Um 06.30 Uhr wurde ich durch einen kläffenden Hund aus dem Schlaf gerissen – auf geht’s, die kühleren Morgenstunden unter 30 Grad nutzen, und nach dem Prolog am Samstag endlich die erste Etappe in Angriff nehmen! Aber 5 Stunden Schlaf sind für mich einfach zu wenig…
Frühstück auf dem Balkon, wachduschen, Sonnencrème einsprayen, fertigpacken, Apartment bezahlen und Pass wieder in Empfang nehmen, Fahrrad beladen, Zutaten für Mittagessen und sonstige Verpflegung unterwegs im Supermarkt nebenan einkaufen. Als dies alles erledigt war, schwang ich mich um 08.20 Uhr aufs Rad und legte los.
Zuerst ging es den Berg hoch auf die Hauptstrasse, und dann fuhr ich auf einer grossen Brücke aus der Stadt hinaus. Es war dann tatsächlich so, wie ich es mir am Samstag vorgestellt habe: viele Kurven, viele kleine Aufstiege und Abfahrten, immer knapp am Seitenstreifen fahren wegen dem vielen Verkehr.
Nach etwas mehr als 30 Kilometer erreichte ich Slano, wo ich eine Nebenroute wählte. So konnte ich auch nicht aus Versehen von Hochzeitsgästen überfahren werden, welche mit Restblut im Alkohol heute nach Split fahren 🙂
Auf den mehr als 30 folgenden Kilometer bis Neum hatte ich dann tatsächlich kaum Verkehr, dafür waren die Aufstiege um so härter mit bis zu 11 Steigungsprozenten. Da war ich froh, dass ich beim letzten Veloservice im vergangenen Winter eine neue Kombination aus Scheibenblatt und Ritzel habe montieren lassen, so dass meine 14 Gänge der Nabenschaltung nun etwas kleiner übersetzt sind. So konnte ich die ersten Steigungen noch in einem guten Rhythmus hochkurbeln.
Landschaftlich erinnerte mich dieser Abschnitt an Andalusien. Auch dort war es karg, steinig und es wuchsen Büsche und Oliven. Hier hat es aber noch Feigenbäume, welche ich im März 2014 nicht ausmachen konnte.
Je länger der Tag, desto weniger Kraft hatte ich aber in den Beinen. Auch das 20minütige Nickerchen zur Mittagspause und das wiederholte Durchschnaufen bei Pausen gab nur für kurze Zeit Schwung zurück, um die folgenden Anstiege zu bewältigen. Zudem wurde auch meine dritte und letzte 1.5 Liter-Wasserflasche immer leerer, aber die drei oder vier Dörfer unterwegs lagen abseits der Strasse.
Aber Bosnien und Herzegowina hat ja in Neum einen Meereszugang, welche die Region um Dubrovnik vom restlichen kroatischen Festland abtrennt. Also muss ja bald die Zollstation kommen. Und die Zöllner sind dann vielleicht so nett, ein bisschen Wasser rauszurücken. Die Zollstation kam dann tatsächlich auch in Sicht, und die sieht auch ziemlich neu und modern aus – für den heutigen Verkehr auch nur wenig überdimensioniert. Das Problem war nur: es waren gar keine Zöllner da! Zum Glück war dann etwa einen flachen Kilometer weiter ein Supermarkt, wo ich mich mit Getränken eindecken und Wasser am Hahn nachtanken konnte!
Die Weiterfahrt auf der Nebenroute fand ich nicht mehr, so dass ich in Neum wieder unten auf der Hauptstrasse landete. Das war vielleicht auch besser so, denn ich weiss nicht, wie lange ich die hochprozentigen Steigungen noch hätte bewältigen können. Und auf meiner Karte waren da noch ein paar eingezeichnet… Da reichte mir der verbleibende Hauptanstieg auf der Hauptstrasse schon vollends. Auf meiner Karte ist für den Kulminationspunkt eine Höhe von 152 Meter über Meer angegeben. Und das Meer war tatsächlich nicht weit unten. Aber der Anstieg zog sich quälend über mehrere Kilometer hin, bis ich endlich oben angelangt war. Und auch die Abfahrt war nicht ohne, hatte es doch immer wieder Gegenanstiege drin. Schlussendlich war ich doch noch in der Sohle vom Tal der Neretva angelangt, wo ich gleich beim ersten Hotel anhielt und das Tagespensum beendete.
Diese Nacht werde ich sicher auch wieder tief und fest schlafen – aber ein paar Stunden länger als gestern!


















