Nachdem ich Fahrrad und Gepäck wieder durch die Drehtür geschleust hatte, nahm ich gemächlich wieder Fahrt auf. Doch ich hatte Växjö noch nicht verlassen, musste ich einen Halt einlegen – das Vorderrad schwamm infolge wenig Luftdruck im Reifen. Hat sich da ein Spassvogel des nachts am Rad zu schaffen gemacht und Luft abgelassen? Jedenfalls die nächste Tankstelle angesteuert und den Reifen wieder ordentlich aufgepumpt. So konnte ich dann ordentlich weiterrollen – bis nach etwa 30 Kilometern, kurz nach Jät, der Vorderradreifen plötzlich wieder platt war. Da blieb mir nichts anderes übrig als das Vorderrad auszubauen und den Schaden zu beheben.
Die Ursache für den Platten hatte ich dann rasch gefunden. Ein etwa 1 cm langer, dünner Metallstift hatte sich auf der Lauffläche durch den Mantel gebohrt. So etwas hatte ich noch nie gesehen, denn ich beurteile es als fast unmöglich, dass so etwas rechtwinklig eindringen kann! Ich kann mir nur vorstellen, dass dies am Morgen auf dem Kopfsteinpflasterabschnitt in Växjö passiert ist, indem der Metallstift in den Ritzen zwischen den Pflastersteinen gesteckt haben muss und ich darüberfuhr.
Ich war noch nicht fertig mit reparieren, begann es wieder einmal zu regnen. Rasch packte ich meine Sachen zusammen und fuhr weiter. Zum Glück regnete es nur kurz, so dass ich keinen Unterstand suchen musste – doch dies war nur ein Vorbote auf das, was noch kommen sollte! Nachdem ich die letzten Kilometer schon den Ufern des Åsnen entlanggefahren bin, aber infolge der zu weiten Distanz den See nicht sehen konnte, wollte ich wieder nordwärts fahren, wo eine Strasse praktisch über den See führt. Von Norden und Süden ragen schmale Landzungen weit in den See hinein, so dass nur eine kleine Brücke dazwischen notwendig ist.
Ich bog also ab – und keine 100 Meter weiter suchte ich fluchtartig Unterschlupf im Wald. Der Himmel öffnete die Schleusen, und unter Donnergrollen prasselten die Tropfen nieder. Neben der Feuchtigkeit kam dann auch noch Kühle hinzu, was die Situation nicht gerade gemütlicher machte. Und wenn der Regen nur leicht nachliess, tauchten auch schon die blutgierigen Mücken wieder auf. Jedes Mal, wenn ein Gewitter Richtung Osten weitergezogen ist, kündete sich das nächste von Westen her bereits wieder an. Nach zweieinhalb Stunden Warten hatte ich die Schnauze voll, brach meine geplante Route ab und fuhr im Regen wieder Richtung Süden. In Urshoft, der nächsten Ortschaft, konnte ich keine Unterkunftsmöglichkeit entdecken, so dass ich meine Fahrt Richtung Ryd fortsetzte.
Dort sah ich dann gleich beim Dorfeingang eine Tankstelle mit Restaurant, welches auch noch mit „Motel“ angeschrieben war. Also versuchte ich mein Glück – und musste feststellen, dass doch nicht alle Schweden englisch sprechen können. Mit Händen und Füssen verständigten wir uns dann, und ich bekam tatsächlich ein Zimmer. Allerdings vermieten sie wohl nicht allzu oft ihre Zimmer, denn ich musste zuerst noch eine halbe Stunde warten, bis die Räumlichkeiten hergerichtet waren.
Als erstes stellte ich mich dann unter die abenteuerliche Dusche. Nicht, weil ich heute noch nicht genug Wasser abbekommen hätte, sondern um mich wieder aufzuwärmen. Anschliessend beobachtete ich aus dem Trockenen die ständig wechselnden Lichtverhältnisse, die sich durch abwechselnde Regenschauer und Sonnenschein ergaben. Daneben machte ich mich noch an die Routenplanung für die verbleibenden Tage. Am Freitagabend werde ich in Kopenhagen sein müssen, und die Wetterprognose berichtet von einer Regenfront, die am Freitag von Dänemark her über Südschweden hereinkommt. Deshalb werde ich einen Abstecher an Schwedens Ostküste auslassen und bereits am Donnerstag Malmö anpeilen.


















