Frühstück gab es erst ab 08.00 Uhr, deshalb hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits das Fahrrad beladen – im Zimmer, denn ich kann es ja wieder rausschieben! Dabei habe ich erstmals eine meiner drei PET-Trinkflaschen ausgetauscht, die ich im September von zu Hause mitgenommen habe. Die anderen beiden Flaschen werde ich in den kommenden Tagen austauschen, denn es zeigen sich deutliche Ablagerungen an der Innenseite der Flaschen. Die ersten drei Monate von Juni bis September fuhr ich täglich mit den gleichen Flaschen, hielten also länger durch. Der Sirup löste sich offenbar besser auf als der Eistee, den ich in Italien zubereite. Immerhin: In Italien sind die PET-Flaschen noch stabil und nicht so dünn wie in den zuvor bereisten Ländern.
In Palinuro wird der Verkehr im Einbahnverkehr geführt, und der Weg zurück zum Kreisel beim Dorfeingang ist deutlich beschwerlicher als der Hinweg: bei diesem steilen Anstieg war mein Hemd gleich wieder schweissnass, und auf der Abfahrt waren wieder die Bremsen gefordert. Nach dem Kreisel ging es weiter bergab, und bald stand ich vor einer Entscheidung: Entweder geradeaus nach Marina di Camerota und danach über das Küstengebirge, um später nach Sapri zu gelangen, oder links abbiegen, ebenfalls einen Berg hoch und vor Sapri auf die andere Route einbiegen. Die erste Route entspricht der EuroVelo 7 und dem Vorschlag von outdooractive, die zweite erfordert ein paar Hundert Höhenmeter weiter und wird von OrganicMaps favorisiert.
An der Kreuzung entschied ich mich spontan, links abzubiegen – vor allem auch, weil geradeaus wieder einmal ein Fahrverbotsschild ab einem bestimmten Kilometer angekündigt wurde. Gestern hatte ich damit Glück, und das wollte ich heute nicht weiter strapazieren… Von meiner Streckenwahl war ich jedoch begeistert: Zunächst ging es durch die beeindruckende Mingardo-Schlucht, anschliessend ging es gleichmässig und nicht allzu steil bergauf – ich glaube, die beiden kleinsten Gänge musste ich nie auflegen! Zudem hatte es kaum Verkehr, so dass ich die Strasse meist für mich alleine hatte.
Nachdem ich mich auf der Höhe von Roccagloriosa in die Abfahrt stürzen konnte, hatte ich einmal Gegenverkehr der anderen Art: Eine Kuhherde wurde bergauf getrieben.
In Sapri legte ich auf einer Parkbank die Mittagspause ein, und plötzlich wurde ich auf Schweizerdeutsch angesprochen! Ein Italiener, der 46 Jahre in Zofingen und Aarau lebte, zog letztes Jahr nach der Pensionierung hierher und geniesst den Ruhestand in einer anderen Klimazone als jene im Mittelland. Er unternimmt auch Radtouren, allerdings mit einem E-Bike.
Als ich in Praia a Mare einkaufen war, wurde ich nochmals deutsch angesprochen. Diesmal war es ein Wiener, der mit seinem Moped in Sizilien und auf Tunesien unterwegs war. Nun hat er die Heimreise angetreten, denn am Montag wird er wieder bei der Arbeit erwartet…
Bevor ich in Praia a Mare ankam, waren ab Sapri noch etwa 30 Kilometer zurückzulegen – aber auch über 500 Höhenmeter! Die verkehrsarme Strasse folgt zwar dem Küstenverlauf, aber es ist nie eben. Zuerst ging es längere Zeit bergauf, später waren die Anstiege und Abfahrten nicht mehr so lange. Dafür gab es einige Baustellen, die mit Lichtsignalen geregelt wurden. In den Bergauf-Passagen hatte ich jedoch keine Chance, das andere Ende in einer einzigen Grünphase zu erreichen…
In Praia a Mare nächtige ich an der Hauptstrasse (im Einbahnverkehr Richtung Norden) über einer Pizzeria. Dort werde ich um 19.00 Uhr mein Abendessen einnehmen. Und wie gestern schrieb ich den Tagesbericht auf dem Balkon – gestern hatte ich jedoch nur eine Aussicht auf den Hinterhof, heute auf die Strasse.
