Heute morgen war es mal nicht schon schwitzend heiss, sondern mal richtig angenehm frisch. Aber nicht allzu lange… Vom Campingplatz in Dimaro ging gleich der Radweg los, welchem ich die ersten Kilometer bis Ossana folgte. Es ging zwar diese knapp 14 Kilometer immer leicht bergauf, aber das war nur ein leiser Vorgeschmack auf das, was noch folgen sollte… Es ging nun auf der Hauptstrasse weiter, und das Gute war, das die Steigung wenigstens gleichmässig war – aber eben, immer gleich steil. Und das bis kurz vor der Passhöhe vom Paso del Tonnale, welche auf einer Höhe von 1884 Meter liegt.
Kurz nach 11 Uhr war ich oben, aber trotz der Höhe war die Kraft der Sonne deutlich zu spüren. Nun konnte ich mich aber an 30 Kilometer Abfahrt erfreuen, vorbei an der Abzweigung zum Gavia-Pass, vorbei an der Abzweigung zum Mortirolo. Ich bin ja vielleicht verrückt, aber noch lange nicht wahnsinnig! Und heute um die Mittagszeit eine solche Steigung in Angriff zu nehmen, würde eher zur zweiten Kategorie gehören…
Also fuhr ich weiter runter bis Edolo, wo ich mir mal einen Teller Spaghetti zur Stärkung gönnte. So konnte ich die knapp 500 Höhenmeter auf den Passo del Aprica in Angriff nehmen. Im Vergleich zu den 1100 Höhenmetern vorhin ein Klacks, wenn da nicht diese Hitze wäre – und nach knapp 2 Kilometer Steigung musste ich umkehren. Nicht etwa, weil ich nicht mehr konnte. Ich stellte da fest, dass ich die Lenkertasche im Restaurant vergessen hatte! Ich war so auf die Steigung fokussiert, dass ich das erst da feststellte…
Also zurück und erneut Anlauf holen. Und dann geschah plötzlich wunderbares: nach dem Einstieg, der so steil war wie am Passo del Tonnale, erfüllten sich meine Hoffnungen und es wurde flacher. Nicht eben, aber flacher. Und so konnte ich viel höhere Gänge durchtreten, und anstelle mit etwa 4 km/h wie gestern nach Madonna di Campiglio oder den 6-7 km/h heute am Passo del Tonnale plötzlich mit mindestens 10 km/h, stellenweise mit bis zu 18 km/h den Berg hochfahren! So flogen die Kilometermarken nur so vorbei, und von den ursprünglich 15 Kilometer waren rasch nur noch eine Handvoll Kilometer übrig, und auch die schmolzen in der Sonne weg wie nichts. So brauchte ich für diesen Abschnitt nur etwa 80 Minuten, bis ich oben war. Sensationell!
Bei der Abfahrt hatte ich rasch das Gefühl, die leichtere Seite für den Aufstieg getroffen zu haben, denn das Gefälle dünkte mich schon steiler. Gut, bei 3 Kilometer kürzerer Strecke sind da auch 250 Höhenmeter mehr zu überwinden…
So war ich im Nu unten im Tal, und ich nahm schnurstracks die verbleibenden Handvoll Kilometer nach Tirano unter die Räder. Den nächsten Anstieg von hier aus hebe ich mir für morgen auf! Jetzt werden zuerst mal wieder die Kleider gewaschen!
