Obwohl ich heute „nur“ auf 1200m รผbernachtete, wurde es in der Nacht wieder so kรผhl, dass ich den Schlafsack schliessen musste. Da ich aber direkt neben dem Einstieg zur Cime de la Bonette รผbernachtete, musste ich nicht speziell auf Sonnenschein warten – die Steigung gibt warm genug…
Und da war sie also, die Cime de la Bonette: 24km lang, 1600m Hรถhenunterschied. Allein schon bei diesen Daten wird einem warm ums Herz, so dass ich dann auch nach 2km das langรคrmlige Trikot auszog und das kurzรคrmlige Shirt รผber das Thermounterhemd streifte.
Die Steigung war รผberwiegend in einem Bereich von 7-8%, aber dank dem halben Ruhetag gestern kam ich prima voran – bis dann der letzte Kilometer kam. Da kann man eigentlich schon rรผber auf die andere Seite, aber das wรคre ja mit einer Hรถhe von 2700m noch nicht die hรถchste befahrbare Stelle Europas. Also wurde eine Schleife rund um den Gipfel gebaut, welche auf 2802 Meter hinauffรผhrt. Und diese 100 Hรถhenmeter sind dann mehrheitlich auf etwa 700 Meter zu รผberwinden!
Doch auch diese Passage konnte ich meistern und oben angekommen das obligate Gipfelfoto schiessen. Zu Fuss ging ich dann noch ein bisschen hรถher auf die Spitze vom Berg, wo man auf 2862m einen fantastischen Rundblick geniessen konnte.
Auf der Cime de la Bonette traf ich auch einen Berner, der mit seinem Motorrad in 2 Tagen hier runtergefahren (bzw. hochgefahren…) ist und heute Abend wieder zu Hause sein wird. Und dann war da noch der echte Tour de France-Velofahrer, welcher Frankreich auf ca 5’000 km mit einem Zeitlimit von 30 Tagen umrundet!
Nun, ich machte mich dann mal auf die lange Abfahrt, und trotz strahlendem Sonnenschein hatte ich infolge der Hรถhe einige Schichten Kleider รผbergezogen: Das Thermounterhemd, das Langarmtrikot und die Jacke. 1000 Hรถhenmeter tiefer hielt ich dann aber in kurzen Abstรคnden an, um die Bekleidung anzupassen. Zuerst das Langarmtrikot weg, dann die Jacke weg und dafรผr das Kurzarmhemd, schlussendlich Thermounterhemd weg und nur noch Kurzarmhemd! Da machte sich langsam aber sicher das milde Mittelmeerklima bemerkbar, denn ich kรถnnte das Tal der Tinรฉe hinunter bis nach Nizza fahren.
Aber was soll ich schon in Nizza? Deshalb wollte ich eigentlich in St-Sauveur-sur-Tinรฉe รผbernachten. Da machte der Campingplatz allerdings nicht gerade einen einladenden Eindruck und รถffnete erst um 17 Uhr, ich war aber bereits um viertel nach drei dort. Also kurzes Kartenstudium – und ich entschied mich fรผr eine Bergankunft in Valdeblore mit Hotelรผbernachtung.
Los ging es auf einer Hรถhe von 450 Metern – zum ersten Mal seit dem Anstieg zum Col de Tรฉlรฉgraphe war ich รผberhaupt mal wieder unter 1000 Metern – und mein Ziel lag 8 Kilometer spรคter auf einer Hรถhe von wieder 1000 Metern. Das ging nochmals krรคftig in die Beine – und als ich ankam, war das Hotel ausgebucht! Sie machten einen kurzen Anruf, und im nรคchsten Hotel konnte ich ein Zimmer reservieren. Dieses ist aber 5 km weiter auf 1300 Metern!
Also galt es, nochmals alle Kraft zu sammeln und auch dieses Stรผck noch zurรผckzulegen. Ehrlich gesagt nahm ich da von der Umgebung nicht mehr viel wahr, ausser das die Strasse relativ frisch geteert worden war und in einem ausgezeichneten Zustand ist. Aber noch viel wichtiger war: um 18.30 Uhr habe ich das Hotel erreicht und konnte die Dusche und ein ausgezeichnetes Nachtessen geniessen! Morgen sehen wir dann weiter, ob mir meine Beine diesen Kraftakt รผbel nehmen werden…


















