustand sich das Velo befindet, denn die Kiste sieht sehr mitgenommen aus… Jedenfalls ging es zuerst einmal zur Passkontrolle, wo in meinen ersten Stempel in den Pass erhielt und mir den Aufenthalt in Uruguay für 90 Tage erlaubt. Dann ging es direkt zur Gepäckausgabe, wo gerade mein Fahrrad angeliefert wurde. Ein Flughafenangestellter brachte mir gleich noch einen Flughafenkarren, damit ich die Schachtel aufladen konnte. Offenbar hatte es die TAM auch interessiert, was in der Schachtel ist: Das Klebeband war durchschnitten und die Schachtel dann mit TAM-Band zugeklebt worden…
Nachdem ich noch meinen Koffer in Empfang nehmen konnte, ging es noch zur Gepäckkontrolle, wo kontrolliert wurde, dass ich auch wirklich keine Lebensmittel mitgenommen habe. Dann verliess ich den Flughafen – und machte mich direkt neben der Eingangstür daran, mein Fahrrad auszupacken und zusammenzustellen, wobei mich Flughafenangestellte und Taxifahrer interessiert beobachteten. Ich konnte dann glücklicherweise feststellen, dass sich beim Transport nur das Schutzblech am Vorderrad leicht verkrümmte, sonst aber alles in Ordnung war. Glück gehabt!
Nachdem das Fahrrad funktionstüchtig zusammengestellt war, entleerte ich die Koffer und stopfte alles in die Packtaschen. Ein Taxifahrer hat sich dann sehr erfreut an den Koffern. Es geht noch eine Weile, bis ich wieder welche brauche… So hisste ich schlussendlich noch die Flagge, stieg aufs Fahrrad und legte meine ersten Meter ausserhalb von Europa zurück.
Rasch gab es die erste Entscheidung betreffend Route zu treffen: Gleich beim Flughafen ist ein Kreisel, und Montevideo ist auf zwei Strassen zu erreichen. Nach einem Blick auf die Karte, welche if auf dem Flughafen ergattert hatte, entschied ich mich für den kürzeren Weg (nicht der Küste entlang), da ich noch keine uruguayische Pesos hatte und langsam aber sicher Durst bekam. So fuhr ich auf der geteerten Strasse, links und rechts zweigten jeweils Naturstrassen ab – so war es noch relativ einfach, den richtigen Weg zu finden. Dies wurde dann später aber schwieriger, wo es nur noch geteerte Strassen gab, aber keine Hinweisschilder, wohin diese führen. Eine gute Karte oder Ortskenntnisse sind da sehr empfehlenswert, wobei ich weder auf das eine noch das andere zurückgreifen kann… Immerhin habe ich dann doch noch einen Indikator gefunden: Die Hauptstrasse ist dort, wo die Busse fahren – und von denen gibt es nicht wenige! So näherte ich mich in den Russwolken zunehmend der Altstadt von Montevideo, wo meine vorab reservierte Unterkunft lag.
Auf Uruguays Strassen fahren aber nicht nur Busse, sondern es befindet sich auch sonst alles darauf, was sich bewegt. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie so viele Maultiere auf Strassen gesehen als auf dem Weg ins Stadtzentrum – von den Handkarren ganz zu schweigen!
Für die Altstadt von Montevideo hatte ich eine detaillierte Karte, und dennoch bekam ich zu spüren, dass Montevideo die Bezeichnung „Berg“ im Namen trägt. Von rechts fuhr ich dann mal den Hügel hoch, bis ich auf der anderen Seite wieder hinunterfuhr – die vielen Einbahnstrassen haben mich total verwirrt. Zudem muss man ganz genau schauen, um die Strassenschilder finden zu können. Dann fuhr ich ein paar Meter weiter, fand dann tatsächlich wieder mal eine Kreuzung, wo beide Strassen angeschrieben waren, und orientierte mich neu. Und dann kam schon einer auf mich zugelaufen und sprach mich auf Deutsch an. Da hat mir meine Flagge schon mal das erste Mal weitergeholfen… Also fuhr ich wieder den Berg hoch – und da waren schon wieder nur Einbahnstrassen, die in die falsche Richtung zeigen – es ist zum verrückt werden! So war ich dann auf der anderen Seite wieder zuunterst, und habe auf dieser Strasse wieder nicht auf die gewünschte Strasse einbiegen können, da es da gar keine Zufahrt gab. Bei der nächsten Gelegenheit fuhr ich dann wieder den Berg hoch, fand tatsächlich eine in die richtige Richtung führende Einbahnstrasse bis zur Calle Ituzaingo. Diese war dann aber wieder eine Einbahnstrasse in die andere Richtung… So habe ich halt die letzten drei Häuserblocks das Fahrrad wieder den Berg hinaufgestossen, bis ich, nach 28 Stunden auf Achse, endlich die Jugendherberge erreichte.
Dort wurde ich dann sehr freundlich empfangen – und ich musste gleich feststellen, dass ich aus Versehen noch meinen alten Jugendherbergen-Ausweis mitgenommen habe, der im vergangenen Mai ablief. Ich hoffe, ich kann dann das überall erklären, dass ich meine Mitgliedschaft bis Mai 2010 bezahlt habe…
Nachdem mir bei einem Rundgang die schmucke Herberge gezeigt wurde, verstaute ich meine Sachen, nahm eine Dusche und las noch ein bisschen. Um 19.00 Uhr konnte ich dann aber nicht mehr, und ich montierte meine Ohrenpfropfen und legte mich hin.
dreizehneinhalb Stunden später, davon etwa zwölf Stunden schlafend, stand ich wieder auf, nahm das angebotene Frühstück und erkundete die Stadt. Nachdem ich endlich mal uruguayische Pesos bezogen hatte (die JH habe ich in USD bezahlt), fand ich mit der Zeit auch einen Laden, wo ich alle notwendigen Utensilien einkaufen konnte (Lebensmittel, Feuerzeug, Badeschlappen). Nur für Brennstoff für meinen Kocher musste ich dann nochmals ein zweites Mal ausschweifen. Danach setzte ich mich dann in den nahegelegenen Park, wo es dann aber zunehmend abkühlte. Das waren nicht mehr die 20 Grad von gestern, und auch am Morgen war es noch angenehm warm. So zog ich mich denn um 14.00 Uhr in die JH zurück und begann, diese Zeilen zu schreiben, bevor es dann morgen so richtig losgehen soll…
Montevideo, 02.09.2008
Gesamtkilometer: 22


















