Brrr, war das kalt heute Morgen! Nun, nach der permanenten Hitze der letzten Wochen fรผhlt sich wohl alles unter 15 Grad eisig an!
Ich fuhr trotzdem nur mit Hemd und Radlerhose los, denn die Sonne schien bereits – ich musste nur aus dem Schatten kommen. Nach der Ortsdurchfahrt von Keswick – sonntagsmorgen vor 7.00 Uhr hat es deutlich weniger Verkehr als am Samstag Nachmittag – war ich auch in der Sonne, diese blendete mir jedoch tiefstehend ins Gesicht. So musste ich immer wieder eine Hand รผber die Augen halten, um allfรคllige Hindernisse erkennen zu kรถnnen – einmal wรคre ich fast in ein Absperrgitter gefahren, das auf dem Radweg stand!
Der Radweg benutzte zunรคchst wieder einmal eine stillgelegte Bahnstrecke, so dass die Steigung moderat war. Spรคter ging es auf eine Nebenstrasse, die in einem Auf und Ab dem Hang entlangfรผhrte. Hin und wieder musste auch angehalten werden, um ein Gatter zu รถffnen und wieder zu schliessen. Als ich da wieder mal auf meine Karte schaute, war ich schon 5 km weg von meiner eingezeichneten Route gefahren – Schreck lass nach! Nun, die gestrige Routenplanung benutzte die doppelspurige Hauptstrasse, wรคhrend der Radweg erst spรคter in einem Bogen wieder dorthin fรผhrt und mit einer Fahrradspur versehen ist So gab es nur etwa 2-3 km zusรคtzliche Distanz. Es hรคtte noch eine signalisierte Alternative ab der Mitte dieses Bogens gegeben, die Distanz wurde mit einer Meile kรผrzer angegeben – ich befรผrchtete jedoch, dass dort das Streckenprofil anforderungsreicher gewesen wรคreโฆ
Wenig spรคter ging der Radweg von der Hauptstrasse weg, die Nebenstrasse war aber signalisiert, dass sie weiter vorne geschlossen sei. Ich hoffte auf das Beste, denn bisher konnten bei solchen Schilder die Radfahrer immer durchfahren. Diesmal wurde es aber eng: Die Strasse war links und rechts von Tanklastwagen versperrt, die gerade Wasser in ein Reservoir pumpten. In der Mitte der Strasse gab es eine exakt passende Lรผcke, in der ich mein Gefรคhrt durchschieben konnte.
รber viele kleine, steile Wellen nรคherte ich mich dem Hartside Summit, mit 1’903 Fuss die hรถchste Erhebung des heutigen Tages. Bevor es da hinauf ging, legte ich noch ab 11.30 Uhr eine einstรผndige Mittagspause mit Nickerchen ein. An dieser Ecke gab es zwei Optionen, um in Richtung Passhรถhe zu starten: Road oder Off-Road. Ich entschied mich natรผrlich fรผr die Strasse, und die ging zuerst bergab, um danach steil wieder anzusteigen. Noch an einer kleinen Ansiedlung vorbei, dann begann die richtige Steigung, zuerst auf einer Nebenstrasse, die letzten 2-3 km auf der Hauptstrasse. Und was soll ich sagen: es war der leichteste Anstieg des ganzen Tages! Natรผrlich kam ich auf der Nebenstrasse nur im kleinsten Gang vorwรคrts, aber ich konnte eine hรถhere Kadenz beibehalten als bei der allermeisten Wellen zuvor und danach! Als ich auf die Hauptstrasse abbog, konnte ich sogar im 2. und 3. Gang bis zur Passhรถhe hochpedalen! Dort waren schon die beiden Girls aus Schottland, die ich gestern schon gesehen habe und von denen ich auch heute zuvor schon zweimal รผberholt worden war, bei einer Zwischenverpflegung. Das wird aber die letzte Begegnung mit ihnen gewesen sein – auf der anderen Seite trennten sich unsere Radwege in Alston – meiner fรผhrt nach Norden, sie fahren Richtung Osten und nehmen am Dienstagabend den Zug nach Hause.
Auf der Abfahrt nach Alston musste ich immer wieder pedalen! Einerseits war die Neigung nicht so steil, andererseits wehte mir auch ein brutaler Gegenwind entgegen. Zum Glรผck hatte sich dieser unten im Tal wieder gelegt! In Alston angekommen, machte ich noch einen Zwischenstopp im Spar bei der Tankstelle und fรผllte meine Vorrรคte wieder auf. Nach der verkehrsreichen Ortsdurchfahrt hatte ich auf meiner Route plรถtzlich keinen Verkehr mehr – bin ich da richtig? Nun, es kamen Schilder mit dem Veloweg Nr. 68, denen ich folgen konnte – und nach einer steilen Abfahrt war plรถtzlich wieder ein Schild „Road closed ahead“ zu sehen. Ich fuhr auf dieser Nebenstrasse, die schรถn gemรคchlich dem Bachlauf folgt, weiter und hoffte wieder, dass ich durchkommen werde. Es blieb natรผrlich nicht bei dieser sanften Abfahrt, sondern es mussten auch wieder steile Steigungen mit sicherlich 20 % bewรคltigt werden, sowie ebenso steile Abfahrten. Was war ich dann froh, dass am Ende dieses Abschnitts einfach nur ein Absperrgitter neben der Strasse stand, an dem jedes Fahrzeug hรคtte durchfahren kรถnnen – so wie beim Nunningerberg diesen Frรผhling.
Eine der letzten Ortschaften vor dem Etappenziel war Slaggyford. Dort ging der Radweg wieder von der รคusserst schwach befahrenen Hauptstrasse weg, durch den Ort den Berg hoch. Oben war der Bahnhof, der Radweg ging genau dort durch. Dort verweilte ich ein bisschen, denn der Bahnhofswรคrter kam gerade hinaus und schloss manuell die Gatter รผber die Strasse – es fuhr gerade der Zug aus Alston ein. Dreimal tรคglich gibt es dieses Prozedere, indem Touristen mit einer kleinen Diesellok und offenen Passagierwagen nach Slaggyford gefahren werden, dort die Lok rangiert und danach die Komposition den Rรผckweg nach Alston antritt.
Wรคhrend der Rangieraktion inspizierte ich auch den Radweg entlang der Bahnstrecke – und entschied, dass ich wieder hinunter zur Hauptstrasse fahren werde und nicht diesen Radweg nehme. Dieser ist viel zu eng zwischen Maschendrahtzaun und Gestrรผpp, so dass ich wohl nur noch mehr zerkratzt da durchgekommen wรคre!
Die letzten Kilometer des heutigen Tages endeten, wie ich die Etappe angefangen hatte: Auf einer stillgelegten Bahnstrecke. Auf dieser geht es morgen noch ein paar Kilometer weiter – aber morgen wird zuerst der steile Anstieg vom Campingplatz zurรผck zu bewรคltigen sein, den ich heute bremsend hinuntergefahren bin!
Die Pflaster an den Fรผssen wirken! Heute konnte ich einige Steigungen sogar wieder im Wiegetritt bewรคltigen. Nach dem Duschen habe die Pflaster entfernt, die Wunden sehen gut aus. Jetzt hoffe ich nur, dass ich die neuen Pflaster รคhnlich gut draufgeklebt habe wie gestern die รrztin!


















