Um 6 Uhr war ich zur Abfahrt bereit und damit nochmals 20 Minuten früher als tags zuvor. Das ist wohl der früheste Etappenstart seit Dezember 2008, als ich einmal dem Wind zuvorkommen wollte und tags darauf eine Fährpassage nicht verpassen wollte. In diesen Tagen geht es jedoch darum, die etwas „kühleren“ Morgenstunden auszunutzen und am Nachmittag, wenn die frühsommerliche Hitzewelle mit Temperaturen bis 38 Grad Celsius am intensivsten wirkt, viele Ruhepausen einzulegen. Es wird auf dieser Tour aber sicher noch genügend nasse und kalte Tage geben…
Zuerst ging es flach nach Molsheim, meinem gestrigen verkürzten Etappenziel. Ich brauchte heute Morgen knapp mehr als eine Stunde für diese Strecke – gestern hätte ich wohl mindestens doppelt so lange gebraucht! Anschliessend ging es meist auf einer stillgelegten Bahnstrecke bis Saverne. Von dort aus gab es zwei Streckenvariante: Die „originale“ Eurovelo-Route und die „alternative“ direkte Route, die ich zur Reduktion von 1’600 km in den ersten drei Monaten der Tour geplant habe. Schon weit vor Saverne entschied ich mich aber für die Original-Route, da die andere Route mehr Höhenmeter aufweist und camping- und verpflegungstechnisch durch Niemandsland führt.
Also folgte ich ab Saverne dem Marne-Rhein-Kanal, den ich schon von meiner Fahrt 2019 nach Paris kenne. Von damals wusste ich auch, dass es bei Arzviller einen brutalen Anstieg gibt, der für mich heute nicht fahrbar sein wird. Also ging ich beim Anblick der Rampe nicht in den tiefroten Bereich, sondern stieg sehr rasch vom Rad und schob dieses hoch. Komischerweise hatte ich das Gefühl, dass der Berg vor sieben Jahren viel höher war als heute…
Auf der anderen Seite ging es schön gemächlich wieder hinunter und ich machte einen kleinen Abstecher nach Sarrebourg, um im Supermarkt Flüssigkeiten nachtanken zu können. Zudem habe ich heute Morgen den Boden der Sirupflasche erreicht, so dass da Nachschub für den morgigen Tag her muss!
Die hügelige Fahrt ging weiter bis zum Campingplatz in Gondrexchange, ein ständiges, ermüdendes Auf und Ab. Vermutlich wäre es einfacher gewesen, in Hesse knapp 2 Kilometer zurückzufahren und wieder dem Kanal zu folgen – für den Navigationsfehler und den Entscheid, nach Vorne zu blicken, musste ich entsprechend teuer mit vielen Schweisstropfen bezahlen!
Entsprechend kam ich um 17 Uhr erschöpft am Campingplatz an, und ich legte mich einmal mehr in den Schatten. Auch nach der Dusche hatte ich keine Lust, bei dieser Hitze das Zelt aufzubauen. Die Nachbarn in ihrem Bus werden auch sämtliche Türen und Fenster offenhalten, das Radlerpärchen ein paar Meter weiter begnügt sich auch mit dem durchsichtigen Innenzelt. So verbringe ich auf diesem ruhigen Platz wieder eine Nacht im Freien.
