Fr 07.11.2008 | Puerto San Julián – Río Gallegos

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So 02.11.2008

  • Puerto San Julián –
    Puerto San Julián
  • 0 km
  • 0 Hm
  • 0:00 h
  • 0.00 l
  • Hotel

Mo 03.11.2008

  • Puerto San Julián –
    Ruta 3 km 2328
  • 96 km
  • 1’706 Hm
  • 8:07 h
  • 5.00 l
  • Zelt

Di 04.11.2008

  • Ruta 3 km 2328 –
    Commandante Luis Piedrabuena
  • 33 km
  • 613 Hm
  • 3:07 h
  • 4.00 l
  • Hospedaje

02.11.08, 0 km
Gestern Abend sah ich im Internet, dass für heute immer noch starke Winde aus Süden angesagt sind, weshalb ich noch einen Tag bleibe. Nach dem Frühstück wechselte ich das Zimmer (von Doppelbett- zu Zweibett-Zimmer), und nach dem nervenaufreibenden Formel 1-Rennen spazierte ich nochmals durch den Ort und bewunderte die farbigen Häuser. Dies ist der bisher bunteste Ort auf meiner Tour!

03.11.08, 96 km
Obwohl gestern Abend der Wetterbericht nur noch Wind aus Westen voraussagte (24 Stunden vorher wurde Nordwesten versprochen), wagte ich mich wieder auf die Strasse. Dabei war es wieder deutlich wärmer als am Samstag, womit ich die Ärmel bereits bei der Ortsausfahrt zurück krempeln konnte. Der Wind hat an Stärke aber nicht nachgelassen. Vormittags wehte er mit Stärke 6-7, nachmittags mit Stärke 8. Zudem waren die ersten 30 Kilometer auch wieder ziemlich hügelig, was zusätzliche Kraft kostete. Glücklicherweise war es danach überwiegend flach – dennoch war rasch klar, dass ich das etwas mehr als 120 km entfernte Piedra Buena kaum werde erreichen können. Deshalb peilte ich km 94 an, damit ich morgen bei noch weniger günstigen Windbedingungen nur noch 30 km zu bewältigen habe.

Für das zähe ringen mit dem Wind wurde ich durch die fantastische Landschaft aber mehr als entschädigt! Obwohl ich viel zu müde war, habe ich deshalb doch einige Male angehalten und Fotos geschossen.

Kurz vor dem angestrebten Kilometer 94 überquerte ich den Río Chico und die Strasse machte eine grosse Kurve und folgte anschliessend einer Bergflanke – und ich hatte plötzlich Rückenwind! Ich konnte sehen, dass die Flanke 15-20 km lang ist – da rückt Piedra Buena doch noch in Reichweite! Schon bald kam aber ein Einschnitt, wo sich die Strasse hinaufzwängt. Genau in dieser Kurve stellte ich neben der etwas erhöhten Strasse und dadurch ein bisschen windgeschützt das Zelt auf, wobei der Wind immer noch heftig am Zelt zerrt…

04.11.08, 33 km
Heute war ich ungemein froh, dass ich mich gestern so weit durchgebissen hatte. Nach den 4 Kilometer Aufstieg erwartete mich auf der folgenden Ebene der Wind mit derselben Stärke wie gestern Nachmittag. Und nachmittags weht er ja in der Regel stärker als am Morgen…

Immerhin hatte ich zwei Hoffnungsschimmer am Horizont: Einerseits sind es nur noch 30 km bis Comandante Luis Piedrabuena, und andererseits müsste auch die Abfahrt 4 km lang sein. Es dauerte aber lange, bis ich diese Abfahrt erreichte, doch der Blick auf diesen Ort am türkisfarbenen Río Santa Cruz war gewaltig! Auch auf der Abfahrt ging es nur die ersten paar Meter ein bisschen flotter voran, rasch wurde ich aber wieder vom Wind ausgebremst. Dabei musste ich auch die ganze Länge an Piedra Buena vorbeifahren, ehe die Strasse nach einer 90 Grad-Kurve hinter dem Ort vorbeiführt. Das bescherte mir dafür durch die Baustellen in der Dorfeinfahrt Rückenwind…

Auf wunderground.com sah ich, dass morgen noch stärkerer Südwind als heute herrschen soll, ab Donnerstag aber für mindestens 3 Tage Rückenwind angesagt ist – also bleibe ich noch einen Tag hier.

Mi 05.11.2008

  • Commandante Luis Piedrabuena –
    Commandante Luis Piedrabuena
  • 0 km
  • 0 Hm
  • 0:00 h
  • 0.00 l
  • Hospedaje

Do 06.11.2008

  • Commandante Luis Piedrabuena –
    Coy Aike
  • 155 km
  • 837 Hm
  • 6:20 h
  • 3.50 l
  • Zelt

Fr 07.11.2008

  • Coy Aike –
    Río Gallegos
  • 85 km
  • 602 Hm
  • 4:34 h
  • 3.50 l
  • Hotel

05.11.08, 0 km
Heute war also infolge dem heftigen Südwind nochmals ein Ruhetag angesagt. Ab morgen soll mich der Wind aber nach Süden schieben – hoffentlich bis Ushuaia!

Sorgen bereitet mir aber immer mehr das Hinterrad. Auf der linken Seite, wo ja schon ein Stück an der Nabe abgebrochen ist und deshalb 2 Speichen fehlen, entdeckte ich Risse bei weiteren Speichen. Ab morgen verstaue ich den Wassersack mal in der linken Seitentasche – vielleicht ist dieses einseitige Gewicht eine Ursache dieses Problems. Mal sehen, wie sich das weiterentwickelt…

06.11.08, 155 km
Velofahren mit Rückenwind ist einfach fantastisch!!!

Schon gestern Abend verstaute ich alle kurzen Bekleidungsstücke in der Packtasche und kramte auch die langen Radlerhose wieder hervor, da mit dem Windwechsel auch kühlere Temperaturen vorausgesagt wurden. Deshalb fuhr ich heute auch erstmals mit Handschuhen, welche ich auch die meiste Zeit benötigte… Dafür hate der Wind wirklich gedreht, so dass er mich schräg von links hinten unterstützte, als ich das Tal des Río Santa Cruz verliess.

Auf der danach ganz sanft ansteigenden Strasse hatte ich für kurze Zeit ein „Wettrennen“ mit Strassenarbeitern, die dann und wann mit ihrem Pickup anhielten und auf der Strasse herumklopften. Obwohl die Strasse später steiler anstieg, konnte ich sie abschütteln…

Auf der folgenden Hochebene waren zweimal Guanaco-Herden direkt an der Strasse, so dass wir uns gegenseitig beäugen konnten – eine Kamera hatte aber nur ich dabei…

Nach 45 km kam eine grosse Linkskurve, und ich war nun voll im Rückenwind. Entsprechend erhöhte sich das Tempo von bereits beachtlichen 25 km/h auf 35-40 km/h! Mehr als 70 km flog so die Landschaft an mir vorbei, und ich hoffte bereits, die 240 km bis Río Gallegos heute bewältigen zu können – doch vergeblich. Die Naturgewalten zeigten mir unzweideutig auf, wer hier Herr und Meister ist – und wie rasch das Wetter ändern kann!

Die Strasse führte durch ein kleines Tal, und danach kam der Wind zunehmend von der Seite. Die Geschwindigkeit lang zwar immer noch bei über 20 km/h, doch werde ich heute definitiv im Zelt übernachten – und dieses stellte ich viel früher auf als erwartet. Während um 13.00 Uhr noch kein Wölkchen den Himmel trübte, zogen immer dunklere Wolken auf, welche mir überhaupt nicht gefielen. Um 15.15 Uhr hatte ich das Zelt fertig aufgestellt – und das keine Minute zu früh: schnell alle Packtaschen in die Apsis geworfen, Reissverschluss zu – und schon prasselte der erste Regenguss übers Zelt! Etwas mehr als eine Stunde regnete es – zwar nicht fest, aber es reicht, wenn die vom Schweiss durchnässten Kleider kaum trocken werden… So vertrieb ich die Zeit wieder mal mit Lesen, Sudoku – und einer Diashow der mittlerweile 1600 Fotos.

07.11.08, 85 km
Nach dem gestrigen Regen war es praktisch windstill, und so waren die ersten 20 km rasch zurückgelegt. Dabei begegnete mir Schwerverkehr der besonderen Art, als mir ein Konvoi mit M-113 entgegenkam.

Der Wind erwachte auch, wobei er heute aus Westen wehte. Das waren zwar gute Nachrichten für die letzten 30 km, wo es geradeaus nach Osten gehen wird, doch bis dahin sind es noch 35 Kilometer… Zu Beginn gab es zudem viele Böen, womit ich wieder mal die ganze Fahrbahnhälfte brauchte. Als diese Phase vorüber war, konnte ich mich wenigstens immer etwa im gleichen Winkel gegen den Wind lehnen… Aber warum kam der Regen gestern nicht etwas später? Oder warum habe ich mich heute morgen eine halbe Stunde im Schlafsack gewälzt, bis ich die Augen öffnete? All das nützte nichts, jetzt musste ich durch den Wind!

Action gab es wieder um Güer Aike herum. Zuerst gab es eine Abfahrt, wobei die ersten Meter sogar in Rückenwind-Richtung lagen. Wie so oft folgte wieder eine Kurve in den Gegenwind – und die Geschwindigkeit sank im Nu von 60 km/h auf 10 km/h – bei gleicher Neigung notabene. Damit aber nicht genug: Urplötzlich zog eine schwarze Wolke über mich hinweg, und ich befand mich in einem Regen- und Hagelschauer. Als ich einen Kilometer später endlich den Talgrund erreichte und nach Osten abbiegen konnte, war dieser Spuk glücklicherweise vorüber. Dafür war in Güer Aike wieder mal eine Polizeikontrolle, wo ich zum ersten Mal seit Clorinda wieder mal den Pass zeigen musste. Ich hoffe, dass da morgen zwei Stempel mehr drin sein werden…

Die Strasse nach Río Gallegos wird gerade komplett erneuert, weshalb ich für etwa 2 Kilometer nicht den Rückenwind geniessen konnte, sondern über eine üble Schotterpiste rattern musste. Ganz links aussen fand ich da eine Spur, wo die Räder wenigstens überwiegend Bodenkontakt hatten…

In Río Gallegos war ich froh, einen Reiseführer dabei zu haben – das Zentrum hätte ich sonst kaum gefunden. Dafür habe ich hier zum ersten Mal seit Caleta Olivia wieder Handy-Empfang – dazwischen war ich mehr als eine Woche im Funkloch!

Nach dem üblichen Wäsche waschen gings ins Internet. Dort konnte ich erfreulicherweise feststellen, dass die in San Julián eingefädelte Kreuzfahrt ab Ushuaia klappt. So werde ich am 26. November ablegen und nach der Umrundung von Kap Horn drei Tage später in Punta Arena sein. Zudem hat sich nach meinem Mail aus Piedra Buena Rohloff gemeldet und bietet mir eine Ersatznabe an. Deshalb startete ich gleich die Unterkunfts-Reservation in Ushuaia, damit ich da eine Adresse habe…

Río Gallegos, 07.11.2008
Gesamtkilometer: 5627


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