Was war das wieder für ein Tag mit vielen Impressionen und Wendungen!
Neben der Lenkertasche habe ich heute mein Fahrrad nur mit einer Packtasche beladen, welche neben dem Mittagessen warme Bekleidung enthielt – inklusive Mütze und Handschuhe. So fuhr ich zur Tankstelle einen Kilometer weiter vorne, denn dort sah ich gestern Nachmittag, dass viele LKW-Fahrer einen Stopp einlegen. Doch jetzt kamen innert einer halben Stunde gerade mal ein halbes Dutzend Lastwagen, und die fuhren alle durch.
Ich wollte meinen Plan schon aufgeben, da hielten gerade drei Laster, und einer davon war ideal für mein Vorhaben. Ich ging gleich zum Fahrer und fragte ihn, ob er mich und mein Velo bis zur Grenze mitnehmen würde – und er sagte sofort zu!
So befestigte ich das Fahrrad auf dem Anhänger, während José sein Morgenessen einnahm, und wir fuhren los Richtung chilenische Grenze. Nach knapp 3 Kilometer musste aber bereits der erste Stopp eingelegt, da hier die LKW’s vom argentinischen Zoll abgefertigt werden. Und die Warteschlange war lang… Als wir dann das Gelände endlich erreicht hatte, musste ich aber den Laster verlassen und beim Ausgang 200 Meter weiter warten. Gepäck und Fahrrad durften aber im/auf dem LKW bleiben. Die Regeln der Zöllner sind mir da ein bisschen schleierhaft…
Nach etwa dreiviertel Stunden hatte José die Zollprozedur überstanden und es ging richtig los zur Grenze auf einer Höhe von über 3’100 Meter. In seiner 30jährigen Karriere als Chauffeur musste er auch schon einen Tag auf die Zollabfertigung warten. So lange hatte er heute aber nicht Zeit, denn er musste die Fracht abliefern und noch heute Nachmittag eine neue aufladen, um dann nach Antofagasta weiterzufahren. So macht er um die 25’000 km pro Monat im Norden Chiles, Argentinien und Brasilien. Und sein Volvo hat richtig PS, denn wir überholten permanent andere Lastwagen…
Kurz vor 12 Uhr waren wir dann oben und kamen in die nächste Warteschlange. Da habe ich dann bei einem ersten Stopp mein Gepäck aus der Führerkabine genommen und neben der Strasse deponiert, beim nächsten Stopp kletterte ich auf den Hänger und löste mein Fahrrad, und beim dritten Stopp hievten wir das Fahrrad auf den Boden. Ich verabschiedete mich von José, wir wünschten uns gegenseitig eine gute Reise und ich sammelte meine Ausrüstung zusammen.
So radelte ich nun auf einer Höhe von 3’150 Meter und machte mich auf den Weg zurück nach Uspallata. Für die Windstopper-Jacke war es hier aber zu warm, so dass ich nur das dicke Langarm-Trikot über das Thermo-Shirt anzog. Die langen Hosenbeine hatte ich bereits in Uspallata montiert.
So rollte ich zuerst an der Abzweigung zum Monumento Cristo Redentor vorbei. Aber auf Schotterpiste bis auf über 3’700 Meter hinaufzufahren, war mir heute dann doch zuviel… So passierte ich dann den Aconcagua, mit knapp 7’000 Meter der höchste Berg Amerikas. Doch nachdem beim Hinauffahren noch blauer Himmel war, verdeckten nun Wolken den Aconcagua. Erst später konnte ich dann doch noch ein Bild schiessen.
Also fuhr ich weiter zur Puente del Inca – und dieser natürliche Gesteinsbogen, welcher sich über den Fluss spannt, war viel grösser, als ich das angenommen hatte. Vor hundert Jahren wurde das Wasser hier auch als Thermalbad genutzt, wurde später dann aber wieder aufgegeben. Ich schlenderte dann durch die Souvenir-Stände wieder zurück zum Velo, reduzierte die Bekleidung auf kurze Sachen – und weiter gings.
Mit der aufkommenden Thermik war es dann aber nicht mehr so einfach, zurück nach Uspallata zu kommen. Und ich wusste, dass da auch noch ein paar happige Gegenanstiege auf mich warten. So war ich dann umso mehr froh, als ein Distanzschild die verbleibenden Kilometer nur noch mit 42 anzeigte und nicht den erwarteten 55. Es sind also keine 100 Kilometer, die ich heute zurücklegen werde…
Dann zogen auch immer mehr Wolken auf, und ab und zu tröpfelte es. Ich hatte zwar den Regenschutz auch heute eingepackt, doch benutzen wollte ich ihn nicht wirklich… Mit dem bewölkten Himmel gab es dann aber noch das eine oder andere fantastische Stimmungsbild – und dann sah ich dann auch noch ein Gewitter vor mir, mit Blitz und Donner. Dorthin wurde ich dann plötzlich richtiggehend geschoben, so dass ich dann doch noch rascher in Uspallata zurück war als befürchtet.
Als ich die LKW-Zollabfertigung wieder passierte, war auf der anderen Strassenseite eine lange Autoschlange zu sehen. Die Gendarmerie hat die Strasse gesperrt – vielleicht wegen dem Gewitter? Da habe ich ja nochmals Glück gehabt! Vor allem kamen dann die grössten Tropfen erst, als ich das Hotel erreicht hatte. Aber richtig geregnet hat es auch danach nie.
So konnte ich heute den oberen Teil dieses eindrückliche Tales geniessen. Morgen auf der letzten Etappe zurück nach Mendoza werde ich auch den unteren Teil durchfahren.
