Ui, war das wieder ein Tag heute! Zuerst war ich schon etwas nach 4 Uhr hellwach und konnte nicht mehr schlafen, so dass ich bald frühstückte, meine Sachen packte und kurz nach halb sechs Uhr losfuhr. Um diese Zeit herrschten bereits Temperaturen, die am Nachmittag angenehm wären…
Zuerst ging es weiter flach der Saar entlang, bis ich nach knapp 15 Kilometern kurz vor Merzig abbog und den Anstieg nach Mondorf in Angriff nahm. Das fühlte sich zunächst noch gut an, und auch nach der Ortsdurchfahrt konnte ich die weitere Steigung bis zu den Sockeln der Windräder hochtrampen. Fast zuoberst musste ich noch einen Halt einlegen, da mein Sattel immer mehr wackelte. Ein paar Schrauben mussten wieder nachgezogen werden.
Es folgte eine hügelige Hochebene mit einem ständigen Auf und Ab der Feldwege und Strässchen. Erst am Abend habe ich erkannt, dass ein Stück davon der deutsch-französischen Grenzlinie folgte. Da ich auf der rechten Seite fuhr, sollte ich aber die ganze Zeit in Deutschland geblieben sein…
Nach einem letzten steilen Anstieg, wo ich das Rad ein paar Meter hochschob, konnte ich mich in die Abfahrt hinunter zur Mosel stürzen. Da hatte ich leider schon eine meiner Flaschen verloren, denn bei einer Zwischenabfahrt gab es einen Schlag in einer Kurve, sie löste sich vom Gepäck und schlug unglücklich auf dem Boden auf. Immerhin konnte ich noch 0.5 Liter Sirup von dieser Flasche retten, aber ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt – vor 9 Uhr – auch schon über 2.5 Liter verbraucht. So kam ich zu zwei Erkenntnissen: Die gewählte Positionierung einer Wasserflasche war ein misslungenes Experiment und wird nicht wiederholt, und bald wird Wassernachschub notwendig sein.
Unten an der Mosel angekommen, fuhr ich über die Brücke nach Schengen und erreichte somit mit Luxemburg das 4. Land dieser Tour. Gleich bei der Anfahrt der nächsten Ortschaft – Remerschen – zeigte meine Karte eine Wassertankstelle. Und was war das für eine luxuriöse Anlage! Mit 2 Knöpfen konnte man wählen, ob man eiskaltes Wasser oder Sprudelwasser will. Da löschte ich zuerst meinen Durst und füllte danach alle 3 intakten Flaschen wieder bis zum Rand auf.
So fuhr ich aber nur ein paar Hundert Meter weiter, bis ich im Schatten eines grossen Schuppens eine Essens- und Ruhepause einlegte. Dabei kam auch eine Frau vorbei, die 1969 auf der Lenzerheide in einem Hotel arbeitete und in St. Moritz zufällig Mireille Mathieu traf.
Nach einer kurzen Fahrt den Rebbergen entlang ging es wieder den Berg hoch, bis Luxemburg waren es noch knapp 20 Kilometer. Im Schatten konnte ich noch auf dem Rad fahren, aber im Sonnenschein wurde die Anstrengung bei dieser Hitze zu gross. Ich schob daher wieder einmal, und bald hielt ein Marokkaner mit italienischem Pass, der mit seiner polnischen Frau in Luxemburg lebt, mit seinem Transporter an. Auf die Frage, ob ich mitfahren wolle, musste ich überhaupt nicht lange überlegen – und so war ich schon kurz nach 11.00 Uhr in der Hauptstadt des Grossherzogtums.
Nun galt es, sich neu zu orientieren. Einerseits dachte ich schon beim Hochschieben, dass es morgen mit den gleich hohen Temperaturen kaum Sinn macht, über die Berge zu fahren. Und übermorgen ist Sonntag, wo es aufgrund allfällig geschlossener Supermärkte auch schwierig sein könnte, sich mit ausreichend geeigneter Flüssigkeit zu versorgen. Andererseits bin ich nun irgendwo mitten in der Stadt und habe keine Ahnung, wo was ist. Mit der App von Booking.com habe ich daher zuerst eine Unterkunft für 3 Nächte evaluiert und gebucht, danach habe ich etwas zu essen eingekauft und eine kurze Stadtrundfahrt unternommen. Was ich dabei feststellen konnte: Luxemburg ist auf einigen Hügeln gebaut! Unterwegs legte ich noch eine Mittagspause mit Mittagsschlaf ein, gefolgt von der Beobachtung eines amüsanten Treibens: Im Quartier wird offenbar ein Fest vorbereitet, und eine Gruppe versuchte, mit Röhren und Harassen eine Bahn aufzubauen, um Kugeln hinunterrollen zu lassen. Ob sie es hinbekommen haben? Ich weiss es nicht – nach etwas mehr als einer halben Stunde waren erst wenige Röhren verbaut, das ganze wirkte extrem instabil und die Harassen waren eigentlich alle schon verwendet…
Ich fuhr weiter, genoss eine Fahrt mit dem Aufzug und fuhr durch Pärke zur Adresse, wo ich um 14.00 Uhr die Schlüssel zu meinem Studio abholen konnte. Danach fuhr ich zum Studio, das glücklicherweise im Untergeschoss liegt. Da ist es einerseits nicht so heiss, andererseits konnte ich Gepäck und Fahrrad über eine kleine Treppe zur Terassentür hinuntertragen. Danach habe ich nicht mehr viel gemacht – ausruhen, Sehenswürdigkeiten von Luxemburg evaluieren und ein bisschen Bürokram war angesagt.
Gegen 18 Uhr wollte ich noch rasch einkaufen gehen, das habe ich dann aber um etwas mehr als eine Stunde verschoben. Dann verfärbte sich nämlich plötzlich der Himmel, es begann zu donnern, und wenig später begann der Gewitterregen. Gut, war ich nicht im Zelt, denn ein paar Minuten lang waren auch Hagelkörner dabei!
