Frühstück gab es ab 07.00 Uhr – aber vermutlich hätte ich auch früher essen können, denn es war Selbstbedienung. Daher gönnte ich mir auch zwei Tassen Milch mit Zucker…
Im Gegensatz zu gestern war heute schon lange klar, dass ich lediglich das Kurzarmhemd (ohne Unterhemd) anziehen werde – es geht nämlich gleich bergauf. Das Hotel ist zwar am Kraterrand, aber in Richtung Süden hat sich dieser noch höher gebildet. Nach weniger als drei Kilometer hatte ich daher bereits über 100 Höhenmeter bewältigt – und das, ohne den 1. Gang benützen zu müssen! Es folgte eine erste Abfahrt und anschliessend ein paar Wellen, so dass ich nach etwa fünf Kilometern die Hälfte der heutigen bergauf-Höhenmeter bereits hinter mir hatte – und auf Abfahrten bereits wieder vernichtet!
Es ging weiter bergab, schliesslich ging es heute zurück ans Meer. Kurz nach Genzano di Roma, wo ein Verkehrschaos herrschte, verpasste ich eine Abzweigung nach links, damit ich gemäss Route geradeaus weiterfahren kann. Es dauerte eine Weile, bis ich wenden und in einer Lücke wieder einfädeln konnte – und nachdem ich nun rechts abgebogen war und eine kurze Rampe hinter mich gebracht hatte, war da wieder die Via Appia Antica mit den römischen Steinplatten vor mir! Heute wollte ich mir dieses Geschüttel aber nicht mehr antun, und als ich auf OrganicMaps herauszoomte sah ich, dass die vorherige „falsche“ Abzweigung eine Umfahrungsstrasse ist. Also wieder zurück zu dieser Kreuzung, und nun ging es auf feinstem Asphalt weiter bergab. Die Via Appia Antica ist wegen dem direkten Weg kürzer, aber da wäre ich definitiv einiges länger unterwegs gewesen!
Auf der weiteren Fahrt zum Meer musste ich einmal eine unfreiwillige Pause einlegte, da ein Sattelschlepper rückwärts in eine Seitenstrasse hineinfuhr und dazu fast zehn Anläufe benötigte. Nach der Kreuzung sah ich den Grund, warum er da wendete: Ein Schild zeigte eine Höhenbeschränkung von 2.80 Meter an – und bei dieser niedrigen Brücke wäre er ohne eingeklappte Seitenspiegel vermutlich auch in der Breite nicht durchgekommen!
Am Strand von Latina erreichte ich nach etwas mehr als 50 Kilometern wieder das Mittelmeer, und da war es erst kurz nach 10.30 Uhr. Ich rollte daher von der Strasse zum Sandstrand, nahm meinen Campingstuhl hervor und legte eine grosse Pause bis 12.15 Uhr ein. Der Verlust an Höhenmeter und der leichte Rückenwind stärkte mental meinen Pedaldruck, womit ich sehr rasch vorankam!
Am Nachmittag ging es meist der Küste entlang, nun nicht mehr in Richtung Südwesten, sondern nach Südosten. Auf einem schmalen Streifen Land zwischen Mittelmeer und Lago di Fogliano war die Strasse gesperrt, ich teilte diese mit ein paar anderen Radfahrern. Es gab da die einte oder andere touristische Baute auf dieser Strecke, doch diese waren offenbar saisonbedingt alle geschlossen – also braucht auch niemand die Strasse zu benutzen…
Der Wind unterstützte mich weiterhin, und der Pedaldruck immer noch hoch. Als auf ein Paar Kilometer eine Erdpiste zu bewältigen war, die hin und wieder mit Wasserlöcher zusätzliche Hindernisse bereitstellte, konnte ich dennoch überwiegend einen grossen durchtreten.
In Sabaudia ging es zum Einkaufszentrum von Conad, die nachfolgende breite Strasse hatte ich wiederum fast für mich alleine – auf den ersten zwanzig Kilometern hatte ich ein Vielfaches an Verkehrsaufkommen als auf dem Rest der Etappe! Dafür baute sich der Monte Circello immer mächtiger vor mir auf. OrganicMap meint, dass ich auf den verbleibenden zehn Kilometer jedoch weniger als 20 Höhenmeter zu erklimmen habe. Und die App irrt sich doch nicht, oder? ODER?!?
Nein, sie irrt sich nicht: Genauso steil, wie der Berg auf der Mittelmeerseite aus dem Boden ragt, neigt er sich ein paar Kilometer weiter östlich wieder dem Boden zu – und die Strasse führt am Fuss des Berges vorbei. Da der Wind nun von Osten kam, hatte ich volle Windunterstützung und pedalte die sanfte Steigung im 12. von 14 Gängen hoch – das schaffe ich in der Regel nicht einmal im Flachen! So flog ich San Felice Circeo entgegen, durchquerte den Ort, folgte der Strandpromenade und war rasch beim Hotel, das sich direkt hinter der Gemeindegrenze auf dem Boden von Terracina befindet. Dort bezog ich bereits kurz nach 15.00 Uhr mein Zimmer und konnte mich um die Planung des nächsten Tages kümmern.
Bei der Planung musste ich bei der Unterkunftswahl für morgen umdisponieren: nachdem ich bei einem passenden Angebot für EUR 40 die genaue Position bestimmt, die Distanz errechnet und den Wetterbericht konsultiert hatte, war es weg – ein Zimmer an diesem Ort kostete nun EUR 60. Zwei Kilometer weiter fand ich ein weiteres Angebot für EUR 60, dort aber inklusive Frühstück – also fahre ich diese zwei Kilometer mehr und werde somit an der 100 km-Marke kratzen.
Seit ich in Italien bin habe ich das Gefühl, dass es bei den Tankstellenbetreibern eine Absprache gibt: Der Liter Benzin muss weniger als EUR 2.00 kosten! An den meisten Tankstellen ist ein Preis von 1.999 angegeben, sonst wird der Sprit noch zu 1.994, 1.989 und sehr selten zu 1.984 angeboten. Nur am Sonntag sah ich Ausnahmen bei zwei kleineren Tankstellen mit 2.039 und sogar mit 2.059. Heute sah ich jedoch auch zwei Tankstellen mit tieferen Preisen, nämlich 1.959 und 1.979. Mal schauen, wie sich das die nächsten Tage entwickelt…
