Fr 23.01.2009 | Coyhaique – Hornopirén

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Mo 12.01.2009

  • Coyhaique –
    Coyhaique
  • 0 km
  • 0 Hm
  • 0:00 h
  • 0.0 l
  • Hostel

Di 13.01.2009

  • Coyhaique –
    Coyhaique
  • 0 km
  • 0 Hm
  • 0:00 h
  • 0.00 l
  • Hostel

Mi 14.01.2009

  • Coyhaique –
    Mañihuales
  • 93 km
  • 952 Hm
  • 5:49 h
  • 3.5 l
  • Hospedaje

12.01.09, 0 km
Nachdem ich den Morgen damit verbracht hatte, die Homepage zu aktualisieren, ging ich wieder auf die Plaza des Armas – und schon lief mir Anke wieder über den Weg. Sie kam bereits vom Tenedor Libre und fand heraus, dass dieser abends nur am Wochenende geöffnet hat. Also werden wir heute Abend woanders essen gehen. Während wir so auf dem Platz standen, kamen mit Lukas und Theo noch zwei holländische Reiseradler, mit denen ich zum Polizeiposten ging. Wir sind auf der Suche nach Informationen zu Chaitén ein paar hundert Kilometer nördlich, denn da gab (oder gibt?) es vulkanische Aktivitäten, welche diesen Ort und den angrenzenden Pumalin-Park belasten. Hier erhielten wir die Auskunft, dass wir bis Chaitén radeln können, der Pumalin-Park aber unpassierbar ist. Mittlerweile haben wir alle viele Informationen zu diesem Abschnitt gesammelt, und die meisten weisen darauf hin, dass der Park leider geschlossen ist. Wenn nicht doch noch ein Wunder geschieht, geht es ab Chaitén wohl definitiv per Fähre weiter…

Beim Abendessen erzählte Jason, dass ein Urahn von ihm aus der Schweiz ausgewandert sei. Er konnte den Ort kaum aussprechen, von wo in der Schweiz dieser stammte, doch es handelt sich um Allschwil. Wie klein die Welt doch sein kann…

13.01.09, 0 km
Nachdem ich meine Updates für das Lateinamerika-Handbuch gemailt hatte (www.bikeamerica.de), ging ich wie in den vergangenen Tagen zur Bicicletería – und die neue Nabenschaltung ist angekommen! Bis um 15 Uhr waren noch ein paar Dinge zu tun, bis der Austausch vorgenommen werden konnte: Einkaufen, Haare schneiden, Kalorienspeicher komplett auffüllen, Bargeld aufstocken… Dann mit dem Fahrrad in die Bicicletería, wo die neue Nabe eingespeicht wurde – und sie funktioniert einwandfrei! Super, nun kann die Tour endlich weitergehen! Dann ging es ans Bezahlen – und ich starrte den Mechaniker nur ungläubig an! Für die ganze Arbeit mit der Nabe, einstellen der Bremsen und einen neuen Schlauch wollte er 5‘000 Pesos haben – keine 10 CHF! Da habe ich noch ein grosszügiges Trinkgeld draufgelegt.

Dann packte ich die alte Nabe in eine Schachtel und füllte diese mit Sachen auf, die ich nicht (mehr) benötige: Touristeninformationen, Belege, Spanisch-Hilfen, 4 volle Foto-Speicherchips, ein paar wenige Kleidungsstücke. Damit ging ich zur Post, um das Paket nach Hause zu senden. Das war ein bisschen teurer als die Reparatur: die langsamste Transportart kostet für das knapp 5 kg schwere Paket immer noch 45‘000 Pesos. So bin ich zwar dieses Gewicht los, doch nach dieser langen Pause bin ich doch gespannt, wie ich morgen über den ersten Berg kommen werde!

14.01.09, 93 km
Da es am Morgen regnete, hatte ich es überhaupt nicht eilig, meine Sachen zusammenzupacken. Zudem hatte ich wieder mal viel zu viel eingekauft, so dass alle Taschen wieder platschvoll waren. Der Regen hörte auf, und kurz nach 10 Uhr fuhr ich bei Sonnenschein los.

Gegenüber der Ankunft in Coyhaique habe ich nun einen völlig anderen Dresscode. Damals fuhr ich in den langen Hosen, mit Thermohemd und langem Trikothemd. Nun startete ich in kurzen Hosen und Shirt. Die ersten paar Meter waren noch ein bisschen wacklig, doch nach dieser langen Pause habe ich mich rasch wieder ans Gewicht gewöhnt. So fuhr ich durch die Stadt, hinunter auf die Ruta 7, und nahm den Aufstieg in Angriff, welchen ich ja schon auf der Fahrt per Bus nach Puerto Aisén in Augenschein nehmen konnte.

Als ich nach 5 Kilometer nach hinten blickte, bekam ich einen Riesenschreck: die Flagge fehlte! Den Strassenrand absuchend fuhr ich 2 Kilometer zurück, wo ich sie noch im Blickfeld hatte, doch der fetzige Wind hat sie wohl weggeweht. Jedenfalls war sie unauffindbar, so dass ich ohne Fahne weiterfahren musste. Ich kann mir nur eine Möglichkeit vorstellen, wie sich die Flagge verabschiedet hat: Die Stange muss zwischen den beiden Knoten mit dem Gummizug gebrochen sein, so dass alles rausrutschte. Schade, denn die Flagge zeigte nicht nur die Nationalität an, sondern diente mir auch als Anzeige der Windrichtung und als Warnsignal für den nachfolgenden Verkehr.

Die Steigung schaffte ich besser als erwartet. Zwar langsam und in den tiefsten Gängen, aber ich kam voran. Nach 12.5 km erreichte ich den Scheitelpunkt, und ich konnte auf der anderen Seite ins Tal blicken – wo ich weniger rosige Aussichten hatte. Kurz bevor ich den ersten richtigen Tunnel durchfuhr (das vor Ushuaia waren ja nur etwa 20 Meter durch ein Loch), musste ich Regenjacke und –hose anziehen. Das blieb so bis Mañihuales. Es gab zwar ein paarmal schwächeren oder gar keinen Regen, zuweilen sogar Sonnenschein, doch das Nass kam rasch wieder vom Himmel… Das Tal des Río Simpson hatte mir im Bus und schönem Wetter definitiv besser gefallen als heute, und so bog ich nach 50 Kilometer ab, damit ich nicht wieder in Puerto Aisén lande. Die Strasse Richtung Mañihuales war zunächst flach, und mit dem leichten Rückenwind kam ich gut voran. Doch danach folgte ein ständiges Auf und Ab, bis ich gegen 17 Uhr Mañihuales erreichte. Dort quartierte ich mich in einem Hospedaje im Trockenen ein!

Nach dem Zimmerbezug zog ich noch alle Speichen am Hinterrad nach, denn der Mechaniker hat das Rad gestern ziemlich locker eingespeicht. Mit dem Gepäck hatte ich deshalb auf der 2. Tageshälfte nicht nur ein schwimmendes Gefühl, sondern auch eine spürbare Unwucht im Rad. Ich hoffe, mit meiner Tätigkeit diese Unwucht nicht verschlimmert zu haben…

Do 15.01.2009

  • Mañihuales –
    Mañihuales
  • 0 km
    davon unasphaltiert: 0 km
  • 0 Hm
  • 0:00 h
  • 0.0 l
  • Hospedaje

Fr 16.01.2009

  • Mañihuales –
    Villa Amengual
  • 59 km
    davon unasphaltiert: 20 km
  • 783 Hm
  • 5:00 h
  • 3.0 l
  • Hospedaje

Sa 17.01.2009

  • Villa Amengual –
    Ventisquero Colgante
  • 70 km
    davon unasphaltiert: 63 km
  • 1’128 Hm
  • 6:09 h
  • 4.50 l
  • Zelt

15.01.09, 0 km
Als ich gestern zum Abendessen eine Dose Heringsfilet in Tomatensauce ass, hat mir das der Magen überhaupt nicht goutiert und schaltete um 21.30 Uhr den Rückwärtsgang ein. Ich schaffte noch den Weg ins Badezimmer (eine steile Treppe runter, dann eine enge Schikane), doch für den ersten Rutsch war die Kloschüssel zu weit entfernt. So musste ich noch den Boden aufwischen und das Klo reinigen, nachdem sich mein Magen entleert hatte. Ich konnte zwar noch ein bisschen schlafen, doch um Mitternacht war der nächste Sprint notwendig. Diesmal war es insofern angenehmer, als dass ich schlussendlich einen Schokoladengeschmack im Mund hatte… Obwohl meine Blase drückte, traute ich mich danach kaum mehr auf die Toilette – und die zwei Hunde, die die Nacht kläffend vor dem Hospedaje verbrachten, machten auch wenig Freude! Schon frühmorgens war deshalb klar, dass ich heute nicht weiterfahren werde, denn Appetit hatte ich den ganzen Tag nicht. Mittags und abends würgte ich eine Suppe hinunter, sonst verbrachte ich den ganzen Tag im Bett unter unzähligen Wolldecken. Die letzten 2 Wochen hätte ich wirklich genug Zeit gehabt, krank zu sein! Mit einem Nachmittagsspaziergang an der frischen Luft wurde auch nichts, da es noch kräftig zu regnen begann. Deshalb habe ich im Bett viel gelesen: Harry Potter, Band 1 auf englisch.

16.01.09, 59 km
Ich fühlte mich heute zwar wieder viel besser, wusste aber, dass ich durch die verminderte Nahrungsaufnahme der letzten 36 Stunden geschwächt war. So versuchte ich, das „nur“ 60 km entfernte Villa Amengual zu erreichen. Gestern Nacht konnte ich ja einiges besser schlafen, da es regnete und sich die beiden Hunde deshalb nicht nach draussen wagten…

Kurz vor neun Uhr fuhr ich los, und nach kurzer Zeit machte ich bereits den ersten Halt. Der Gegenwind war so kühl, dass ich das Thermohemd unter das Langarmtrikot anzog. In dieser Region gibt es sicher einige schöne Gipfel zu sehen, denn einige Male waren Fotostopps ausgeschildert. Da sich die Berge heute in Wolken hüllten, konnte ich diese leider nur erahnen. Nachdem die Gegenwind-Ebenen schon hart waren, spürte ich meinen Kräftemangel deutlich an den Steigungen, wo ich knapp im 1. Gang hochkam. Und nach 23 Kilometer war das Asphalt-Band zu Ende, was zusätzlich aufs Tempo drückte.

20 harte und lange Kilometer später, schon seit längerer Zeit im Regenschutz durch dichten Wald fahrend, starrte ich ungläubig auf ein Schild: „Inicio Pavimento a 100 m“! Ich ging davon aus, dass ich die nächsten Tage vollständig auf Ripio zurücklegen werde.

Nach weiteren Pausen erreichte ich kurz nach 16 Uhr das angestrebte Villa Amengual, wo ich mich gleich in einem Hospedaje einquartierte. Nach einer Dusche wurde mir gleich noch ein Almuerzo serviert, denn seit heute Nachmittag habe ich wieder richtig Hunger. Meine Verdauung ist also auf dem richtigen Weg!

17.01.09, 70 km
Wie gestern radelte ich wiederum kurz vor 9 Uhr los. Dabei hatte ich auch das Wetter auf meiner Seite. Während es am morgen früh noch ziemlich kühl war und ich deshalb wieder die langen Hosen anzog, demontierte ich vor dem Start die langen Hosenbeine, strich meine Arme mit Sonnencrème ein und startete am Oberkörper nur mit dem Thermo-Unterhemd. Als nach wenigen Kilometern der Wind wieder aufkam, hatte ich das Langarmtrikot aber rasch angezogen…

Der Asphalt endete nach knapp 7 Kilometern, kurz nachdem ich die erste Steigung sowie die Abfahrt ins Tal des Río Cisnes hinter mich gebracht hatte. In diesem Tal wird derzeit an der Strasse gearbeitet, und es ist meiner Meinung nach deutlich zu erkennen, dass manche für diesen Job schlichtweg ungeeignet sind! Während einige Abschnitte super präpariert sind, sind an anderen Orten bereits wieder tiefe Löcher oder Rippen in der Fahrbahn, obwohl die Arbeiten kaum abgeschlossen worden sind! Die Löcher gehen dabei fast durch die ganze Schotterauflage von 15-20 Zentimetern! Ein paar hundert Meter musste ich das Rad auch bergauf schieben, da die neue Schotterauflage erst frisch aufgebracht worden ist und noch nicht eingewalzt wurde. Das wäre ja nicht weiter schlimm, wenn nicht die Walze mit 2 Arbeitern untätig vor diesem Abschnitt stehen würde…

Heute war wieder mal richtig Veloverkehr angesagt. Innert weniger Kilometer begegnete ich einem neuseeländischen Paar, einem Aargauer, und einem Deutschen mit einem Schweden im Schlepptau. Später am Portezuelo Quelat rasten mir 2 Franzosen entgegen (ich gehe jedenfalls davon aus, dass es Franzosen sind, da sie mir auf französisch zuriefen, dass es zum Gipfel nicht mehr weit sei…) und dann, oben angekommen, gab es ein Gipfeltreffen mit einem Brasilianer und einem weitern Deutschen.

Apropos Portezuelo Quelat: Dieser hatte es in sich! Von der Abzweigung nach Puerto Cisnes stieg die Strasse innert 7 Kilometer um 450 Höhenmeter an! Da waren einige Verschnaufpausen im Regenwald nötig… Dafür ging es auf der anderen Seite wieder mehr als 10 Kilometer hinunter und anschliessend zumeist flach weiter. Am Portezuelo Quelat ist die Strasse zudem nur einspurig ausgebaut, und es ist deutlich zu sehen, dass der Regenwald diesen Streifen wieder zurückgewinnen möchte…

In der Ebene angekommen ging die Strasse schön einem Fjord entlang – und die Naturstrasse war in einem fantastischen Zustand! Auch diese wurde erst kürzlich erneuert. Dabei wurden wohl auch einige frühere Steigungen weggemeisselt, denn an einem Stück arbeiteten sie noch am Felsen. Ich bog ab zum Hängegletscher Ventisquero Colgante, wo ich die heutige Nacht auf dem Zeltplatz verbringen werde. Leider ist dieser nicht ganz so günstig; Viele Hospedajes sind inklusive Frühstück billiger als hier der Eintritt mit Campsite… Dafür habe ich nochmals einen richtigen Gletscher zu Gesicht bekommen – und das mitten in einem Regenwald notabene!

Schon seit gestern habe ich richtig Hunger, den ich im Hospedaje und auch heute unterwegs nicht richtig stillen konnte. Also haute ich heute zum Abendessen so richtig Ravioli in die Pfanne: Eine Büchse voll inklusive Tomatensauce für 2 Personen – aber die deckte ja kaum den Boden der Pfanne… Also nochmals ins Zelt und eine zweite Büchse hinzugefügt. Es gibt sicher nicht viele Leute, die auf einen Schlag über 1.1 kg Ravioli mit Tomatensauce verdrückt haben! Nach einer Stunde meldete sich der Magen wieder und verlangte ein Dessert…

So 18.01.2009

  • Ventisquero Colgante –
    La Junta
  • 69 km
    davon unasphaltiert: 69 km
  • 823 Hm
  • 6:00 h
  • 4.5 l
  • Hospedaje

Mo 19.01.2009

  • La Junta –
    Villa Santa Lucia
  • 66 km
    davon unasphaltiert: 66 km
  • 979 Hm
  • 5:50 h
  • 7.0 l
  • Zelt

Di 20.01.2009

  • Villa Santa Lucia –
    Puerto Cárdenas
  • 35 km
    davon unasphaltiert: 35 km
  • 549 Hm
  • 3:13 h
  • 5.0 l
  • Zelt

18.01.09, 69 km
Um 6 Uhr wurde ich durch Regen geweckt, der auf das Zelt prasselte. Der hörte zwar bald auf, doch um 7 Uhr regnete es nochmals für 20 Minuten. Und da die Luft auch danach ziemlich feucht war, konnte das Zelt unmöglich trocknen, weshalb ich es nass einpacken musste. Aufgrund der Feuchte startete ich auch wieder im Regenschutz. Es regnete zwar nicht mehr, aber ich hatte so angenehm warm und wechselte erst um 14 Uhr ins Langarmtrikot und zu den langen Radlerhosen – wobei ich auch da eine Stunde später die langen Hosenbeine wieder entfernte.

Erstaunlich war, dass heute praktisch Windstille herrschte. Das war richtig seltsam und ungewohnt…

Überrascht war ich auch, dass auch heute Sonntag an der Strasse gearbeitet wurde. Und ich dachte, die Chilenen sind katholisch… Auf der relativ ebenen Strecke nach Puyuhuapi sah ich deshalb immer wieder ein paar Leute, die irgendwas werkelten oder mit dem Bagger Erde und Steine verschoben. Nach Puyuhuapi hatte ich für 20 Kilometer Ruhe und konnte mich auf die vielen Steigungen konzentrieren. Zuerst ging es lange hinauf, und dann, einem kleinen See entlang, immer wieder in kurzen Wellen. So kam natürlich kein richtig schnelles Tempo auf, denn in den Steigungen bin ich nicht unbedingt der Schnellste, und auf diesem Schotter muss man bei den Abfahrten ungemein aufpassen, da es vielerorts nur eine Fahrspur gibt und man wegen Kurven und Regenwald nur wenige Meter weit sieht. Dann kam die nächste Baustelle, welche sich 30 Kilometer lang bis La Junta hinzog. Diese hatte schon einige Gemeinheiten auf Lager. So war der Untergrund zumeist schrecklich, und es schüttelte mich und das Rad kräftig durch. Zudem waren auch viele Lastwagen unterwegs – und da es abtrocknete, hüllten die mich jedesmal in eine riesige Staubwolke. Ich machte gute Miene zum bösen Spiel, erfreute mich am bessernden Formstand und erreichte bereits um 16.30 Uhr La Junta, wo ich ein Hospedaje aufsuchte. Erst im dritten Laden, welcher unter anderem auch Panadería angeschrieben hatte, bekam ich allerdings auch Brot…

Ob ich morgen die beiden deutschen Wohnmobile wieder sehen werde? Gestern Abend haben sie mich kurz vor dem Ventisquero Colgante zum ersten Mal überholt, heute von morgen früh bis kurz vor La Junta nicht weniger als 3 Mal! Einer der beiden hat ein Top-Rating auf dem Nummernschild, der andere eine Behördenstelle: AAA und AMT…

19.01.09, 66 km
Da ich wieder mal in einem fensterlosen Raum schlief, habe ich ein paar Minuten länger im Bett gelegen als gedacht. Aber so nach 10 Stunden Schlaf hat man rasch gepackt, gefrühstückt und ist bereit für die nächste Tagesetappe! Zudem zeigte sich heute das Wetter wieder von seiner besten Seite: blauer Himmel, angenehm warme Temperaturen, und falls der Wind ein wenig ging, kam dieser sogar aus dem Süden! Von der Wärme war ich so überrascht, dass ich das Kurzarmhemd gar nicht griffbereit hatte, dieses aber trotzdem nicht in den Packtaschen suchen wollte. Deshalb fuhr ich heute im Thermo-Unterhemd und habe mich so als Kiwi getarnt: All Black!

Die Strasse war heute die ersten 30 Kilometer wieder in einem besseren Zustand als gestern und sehr gut fahrbar. Entlang des Flusses ging es bergauf, immer wieder mit kurzen, steilen Steigungen und ebensolchen Abfahrten. So wurde ich beim Erreichen von Tour-Kilometer 8‘000 mit genau so einer Steigung „belohnt“… Entgegen meinem Handbuch wurde die Strasse danach nicht besser, sondern oberübel! Die Strasse ist mit tiefen Löchern durchsetzt und hat manchmal auch gemeine Rippen drin. Kurzum: Schüttelbecher pur!

Gleich nach meiner Mittagspause habe ich 10 Kilometer mit 3 Argentiniern zurückgelegt. Diese sind auf einer zweiwöchigen Rundfahrt und haben nun die Hälfte zurückgelegt. Da sie am morgen später starteten (kurz vor ihren ersten Tagesmetern habe ich sie überholt; da hatte ich schon 18 Kilometern in den Beinen), haben sie auch später die Mittagspause eingelegt. Deshalb fuhr ich wieder alleine weiter und traf später am Nachmittag Gabriel, der mir von Puerto Montt her entgegenkam und nach Ushuaia fahren wird. Er wuchs in Dornach auf und lebt jetzt nur eine Handvoll Kilometer entfernt von mir (falls ich mal wieder zu Hause bin…).

Kurz vor Villa Santa Lucia habe ich ein Camping-Schild gesehen und bog entsprechend ab. Als Einrichtung gibt es einzig ein paar Sitzbänke, Personen habe ich noch keine gesehen. So habe ich mein Zelt direkt am Ufer vom Río Frío aufgeschlagen und werde heute Nacht sicher nicht durch Hundegebell oder Hahnenkrähen geweckt!

20.01.09, 35 km
Die Fähre von Chaitén nach Hornopirén fährt erst am Freitag zum nächsten Mal, weshalb ich die verbleibenden 80 Kilometer bis dorthin in 3 Tage aufteilen werde und nicht so viele Tageskilometer zurücklege. Deshalb passte es heute gerade gut, dass das Zelt am Morgen vom Tau nass war und nicht trocknete – kein Wind, keine Sonne. Es war aber wie gestern warm und praktisch wolkenlos, weshalb ich mich noch ums Velo kümmerte, bevor ich um 10.45 Uhr losfuhr. Einerseits habe ich die Kette wieder vom Schmutz befreit und neu eingeölt, andererseits habe ich die beiden unteren Halteschrauben vom Gepäcksträger durch die beiden längeren Reserveschrauben ersetzt und auf der anderen Seite noch mit Muttern angezogen. Ich glaube, nun muss ich nicht mehr tagsüber die Satteltaschen entfernen und die Schrauben nachziehen!

Nachdem die Sonne über den Berg kam, trocknete auch Zelt und Schlafsack, und ich machte mich auf die letzten 3 Kilometer bis Villa Santa Lucía. Der Campingplatz hat übrigens 2‘000 Pesos gekostet; gestern Abend kam noch die Doña vorbei zum einkassieren.

Ab Villa Santa Lucía ging es 350 Höhenmeter hinauf zur Cuesta Moraga auf 650 m ü. M. Wie immer bei solchen Anstiegen hatte ich dabei meinen Velocomputer von Kilometerangabe auf Höhenanzeige umgestellt, so dass ich die verbleibende Höhe abzählen konnte. Dank der nun wieder deutlich besseren Strasse hatte ich diese 8 Kilometer lange Steigung auch mal bewältigt, und ich durfte wieder auf der anderen Seite hinunterfahren zum Lago Yelcho.

Wiederum gab es viel Veloverkehr mit jeweils 2 Italienern, Deutschen und Chilenen. Unter der Brücke bei Puerto Cárdenas war nochmals eine Gruppe chilenischer Radler anzutreffen, die gleich danach ihr Tagespensum in Angriff nahmen. Ich schlug unter dieser Brücke, welche die längste auf der Carretera Austral ist, mein Zelt auf und werde die Nacht noch mit zwei weiteren chilenischen Radfahrer verbringen.

Ich putzte und ölte nochmals das Velo und reparierte 2 der Satteltaschen, wo jeweils ein Zurrband abgerissen war – und wurde dabei ständig von riesigen Bremsen umschwärmt, die mich seit gestern zum fressen (oder stechen) gern haben… Ich glaube, alleine heute habe ich ein halbes Kilogramm dieser Dinger erlegt! Das prächtig schöne Wetter hat halt nicht nur Vorteile…

Mi 21.01.2009

  • Puerto Cárdenas –
    Termas El Amarillo
  • 27 km
    davon unasphaltiert: 22 km
  • 407 Hm
  • 2:18 h
  • 3.0 l
  • Zelt

Do 22.01.2009

  • Termas El Amarillo –
    Chaitén
  • 30 km
    davon unasphaltiert: 4 km
  • 68 Hm
  • 1:45 h
  • 2.0 l
  • Hospedaje

Fr 23.01.2009

  • Chaitén –
    Hornopirén
  • 3 km
    davon unasphaltiert: 1 km
  • 48 Hm
  • 0:18 h
  • 1.5 l
  • Hostería

21.01.09, 27 km
Heute steuerte ich die wenige Kilometer entfernten Termas El Amarillo an. Die ersten 16 Kilometer ging es auf Ripio zuerst in Wellen bergauf, danach eben weiter. Dabei konnte ich schon den 3. schönen Tag in Folge geniessen und hatte dabei natürlich beste Aussichten auf die Berge und Vulkane. Dann setzte für 5 Kilometer Asphalt ein, wobei es auf diesem rauen Belag fast schlechter rollte auf der Naturstrasse zuvor…

Bei km 21 erreichte ich eine Strassenkontrolle, wo ich mein Ziel angeben musste. Mit meinen Angaben war der Beamte zufrieden, und ich bog gleich danach rechts ab auf die Naturstrasse – links geht es morgen nach Chaitén. Nun waren noch ein paar happige Höhenmeter zu bewältigen, doch die Termas erreichte ich bald. Ich fuhr gleich daran vorbei, denn die Strasse geht noch weiter, und so habe ich ein paar hundert Meter weiter an einem schönen Platz am Bächlein zu Mittag gegessen und mich ein bisschen hingelegt.

Doch warum soll ich hier an der Sonne liegen, wenn wenig entfernt die Thermen locken? Ich rollte also zurück, bezahlte den Eintritt von 3‘000 Pesos – und war überrascht, wie heiss das Wasser ist. Das hat sicher weit über 30 Grad, obwohl ein dicker Schlauch kaltes Wasser ins Becken pumpt! Ich verbrachte den ganzen Nachmittag im und am Becken, denn allzu lange konnte ich nie im Wasser bleiben. Und bei jedem Badegang schmerzten dafür meine Oberarme. Der Sonnenbrand lässt grüssen…

Auf dem Areal kann man auch campen, was ich auch gemacht habe. Für die Zelte wurden extra Hütten gestellt, damit diese nicht im Regen stehen. Dies wird heute Nacht hoffentlich nicht notwendig sein, doch ich habe meines trotzdem reingestellt. So konnte ich noch ein wenig basteln, denn mit Heringen setzten in der Hütte ist nichts, und mein Zelt ist etwas länger als die Hütte. Schlussendlich habe ich aber eine gute Lösung gefunden.

22.01.09, 30 km
Am Morgen konnte ich gleich feststellen, dass sich das Basteln mit dem Zeltaufbau gelohnt hat. Es hat wieder ein Mega-Tau letzte Nacht gegeben, und der Teil der Apsis, welcher unter dem Hüttendach keinen Platz mehr gehabt hat, war entsprechend nass. So musste aber nur diese kleine Ecke trocknen, bis ich losfuhr.

Zuerst ging es wieder die 200 Höhenmeter hinunter auf die Asphaltstrasse, dann auf der Ebene nach Chaitén. Da war ich gespannt, wie dieser Ort aussieht, denn Lavaasche liegt schon seit gestern am Strassenrand. Das war aber nichts im Vergleich zu dem, wie die Verhältnisse in Chaitén sind: Nach dem Vulkanausbruch letzten Mai haben Regenfälle den Ort überschwemmt und alles mit einer dicken Schicht Schlamm und Asche belegt. Damals wurde der Ort evakuiert, und die Leute kommen nun langsam zurück und sind daran, die Sachen wieder instand zu stellen. Offen hat ein Supermarkt, wo ich eingekauft habe, das Büro von Naviera Austral, wo ich ein Ticket für die morgige Fährpassage erworben habe, und das Hospedaje Don Bosco, wo ich mich einquartierte.

Nachmittags wurde das Wetter besser, nachdem es am morgen bewölkt war. Ich blieb aber im Don Bosco, denn Katastrophentourismus ist nicht mein Ding. Um 16 Uhr wurde noch ein Generator eingeschaltet, so dass das Gebäude mit Strom versorgt wurde und ich die Batterien meiner Geräte aufladen konnte.

Morgen sollte ich auf der Fähre noch zwei andere Schweizer mir Fahrrad antreffen. Die haben sich vor mir auf der Passagierliste eingetragen. Das Schiff wird sicher nicht so gross sein, dass wir uns verfehlen können…

23.01.09, 3 km
Die beiden Schweizer habe ich gestern schon im Hospedaje getroffen, sind aber mit einem Auto unterwegs und nicht per Fahrrad.

Als ich heute morgen zum Fährhafen fahren wollte, bekam ich einen Riesenschreck: Es fehlte ein ordentliches Stück Strasse, wo sie gerade am baggern sind! Ich fuhr einen Block weg vom Wasser und versuchte es auf der nächsten Strasse, die tatsächlich um einen kleinen Hügel herum von hinten zur Anlegestelle führte. Die Verhältnisse auf der Fähre waren auf der 7stündigen Fahrt ziemlich überschaubar: 9 Autos und 1 Fahrrad…

Hornopirén, 23.01.2009
Gesamtkilometer: 8137


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