Mo 23.07.2007 | Halden – Uddevalla

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Via

  • Hรคllevadsholm
  • Munkedal

Infos

  • 122 km
  • 6:25 h
  • 5.00 l

รœbernachtung

  • Hotel

Am Morgen unterhalte ich mich noch eine Weile mit dem Leiter der JH. Er wird nachmittags nach Paris in die Ferien fliegen, sein Bruder die JH รผbernehmen. Leider will der Nieselregen, der mich nicht gerade fรผr eine Weiterfahrt motiviert, nicht aufhรถren. Da die Jugendherberge fรผr heute Abend aber bereits ausgebucht ist, ziehe ich dann halt doch noch die Pelerine an und mache mich auf den Weg Richtung Schweden.

Der Grenzรผbergang war dann nichts besonderes. Auf der norwegischen wie auch auf der schwedischen Seite stand jeweils ein kleiner Lebensmittelladen. Ob da die Leute jeweils in Ausland shoppen gehen? Eine Zollstation gab es dann jedenfalls nicht. Einzig die Farbe der Schilder รคnderte: In Schweden haben diese nicht mehr einen weissen Hintergrund, sondern einen gelben. Und die Elche sehen auf den schwedischen Schildern auch ein bisschen anders aus als auf den norwegischen. Ob in der freien Wildbahn auch der schwedische vom norwegischen Elch unterschieden werden kann?

Keine 10 Kilometer nach der Grenze gab es dann unvermittelt einen Knall โ€“ der hintere Reifen ist geplatzt! Ich fahre rechts raus in eine kleine Zufahrt und nehme zuerst mal ein vorgezogenes Mittagessen zu mir. Immerhin hat zum selben Zeitpunkt der Regen aufgehรถrtโ€ฆ

Ich habe an diesem Fahrrad noch nie das Hinterrad ausgebaut โ€“ und vorher hatte ich noch nie ein Rad mit Nabenschaltung gefahren. Was kommt alles mit, wenn ich die Schrauben lรถse? Bringe ich dann das Hinterrad dann auch wieder in die richtige Position? Solchen Fragen quรคlten mich, als ich die Gepรคckstaschen demontierte. Ich schaltete dann โ€“ wie Herr XXX von der Aarios erlรคuterte โ€“ in den 14. Gang, entfernte dann den externen Wechsler, รถffnete die Bremsen, und lรถste die Schraube mit dem fรผnfkantigen Spezialschlรผssel. Ich war รผberrascht, dass ich dann nur noch die Kette vom Kettenkranz entfernen musste, und dann das Rad schon draussen war!

Nachdem ich den Schlauch ausgebaut hatte, wollte ich kurz nachschauen, wo die Luft entweicht. Ich steckte die Pumpe ans Ventil, und bekam dann den nรคchsten Schreck: Ich bringe nur sehr mรผhsam Luft in den Schlauch! So kann ich unmรถglich den ganzen Reifen aufpumpen! Ich hรคtte doch noch zu Hause prรผfen sollen, ob die Pumpe noch funktionstรผchtig istโ€ฆ Zum Glรผck habe ich beim Anhalten schon gesehen, dass nur 300 Meter weiter eine Tankstelle ist!

Ein bisschen Luft brachte ich dann noch rein und konnte das Loch identifizieren. Dann flickte ich das Loch, und wรคhrend der Kleber trocknete, montierte ich einen anderen Schlauch im Hinterrad. So hรคtte ich beim nรคchsten Reifenschaden wieder einen unmittelbar einsatzfรคhigen Schlauch.

Das Zusammenbauen ging dann auch wieder ganz einfach: Kette auf den Kettenkranz legen, Hinterrad rein und festschrauben, Gangwechsler draufstecken und festschrauben, Bremsen einhaken, Gepรคck wieder drauf โ€“ und das Fahrrad wรคre wieder bereit zum Weiterfahren. In diesem Falle fehlte aber noch die Luft im Hinterreifen, welche ich dann in der nahe gelegenen Tankstelle besorgte. Als ich dort aber auf das Fahrrad sass, gab es sofort wieder einen Knall โ€“ und die Luft war schon wieder draussen! Also das ganze Prozedere nochmals!

Beim ersten Platten hatte ich bereits den Pneu auf Fremdkรถrper abgesucht, aber nichts gefunden. Da das zweite Loch an derselben Stelle entstand wie beim ersten Mal, untersuchte ich diese Position genauer. Und mit Schrecken musste ich feststellen, dass der Pneu genau am Felgenrand einen Riss hat! Da nรผtzt das beste und langlebigste Profil nichts, wenn die Reifenflanke schon nach wenig mehr als 1’000 km defekt ist. Habe ich etwa den angegebenen Minimaldruck unterschritten? Das kann ich mir zwar kaum vorstellen, denn den Reifendruck habe ich jeweils am Abend gefรผhlt. Oder kann der Reifen einfach meinen Fahrstil nicht leiden? Ich sitze des ร–fteren nicht im Sattel, um meine Kรถrperteile zu entlasten. So entstehen wesentlich mehr seitliche Bewegungen, die mir nun zum Verhรคngnis werden kรถnnten. Denn wo um Himmels Willen gibt es hier einen Fahrradshop? Notdรผrftig klebe ich einen Flick direkt auf die Innenseite des Pneus, so dass ein zusรคtzliches Polster entsteht. Der Tankwart erklรคrt mir dann, dass etwa 2 Kilometer weiter eine Werkstatt fรผr Busse sei. Dort seien frรผher Fahrrรคder repariert worden; vielleicht habe der Inhaber ja noch einen Reifen.

Ich musste dann feststellen, dass dort zwar Reifen vorhanden sind. Allerdings passen die alle nur auf Busseโ€ฆ So fahre ich notgedrungen weiter, mit dem Wissen, dass es beim nรคchsten Reifenplatzer aus ist. In der nรคchsten Ortschaft war auch kein Fahrradgeschรคft ausfindig zu machen, und dann nach etwas mehr als 10 Kilometern, zerstรถrte ein weiterer Knall alle meine Hoffnungen. Nach dem Motto โ€žWer sein Fahrrad liebt, der schiebtโ€œ ging es nun weiter. Bis zur nรคchsten auf der Karte verzeichneten Ortschaft verblieben mir 15 Kilometer, so dass ich mich auf einen lรคngeren Marsch einstellte.

Nach knapp einem Kilometer kam mir dann aber ein Auto in langsamer Fahrt entgegen, von wessen ich kurz vorher รผberholt wurde. Der Fahrer hielt an, und sagte etwas unverstรคndlich. Ich versuchte ihm klarzumachen, dass ich kein Schwedisch kรถnne, aber Englisch. Er deutete mir dann an, dass er kein Englisch kรถnne, und sagte etwas von einer Werkstatt, die er habe. Ich versuchte dann wieder klar zu machen, dass eine Werkstatt zum Reparieren mir nicht viel bringen wรผrde, denn ich brauche schlicht und einfach einen neuen Pneu! Immerhin habe ich aber das Gefรผhl, dass er mir helfen will โ€“ was ich sehr gut gebrauchen kann! โ€“ und folge seinen Beschreibungen zu seiner โ€žWerkstattโ€œ.

Es waren dann noch etwa 300 Meter zu schieben, und dann stand ich vor seinem Haus, in einem Wald ein bisschen abseits der Strasse gelegen. Er hatte tatsรคchlich neben der Garage einen Hobbyraum, in welchen wir das Fahrrad dann schoben. Plรถtzlich verstanden wir uns dann auch viel besser: Es handelte sich um einen Deutschen, der mit seiner Frau nach Schweden ausgewandert ist. Er bot mir dann an, mich zum nรคchsten Fahrradladen zu fahren, der etwa 20 Kilometer entfernt ist, was ich dankend annahm. So erwarb ich dort dann einen Continental-Reifen, der beinahe das selbe Profil hat wie mein bisheriger Panaracer. Und wenn ich die schwedische Etikette richtig verstanden habe, wird fรผr 1 Jahr garantiert, keinen Platten zu haben. Gleichzeitig kaufte ich dann auch noch eine neue Velopumpe, damit ich mich nicht mehr mit der alten herummรผhen muss.

Der neue Pneu war dann im Nu montiert und das Fahrrad wieder reisefertig. Die Familie, die auch noch einen Verwandten aus Deutschland zu Besuch hatte, lud mich dann noch zu Kaffee und Kuchen ein, und wir unterhielten uns dann รผber das Reisen allgemein und das Leben in Schweden.

Mittlerweile ist es sonnig geworden, und sie erzรคhlten, dass der Wetterbericht einen trockenen Nachmittag und Abend verspricht. Ich machte mich dann wieder auf den Weg, und 90 Minuten spรคter begann es dann wieder zu regnenโ€ฆ Da der Regen nur langsam einsetzte und angenehm warm war, verzichtete ich auf den Regenschutz. Dafรผr erlebte ich dann ein eindrรผckliches Blitzlicht-Gewitter, als ich auf der E06 Richtung Uddevalla strampelte. Auf der Gegenfahrbahn war Stau infolge Verkehrsรผberlastung, und aus vielen stehenden Autos wurden von mir Fotos geschossen. Es muss schon beeindruckend sein, wenn ein Radfahrer, vom Rรผckenwind unterstรผtzt, im Geschwindigkeitsrausch durch die Gischt brettertโ€ฆ

Ursprรผnglich wollte ich die JH in Fรคrgellanda ansteuern. Mit dem Regen bevorzugte ich dann aber, in Uddevalla zu nรคchtigen. Sollte ich in der Jugendherberge keinen Platz haben, wird es Uddevalla eher Hotels haben, da ich infolge der Nรคsse nicht das Zelt benutzen mรถchte. Und so war es denn auch in Uddevalla: die JH war ausgebucht. Um zur JH in Gustafsberg zu gelangen, musste ich bereits durch die ganze Stadt durchfahren, wobei ich auch ein nahe gelegenes Hotel erblickt hatte. Also fuhr ich dorthin zurรผck und checkte ein. Das Zimmer bot dann einen imposanten Blick รผber die Stadt, und im gerรคumigen Badzimmer konnte ich meine Kleider zum Trocknen aufhรคngen.


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