Gleich beim Aufstehen hat es mich fast wieder hingehauen. Der Rücken hat meine gestrige Position auf dem Fahrrad nicht goutiert, und so muss ich jetzt beim Laufen leiden…
Von solchen Begleiterscheinungen liess ich mich aber nicht vom vorzüglichen Frühstücksbuffet abhalten, wo ich dann auch reichlich zulangte: 2 Teller voll mit Cornflakes und Milch unterbrochen durch mehrere Stück Brot mit Konfitüre. Dazu noch Orangensaft und Milch. Das Morgenessen wird die kommenden Wochen zu meiner wichtigsten Mahlzeit. Schliesslich verbrauche ich ja auch eine Menge Energie, und da kommen solche reichhaltigen Angebote gerade recht.
Eigentlich wollte ich heute auf dem kürzesten Weg nach Viborg fahren. Dazu hätte ich nur der Strasse Nr. 12 folgen müssen. Dies gelang mir dann allerdings nur die ersten 20 km bis Varde. Dann waren Fahrräder verboten, und ich musste mir eine geeignete Strasse finden. Mit meiner Skandinavien-Karte (Massstab 1:800 000) und fehlenden Ortskenntnissen ist dies nicht immer ganz einfach. Als nahm ich die nächstbeste Strasse, die Richtung Norden führte. Leider bog diese Strasse wenig später nach Osten ab und ich sah dann, wie ich „unter“ meiner Strasse Nr. 12 durchfuhr. Da ich keine Lust hatte, bergauf wieder zurückzufahren, wählte ich eine andere Route nach Viborg. Landschaftlich war die Alternativstrecke sicher nicht minder reizvoll. Den ganzen Tag über war die Landschaft sehr abwechslungsreich, sei es mit weit reichenden Feldern oder sei es mit Wäldchen. Vor allem hatte ich den ganzen Tag über Rückenwind, was mir natürlich sehr gelegen kam!
Nachdem ich praktisch den ganzen Tag auf der Hauptstrasse verbracht hatte, wählte ich vor Viborg dann wieder einmal den Radweg. Und wer immer noch behauptet, Dänemark sei flach, soll einmal mit dem Velo dort unterwegs sein! Sicher, es gibt keine Berge, aber wenn ständig 10 bis 20 steile Höhenmeter zu bewältigen sind – und man bereits weit über 100 Tageskilometer in den Beinen hat – geht das gewaltig an die Substanz. Und wie bei Radwegen üblich, nimmt auch hier die verbleibende Strecke unterproportional ab: Hat man zum Beispiel 8 Kilometer gemäss Kilometerzähler zurückgelegt, verminderte sich die Distanz laut Wegweisern nur um 5 Kilometer…
In Viborg habe ich dann direkt die Jugendherberge angesteuert (beim Ortseingang war ein wunderbarer Stadtplan zum auswendig lernen). Viborg liegt an einem kleinen See, und die Jugendherberge ein bisschen ausserhalb auf der anderen Seite des Sees. Die Anlage ist aber sensationell gestaltet.
Das Zimmer habe ich mit zwei dänischen Radfahrern geteilt. Der Eine macht Radferien in Dänemark, der Andere ist gerade aus einer Tour in Indien zurückgekommen. Dort hatte er sich aber eine Krankheit aufgelesen, so dass er entkräftet zurückfliegen musste. Nun will er zu einem Spezialisten und sich wieder erholen. Anschliessend möchte er die Panamericana bewältigen. Wer weiss, vielleicht sehen wir uns dann in Südamerika wieder…
Nachdem ich mich mit dem Gasherd vertraut gemacht hatte, kochte und ass ich meine Hörnli mit Bolognese-Sauce, die ich mitgenommen hatte. Plötzlich kam dann die Meldung, dass das Wasser in Viborg verseucht und nur abgekocht geniessbar sei. Na ja, die Teigwaren waren ja in kochend heissem Wasser, also sollte dies kein Problem sein. Allerdings habe ich noch ca. 1.5 Liter Eistee mit Leitungswasser getrunken – mal schauen, wie mein Körper darauf reagiert!


















