Ganz unsanft wurde ich um 02:00 Uhr aus dem Schlaf gerissen, als ein Gewitter รผber den Campingplatz hinwegfegte. Zuerst donnerte es links, dann rechts, dann vor und hinter mir โ also eigentlich rundherum! Und dann prasselte der Regen in Strรถmen auf mein Zelt. Muss ich heute nicht nur gegen den Wind kรคmpfen, sondern auch noch im Regen fahren?
Bis ich aufstand, hat es dann noch zweimal geregnet. Dann, um 05:30 Uhr, konnte ich feststellen, dass das Zelt eine lohnende Investition war und absolut dicht ist. Nichts im Zelt ist nass geworden! Also nahm ich das Frรผhstรผck ein, zog mรผhsam meine Fahrradkleider an (das mag mein sonnenverbrannter Rรผcken รผberhaupt nichtโฆ), rollte Luftmatratze und Schlafsack zusammen โ und dann folgte das nรคchste Gewitter! Da lag ich im Zelt, alle Sachen gepackt, darauf wartend, dass es wieder aufhรถrt. So zirka eine halbe Stunde spรคter (sprich: eine halbe Ewigkeit) war es dann soweit. Sofort schoss ich aus dem Zelt, schรผttelte das ganze Zelt durch, damit mรถglichst viel Wasser ablรคuft, holte das Gepรคck raus und stopfte das Zelt, so nass wie es war, in die Hรผlle. Alles rauf aufs Velo, und so konnte ich gegen 08:00 Uhr losfahren.
Alsdann nahm ich von der Gegend eine besondere Stimmung wahr: infolge der dicken Wolken war es ein bisschen dรผster, und Nebelschwaden zogen langsam รผber die nassen Kornfelder. Nur dann und wann kreuzte auf den ersten Kilometern ein Fahrzeug meinen Weg auf den schmalen Strรคsschen, welche mich รผber kleine Hรผgelchen, durch Wรคldchen und winzige Hรคuser-Ansammlungen nach Brovst, die erste grรถssere Siedlung am heutigen Tag, fรผhrten. รberraschenderweise hatte ich mich in der Folge nicht mit Gegenwind herumzuschlagen, sondern konnte sogar von Rรผckenwind profitieren!
Bei der Einfahrt nach Aabybro habe ich mich dann auf dem Radweg verfahren: ein Schild zeigte รผber die Strasse, dass ich links abbiegen solle. Nach wenigen Metern fuhr ich dann aber auf den Fussballplatz, welcher gerade gemรคht wurde! Also kehrte ich um, und siehe da: Ich hรคtte nur von der rechten Strassenseite auf die linke wechseln mรผssen, da dort fรผr Fussgรคnger und Radfahrer eine Piste angelegt worden war.
Etwa 3 Kilometer vor Brรธnderslev hat mich dann der Regen wieder eingeholt. Ich zog den Regenschutz an und fuhr noch in die Stadt, um eine vorzeitige Mittagspause einzulegen. Aber kann man hier auch wirklich etwas essen? Es hat zwar viele Autos auf der Strasse, aber fast keine Leute. Dann sah ich aus den Augenwinkeln ein paar Leute hinter einer Hรคuserzeile schlendern. Also bog ich ab โ und siehe da: schon stand ich mitten in der Einkaufsstrasse!
Nachdem ich eingekauft und meine selbst gemachten Sandwichs gegessen hatte, hatte auch der Regen wieder aufgehรถrt. Und das Wetter wurde am Nachmittag immer sonniger. So fuhr ich โ immer noch mit starker Windunterstรผtzung โ auf direktem Weg nach Frederikshavn, und liess dabei meinen Blick รผber die weiten Felder schweifen.
In Frederikshavn konnte ich dann schon mal auskundschaften, wo ich morgen zur Fรคhre hinfahren muss. Schliesslich fรผhrt die Hauptstrasse direkt dem Strand (bzw. dem Hafen) entlang. Nachdem ich beim Informationsbรผro eine Karte der Stadt erhalten hatte, fand ich bald die Jugendherberge. Das windige aber sonnige Wetter nutzte ich sogleich und packte mein Zelt aus โ und im Nu war es dann auch wieder trocken!
Mein Bett hatte ich in einem Massenschlag mit etwa 40 Betten. Aufgrund der Bestuhlung im Raum scheint dieser zuweilen aber auch als Theoriesaal genutzt zu werden. Die JH ist aber sehr gut gelegen. Nahe am Zentrum, aber dennoch ruhig. Und die Rasenflรคchen vor der JH laden richtiggehend zum Ausruhen aus. Ob aber sรคmtliche Velostรคnder, die montiert wurden, jemals benutzt wurden, wage ich stark zu bezweifeln: Dann mรผssten ja fast gegen 100 Velofahrer die JH benutzten! Immerhin stehen heute Nacht 3 Fahrrรคder daโฆ
Abends schritt ich dann noch die Einkaufspromenade von Frederikshavn ab. Dabei gรถnnte ich mir zuerst mal ein Soft-Ice, dann ass ich noch eine Pizza. Beim Zurรผcklaufen bemerkte ich dann, dass meine Sonnenbrille fehlt! Schnell lief ich zurรผck ins Restaurant, und fand zum Glรผck die Brille unter dem Tisch. Puh!


















