Dass ich im November eine Tagesleistung von 100 km erfahre, hätte ich aufgrund der kürzer werdenden Tageslichtphasen und des anspruchsvollen Streckenprofils nicht für möglich gehalten – heute ist es mir trotzdem gelungen!
Nach einem leckeren und umfangreichen Frühstück – ich habe gestern Abend auf dem Bestellzettel fast alles angekreuzt… – stieg ich kurz nach 08.30 Uhr wieder aufs Rad, weiterhin bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen im Kurzarmhemd ohne Thermohemd. Der Wind hat heute etwas aufgedreht und wehte vom Landesinneren zum Meer – zum Glück meistens aus leicht nördlicher Richtung, so dass ich ihn nicht allzu oft im Gesicht hatte.
Nachdem ich Praia a Mare hinter mir gelassen hatte, musste ich zurück auf die Hauptstrasse – und diese befand sich 140 Meter weiter oben… Um die Höhendifferenz zu überwinden, durchfuhr ich auch zwei Haarnadelkurven – meine Beine waren aber noch nicht auf Betriebstemperatur und ich fuhr in den kleinsten Gängen hoch. Immerhin: der höchste Punkt und der längste Anstieg konnten auf der heutigen To Do-Liste bereits abgehakt werden…
Auf der Hauptstrasse war deutlich mehr Verkehr und es gab ein ständiges Auf und Ab. Meistens konnte ich dabei den Seitenstreifen nutzen, an einigen Stellen musste ich jedoch auch Pflanzen ausweichen, die in die Strasse hineinragen.
Vor Cittadella del Capo musste ich die Hauptstrasse verlassen und ins Dorf hinunterfahren; ein Fahrverbotsschild für Fahrräder hinderte mich an einer Weiterfahrt auf der Hauptstrasse – und damit auch vor einer Tunnelfahrt. Am Ende des Ortes waren es diesmal sogar vier Haarnadelkurven, um wieder zur Hauptstrasse hinaufzukommen. Dadurch war die Steigung auch etwas flacher als bei Praia a Mare, und die Beine vermochten auch ein paar Watt mehr zu drücken als noch am Morgen!
Kurz darauf hätte ich wohl wieder von der Hauptstrasse runterfahren sollen, mangels Fahrverbotsschild habe ich das aber nicht realisiert. Nebst ein paar kürzeren Galerien fuhr ich deshalb auch durch zwei Tunnels mit einer Länge von jeweils mehr als einem Kilometer. Zum Glück ging es leicht bergab, so dass ich mit hohem Tempo durch die Röhren schoss! Immerhin war der Verkehr zu diesem Zeitpunkt sehr dünn.
Nach etwas mehr als 70 Kilometern war Paola eigentlich mein Tagesziel, an dessen Strand legte ich aber um 12.45 Uhr erst die Mittagspause ein – am Morgen konnte ich so viel essen, dass die Energie bis hierher reichte! Ich prüfte die Übernachtungsoptionen auf den nächsten Kilometern und entschied mich für ein B&B in Amantea, 27 Kilometer und 170 Höhenmeter entfernt. Die meisten dieser Höhenmeter lagen am Stadtende auch schon wieder mir, hier ging die Strasse aber steil und kerzengerade den Berg hoch!
Mit dem leichten Rückenwind hatte ich unter Berücksichtigung der Kletterpartien eine schon fast unanständig hohe Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 20 km/h und erreichte meinen Zielort bereits gegen 14.30 Uhr. Ich schlenderte zunächst noch durch den Conad, erwarb aber nur einen Milchdrink. Direkt neben der Unterkunft gibt es noch einen Lidl, da ging ich nach dem Einchecken hin.
Aber eben, die 100 km-Marke… Wäre ich vom Conad direkt zur Unterkunft gefahren, hätte es „nur“ knapp 99 km gegeben. Ich fuhr daher daran vorbei zur Küste und fuhr die praktisch menschenleere Strandpromenade von Amantea rauf und runter und genoss die bereits schwächer werdenden Sonnenstrahlen. Danach ging es zurück und ich startete den Check in-Prozess. Hier habe ich wieder ein schönes Zimmer mit grossem Balkon erwischt, der Tagesbericht wird daher wieder draussen geschrieben!
Für morgen habe ich die Unterkunft auch schon gebucht, und das gleich für zwei Nächte. Morgen Abend soll es wieder zu regnen beginnen, der erst am späteren Samstagnachmittag aufhören soll.
