Heute Morgen nahm ich also den Zug nach Airolo. Schliesslich soll es am Sonntag auf der Alpensüdseite regnen, also sollte ich dann da schon weg sein…
Die Strecke kannte ich grösstenteils schon, bin ich doch schon letzten Herbst von Airolo nach Tenero gefahren. Und genau das war heute auch mein Ziel, als ich mich nach 3 Stunden im Zug um 11 Uhr aufs Rad setzte. Als ich Bellinzona aber bereits um 15 Uhr erreicht hatte, kamen plötzlich neue Gedanken auf. Warum nicht Tenero links (bzw. rechts…) liegen lassen und über den Monte Ceneri nach Agno fahren?
Aber eben. Das sind zwar nur ein paar wenige Kilometer mehr. Aber was für welche… Nach dem Debakel im Erzgebirge hatte ich schon ein flaues Gefühl im Magen, wenn ich an den Monte Ceneri dachte. Aber was solls: Sollte ich nicht hochkommen, kann ich ja immer noch nach Tenero rollen…
So rollte ich an den Fuss vom Monte Ceneri, und bald kam auch die Hinweistafel für die Radfahrer ins Blickfeld: 340 m Steigung auf den nächsten 6 Kilometern. Der Einstieg war ziemlich steil, weil der Radweg eine Abkürzung nimmt. Aber dann gings bald auf der Hauptstrasse weiter, wo ich rasch den Tritt fand. Hey, ich kann ja doch noch bergauf fahren! Natürlich pochte der Puls höher als normal. Und natürlich hing das Shirt bald wie ein nasser Sack an mir, weil ich schwitzte wie ein Eisbär in der Sahara. Aber das ist ja schliesslich auch der Monte Ceneri!!! Es machte richtig Spass, hochzufahren, und das Gefühl auf der Passhöhe war unbeschreiblich. Jaaaaaa, geschafft! Und das erst noch in neuer persönlicher Bestzeit (OK, es war meine erste Überquerung vom Monte Ceneri…).
Auch auf der anderen Seite runter folgte ich dem Radweg, und einmal versagte dann auch meine Intuition, bei Weggabelungen ohne Schild den richtigen Weg zu wählen. Aber schliesslich war das auch gemein. Da kam ich auf einem geteerten Strässchen gefahren, und geradeaus weiter folgte ein schmaler Feldweg (Tor 1). Da war ein gelbes Schild auf italienisch angebracht, wo ich soviel verstand wie „Betreten auf eigene Gefahr“. Das kanns ja kaum sein. Also über die kurze Brücke auf die andere Seite vom Bach – und da standen wieder 2 Wege zur Auswahl. Ich wählte dann jenen ganz links (Tor 3) entlang der Autobahn, doch nach 500 Metern endete dieser auf einem Privatgrundstück. Also zurück und ab durch Tor 2. wo dann nach 1.5 Kilometern Endstation war. Also nochmals zurück – aber ist denn Tor 1 auch wirklich kein Zonk? Oder muss ich dann nochmals ca. 5 Kilometer zurück, wo ich letztmals eine Möglichkeit zum Abzweigen hatte? Nun, es kamen mir dann 2 Velofahrer entgegen, die nicht versuchten, mich aufzuhalten oder verschmitzt lächelten, weil ich auch in die Sackgasse fuhr. Und als ich dann schlussendlich weit vorne ein Auto stehen sah, wusste ich, dass ich da vorwärts wieder rauskomme! Schlussendlich doch noch Glück gehabt…


















