Fr 12.09.2008 | Melo – Salto

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So 07.09.2008

  • Melo –
    Melo
  • 0 km
  • 0 Hm
  • 0:00 h
  • 0.00 l
  • Hotel

Mo 08.09.2008

  • Melo –
    Las Arenas / km 315.5
  • 119 km
  • 821 Hm
  • 6:27 h
  • 3.50 l
  • Zelt

Di 09.09.2008

  • Las Arenas / km 315.5 –
    Tacuarembó
  • 89 km
  • 629 Hm
  • 4:47 h
  • 4.00 l
  • Hotel

07.09.08, 0 km
Nachdem ich meine Homepage aktualisiert hatte, spazierte ich noch durch die Stadt. Im Forno’s ein Chivito al Plato gegessen: Ein ca. 10 x 10 cm grosses, dünnes Stück Rindfleisch, eine dicke Scheibe Schinken, gefüllt mit ein wenig Käse, sowie ein Stück Speck. Dazu gab es auf einer separaten Platte Pommes, russischen Salat sowie grünen Blattsalat mit Tomaten. Das ganze hätte locker für zwei gereicht, womit ein Nachtessen nicht mehr notwendig war. Mit Getränk und Gedeck (wird hier separat berechnet) zahlte ich 210 Pesos, was umgerechnet etwa CHF 12.50 entspricht. Soviel zum Preisniveau…

Am Abend noch die Zusammenfassung vom Formel 1-Rennen von Spa geschaut. In Südamerika scheinen aber das Rennen (welches stark zusammengeschnitten wurde) und der Stand in der Weltmeisterschaft (welcher überhaupt nicht gezeigt wurde) weniger wichtig zu sein als die Pressekonferenz, die in voller Länge gezeigt wurde!

08.09.08, 119 km
Ein Mitarbeiter vom Hotel zeigte mir heute Morden die Strasse Richtung Tacuarembó – nach 2 Blöcken links abbiegen. Dass dies die Strasse ist, die in der gewünschten Richtung aus der Stadt hinausführt, hätte ich alleine wohl kaum herausgefunden, denn sie war genau so breit uns so wenig angeschrieben wie alle anderen auch!

Bei der Abfahrt kurz nach 9 Uhr war der Himmel leider wieder vollständig mit Wolken bedeckt, während 2 Stunden vorher noch stahlblauer Himmel zu sehen war. Im Verlaufe des Tages lockerte die Bewölkung aber wieder auf, so dass ich nach dem Mittagessen-Halt die langen Hosenbeine entfernte. Diesen Halt musste ich aber gezwungenermassen um ein paar Kilometer verschieben. Gerade, als ich anhalten wollte, war da ein grosser wilder Hund, der mir nachrennte. Zum Glück ging es gerade ein wenig bergab, so dass ich für die nächste Welle Tempo aufnehmen und bergauf einen hohen Gang durchdrücken konnte – doch der Hund liess nicht locker! Also die nächste Welle, und die nächste, und die nächste… So legte ich etwa 3 km mit Maximalgeschwindigkeit zurück, bis ich sicher war, dass ich den Hund abgehängt habe. Sicherheitshalber pausierte ich auf einer Kuppe, so dass ich im schlimmsten Fall bei einer erneuten Jagd doch noch Vorsprung hätte mitnehmen können…

Überhaupt ging es heute wieder besser vorwärts als am Samstag. Einerseits machte sich sicher bemerkbar, dass ich das Fahrrad gestern vollständig vom Schmutz befreit und frisch eingeölt habe. Andererseits war es heute deutlich flacher und die Wellen weit nicht so hoch und steil wie noch am Samstag, so dass doch einige mit einem grossen Gang und viel Schwung bewältigt werden konnten. Und last but not least: Ich änderte die Richtung um 90 Grad – und der Wind auch! So legte ich eine ähnliche Distanz wie am Samstag doch um mehr als 5 Viertelstunden schneller zurück.

Während der Strassenbelag überwiegend gut bis ausgezeichnet ist, gibt es ein paar wenige Abschnitte als Schüttelbecher. Dabei hatte ich heute gerade Gelegenheit zuzuschauen, wie hier Strassenlöcher repariert werden – und danach wunderte mich nichts mehr! Mit einer Schaufel wird ein Haufen Teer auf ein Loch gelegt – das wars! Der Teer wird nicht mal festgedrückt – fürs walzen sind einzig die Autos und Lastwagen zuständig. Und dass die Menge in der Regel nicht stimmt ist halt Schicksal…

Am Abend suchte ich wieder Schutz unter einer Baumgruppe für mein Zelt. Hier hat es sogar ein wenig Gebüsch, das Dank dem feuchten Untergrund aus dem Boden spriesst. Da ich aber relativ weit oben an einer Kuppe bin, sollte diese Nässe kein allzu grosses Problem sein.

09.09.08, 89 km
Dem Hahn, der gestern die halbe Nacht den Morgen herbeigekräht hat, hätte ich den Hals herumdrehen können…

Bei Sonnenuntergang gestern Abend war es windstill, doch dann kam ein bis Sonnenaufgang anhaltender feuchter Wind auf, der die Aussenhülle des Zelts im Nu vollständig netzte. Zum Glück schien am Morgen früh die Sonne, so dass ich das Zelt trocken einpacken konnte. Mit der Sonne war es auch gleich warm, so dass ich nach 2 km Fahrt bereits die langen Hosenbeine abzog und die Ärmel nach hinten krempelte. Leider war es bald darauf wieder bewölkt und die Strasse drehte sich, so dass nun Seitenwind herrschte, aber kalt war es trotzdem nicht.

Heute gab es viele lange Geraden, wobei es das eine oder andere Mal sogar eben war. Nur kurz vor Tacuarembó waren während 10 km unendlich viele steile und hohe Wellen zu bewältigen. Dabei kamen mir auch mal zwei mit Rennvelos entgegen.

In Tacuarembó begleitete mich ein Petrobras-Angestellter mit seinem Rad und zeigte mir ein Hotel im Zentrum. Überhaupt sind die Leute in Uruguay sehr freundlich: viele grüssen mich und/oder winken, und auch die Lastwagenfahrer hupen meist freundlich.

Mi 10.09.2008

  • Tacuarembó –
    Ruta 26 km 117.5
  • 116 km
  • 965 Hm
  • 6:24 h
  • 5.00 l
  • Zelt

Do 11.09.2008

  • Ruta 26 km 117.5 –
    Termas de Guaviyú
  • 111 km
  • 575 Hm
  • 7:02 h
  • 4.00 l
  • Hotel

Fr 12.09.2008

  • Termas de Guaviyú –
    Salto
  • 59 km
  • 405 Hm
  • 3:14 h
  • 1.0 l
  • Hotel

10.09.08, 116 km
Tacuarembó war heute morgen im Nebel verhüllt. Nach dem Bezahlen der 450 Pesos fürs Hotelzimmer deshalb wieder mit langärmligem Hemd und langbeinigen Hosen losgefahren. Dabei ging es zuerst einmal den Einbahnstrassen nach um den Block herum, dann kreuzte ich die Strasse, woher ich gestern gekommen bin, und fuhr weiter bis ich die von der Rezeptionsdame angegebene Avenida Oribe erreicht hatte. Auf dieser fuhr ich Richtung Stadtausgang – doch ist das wirklich die richtige Strasse? Es ist so überhaupt nicht angeschrieben… Nach 4 km mittels Distanzschild doch die Bestätigung erhalten, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde.

Kurz darauf zog ich bereits wieder die langen Hosenbeine aus, und vor der ersten richtig langen Steigung von ca. 3 Kilometern bei km 30 krempelte ich auch die Ärmel zurück. Wenig später löste sich der Nebel vollständig auf, und die Sonne konnte ungehindert auf mich niederbrennen. Deshalb ölte ich mich beim Mittagessen auch gleich noch vollständig mit Sonnencrème – Schutzfaktor 50 – ein.

Bis dahin waren aber ca. 15 km zu bewältigen, die überwiegend bergauf führten. Am Nachmittag konnte ich auf der erreichten Hochebene – geschätzte 300 m ü. M. – vor mich hingleiten, wiederum kräftig vom Wind unterstützt. Ich geniesse jeden Tag mit Rückenwind ausgiebig, denn er wird mir wohl noch allzu oft ins Gesicht blasen. Ich hoffe, dass sich dann mein Gesäss vollständig an die vielen Stunden im Sattel gewöhnt und der Umfang meiner Oberschenkel ein bisschen erweitert haben…

Natürlich ging es auch am Nachmittag nicht nur flach dahin, sondern hin und wieder war die Ebene auch von Tälern mit Wasserläufen durchschnitten. Dabei konnte ich mich aber auch an den ersten Blumen erfreuen, die in den uruguayischen Frühling hineinspriessen.

Am Abend konnte ich im Gebüsch am Strassenrand genau eine so grosse Fläche freilegen, dass ich mein Zelt darauf stellen konnte – Glück gehabt!

11.09.08, 111 km
In der Nacht hat der Wind seine Richtung wieder geändert – für mich leider einige Stunden zu früh. So blies nun ein kräftiger Seitenwind, der oft schräg von links vorne kam. Und wenn ein Lastwagen entgegenkam, gab es nur eins: sich ducken und 2 Gänge zurückschalten, damit man von der Welle nicht vollständig zum Stillstand gebracht wird. Noch weniger Spass machte nach einigen Kilometern das Auftauchen von schwarzen Wolken, nachdem ich beim Start infolge Sonnenschein noch Sonnencrème aufgetragen hatte – und schon tröpfelte es! Aber ich hatte Glück, und die Wolken entleerten sich etwa ein Kilometer nördlicher.

So strebte ich während 82 Kilometern den Kilometerstein 35 an, wo ich auf die Ruta 3 Richtung Norden einbog – und damit wieder in Windrichtung. Deshalb ging es dort dann auch wieder bergauf schneller voran als vorher bergab… Nur die Distanzangaben in meinem Reiseführer waren etwas irreführend, weshalb ich dann noch 10 km weiter fahren musste als erwartet, bis ich die angestrebten Termas de Guaviyú erreichte. Hier habe ich mich jetzt im Villaggio einquartiert.

Erfreuliches gab es zudem am Morgen noch festzustellen: den Gürtel konnte ich ein Loch enger schnallen. Da scheint sich etwas in die gewünschte Richtung zu entwickeln…

12.09.08, 59 km
Nach dem ausgiebigen Frühstück, das Andres vom Villaggio zubereitete, ging es wieder auf die Ruta 3. Diese wurde in dieser Gegend wohl erst kürzlich erneuert, denn das Gras neben dem Strassenrand ist noch nicht vollständig angewachsen. Auf diesem Grasstreifen kamen mir heute dann auch mal 2 Gauchos mit ihrer etwa 40köpfigen Kuhherde entgegen. Überhaupt wird in Uruguay noch viel mit dem Pferd gearbeitet, denn Gauchos sind immer wieder zu sehen – oder dann ihre Pferde, die gesattelt bereitstehen.

Zurück zur Strasse, welche wunderbar asphaltiert ist – nur beim neuen Abschnitt haben sie für den auf der Ruta 3 wieder vorhandenen Seitenstreifen einen rauen Belag gewählt. Dies mag ja dazu dienen, müde Lastwagenfahrer wieder aufzuwecken, wenn sie von der Strasse abkommen (damit sie dann vor Schreck das Steuer herumreissen und auf der anderen Seite im Graben landen…), als Velofahrer ist es aber ein bisschen mühsam. Wenn immer es der Verkehr zuliess (was auch oft der Fall war), fuhr ich auf diesen ca. 30 lm auf der Fahrbahn, welche mit einem Flüsterasphalt belegt war, wie man ihn auch in der Schweiz selten finden kann.

Die Situation wollte ich dann noch bildlich festhalten, stellte deshalb das Fahrrad an den Strassenrand, packte die Kamera aus und machte 2 Schritte zur Seite – und schon kam mir das Rad entgegengeflogen, welches ich wohl nicht optimal hinstellte und deshalb von einem Windstoss unglücklich erfasst wurde. Im letzten Augenblick konnte ich meine Hände noch in Richtung Lenker werfen und so den schlimmsten Aufprall verhindern, doch ich erwischte dabei vor allem den Velocomputer, den ich nun in den Händen hielt. Der Gummi, der die Halterung am Lenker festhielt, hat diese Aktion wohl nicht überlebt – jedenfalls war er nirgends mehr zu finden. Glücklicherweise war dies aber der einzige Schaden bei diesem Zwischenfall. So packte ich dann eine Rolle meines Allzweck-Reparaturmaterials auch: Migros-Heftpflaster. Damit habe ich vor einer Woche bereits die Flaggenstange verstärkt, nun klebte ich damit die Halterung vom Velocomputer am Lenker fest. Aus guten Gründen habe ich 3 Rollen davon mitgenommen…

In Salto suchte ich mir dann ein Hotel im Zentrum, welches ich mit der Zeit und ein paar Kurven auch tatsächlich fand. Hatte ich da eventuell ein Schild übersehen, das den Weg Richtung Zentrum weist…?

Salto, 12.09.2008
Gesamtkilometer: 946


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