– City Night Liner –
Als Veloreisender ist der CNL schon eine praktische Sache: Man steigt abends in den Zug ein, verstaut sein Velo, legt sich hin – und am nächsten Morgen befindet man sich beim gewünschten Reiseziel, ohne sich Sorgen darüber machen zu müssen, wie das Flughafen-Bodenpersonal das Fahrrad behandeln wird. Und mit CHF 20 gibt es das internationale Bahnbillet auch zu einem unschlagbaren Preis.
So fuhr ich von Basel aus schon nach Dänemark (nach Kolding und von Kopenhagen zurück) und Ostdeutschland (nach Riesa und von Dresden zurück). Zudem fuhr ich auch mal von Genf aus zu den Pyrenäen nach Biarritz und zwei Wochen später von Perpignan wieder nach Hause.
Es kann sich aber lohnen, sich streng an die CNL-Linien zu halten. Das mussten heute einige Mitreisende erleben. Der CNL hatte fast 30 Minuten Verspätung eingefahren, womit natürlich nicht nur die bei der Planung grosszügig eingesetzten Umsteigezeit abgelaufen war, sondern auch der Anschlusszug bereits abgefahren war. Da musste dann am Bahnhof jeweils ein Alternativplan für die Weiterreise ausgearbeitet werden.
Ich kam dann gegen 9 Uhr in Utrecht an, und nachdem ich mich zuerst auf dem Bahnhof verlaufen hatte, fand ich dann doch noch ganz versteckt einen Lift, welcher mich zur Strasse führte.
Anhand meiner Holland-Karten – dazu in einem späteren Beitrag mehr – fand ich ohne grosse Probleme aus der Stadt hinaus auf der von mir vorgesehenen Rute. Ich folge dem holländischen Netz von Fernradwegen, weshalb ich heute kaum einen Kilometer mit Autos um den Raum kämpfen musste. Das Land scheint wirklich vollständig von Radwegen durchdrängt zu sein!
Amüsant war dann die erste Fährpassage, die mit Handbetrieb funktioniert. Die Fähre ist auf beiden Uferseiten an Stahlketten festgemacht, wobei sich auf der Fähre und an den Ufern Kurbeln befinden. Um die Konstruktion vom anderen Ufer herzuholen, betätigt man die Kurbel am Ufer – sonst müsste man warten, bis jemand von der anderen Seite übersetzen möchte. Und wenn man sich auf der Fähre befindet, legt man an der entsprechenden Kurbel auf der Fähre Hand an. Als Radfahrer habe ich da nur eine Anmerkung, um die Geschichte noch authentischer zu gestalten: wenn die Kurbel nicht von Hand betätigt werden müsste, sondern wie ein Fahrrad oder Pedalo mit den Füssen…
Am Nachmittag musste ich der Hitze mit über 30 Grad Tribut zollen. Am Morgen gingen die Radwege noch dann und wann durch schattige Wälder, doch nachmittags war die Rute dann fast durchwegs an der prallen Sonne. Und wenn sich die Richtung ungünstig änderte, brach das Tempo vollends zusammen. Obwohl ich trotz Pausen bereits um 14 Uhr die 60 km-Marke erreichte, musste ich da meine angestrebte Tagesdistanz von 120 Kilometern aus dem Kopf schlagen. Stattdessen wollte ich dann noch bis Elburg pedalen, wo ich dann gegen 16:30 Uhr auch tatsächlich eintrudelte. Dort bekam ich gerade noch den letzten Stellplatz auf dem Campingplatz. Nachdem ich das Zelt mit Müh und Not aufgestellt hatte, suchte ich Schatten, füllte meine Flüssigkeitsspeicher wieder auf und nahm feste Nahrung in Etappen zu mir. Immerhin hat sich nach 20 Uhr der Magen wieder soweit eingerenkt, dass ich doch wieder hoffen kann, die morgige Etappe bei vollen Kräften aufnehmen zu können…
