Um 05.45 Uhr Schiffszeit – bzw. 06.45 Uhr französische Zeit – wurde das Licht wieder eingeschaltet und die Lautsprecherdurchsagen begannen. So konnte man sich vorbereiten, damit man für das Entladen um 08.00 Uhr in Roscoff rechtzeitig bereit ist. Dort durften die Fahrräder wieder als Erste vom Schiff, wurden aber bis zur Passkontrolle von einigen Fahrzeugen überholt. Das spielte aber keine Rolle, denn dort wurden wir Zweiradfahrer sowieso alle in die Spur rechts aussen verwiesen.
Nach der Passkontrolle ging es durch einen Kreisel, und schon konnte ich auf den Radweg abbiegen. Bis Morlaix gab es ein ständiges Auf und Ab, aber nicht mehr ganz so steil wie in der UK – hier können sie auch Kurven in die Hänge hineinbauen! Ein paar Kilometer war ich auch mit sechs anderen Radfahrern unterwegs; mit Zweien hatte ich gestern Abend vor der Fähre geredet, sie kommen aus Exeter und fahren nach Santander, wo sie die Fähre zurück nehmen werden. Zwei eBiker waren gestern tagsüber mit der Fähre angekommen und verbringen zwei Wochen stationär in der Bretagne. Als sich die Sonne vollends zeigte, montierte ich das Solarpanel und habe daher den Anschluss verloren – wenig später wäre ich sowieso abgehängt worden, denn es kam da eine längere Steigung; da die anderen nur mit Minimalgepäck unterwegs sind, waren die anderen bergauf wesentlich schneller, ich konnte sie zuvor in den Abfahrten jeweils wieder einholen.
Ab Morlaix ging es wieder einmal auf einer stillgelegten Bahnstrecke weiter, und die „Voie Verte Morlaix-Carhaix“ machte ihrem Namen alle Ehre: der grösste Teil dieser 45 Kilometer war eine Fahrt durch einen grünen Tunnel! Vor lauter Bäumen konnte man gar keinen Wald sehen… Dafür ging es zuerst etwa 15 Kilometer sanft bergauf, um anschliessend wieder 20 Kilometer sanft bergab zu gehen. Da hatte ich den zweiten Teil natürlich viel lieber – aber was war da für eine Kraftanstrengung notwendig, als es nach diesen 20 Kilometern wieder etwas bergauf ging!
In Carhaix hatte ich die Wahl zwischen Lidl und E.Leclerc, wobei ich mich für Letzteres entschied – und was war da alles günstig im Vergleich zu Grossbritannien! Ich glaube, das dachte ich auch von Grossbritannien um Vergleich zu Irland…
Anschliessend fuhr ich nur noch zum Campingplatz, wo ich mir einen Platz an der Sonne aussuchte und anschliessend das Zelt mit dem gestern gekauften Imprägniermittel einsprayte, bevor ich mich unter die Dusche stellte. Es zeigt sich jedenfalls, dass Flüssigkeiten wieder abperlen – kaum war das Zelt trocken, schiss ein Vogel drauf!
Auf dem Zeltplatz tummeln sich auch einige andere Tourenradler – und ich habe das Gefühl, heute habe von Roscoff hierher mehr Tourenradler gesehen als in der ganzen UK und Irland zusammen! Dafür wurde ich auf dem Campingplatz auch von mehr Fliegen gestochen als bisher auf der Tour!
