Samstagmorgen, 06:00 Uhr. Mit einem lauten Klopfen an die Kabinentรผr werde ich im CityNightLiner von Basel nach Kopenhagen aus dem Kajรผtenbett geholt. Ausweiskontrolle von dรคnischen Zollbeamten an der Deutsch-dรคnischen Grenze! Und ich dachte, im Schengenraum gรคbe es keine Grenzkontrollen mehrโฆ
Aber um 7:35 Uhr war sowieso die Ankunft in Kolding terminiert, so dass ich nun genรผgend Zeit hatte, mich frisch zu machen und das Gepรคck zu vorzubereiten. Doch dann kam die nรคchste Aufregung: Die Zugbegleiterin teilte mit, dass der Bahnsteig in Kolding zu kurz sei und deshalb alle in den hinteren Wagen aussteigen mรผssten. Tja, da gab es ein kleines Problem, da der Velowagon im vorderen Teil des Zuges platziert ist. Also sind alle mit ihrem Gepรคck nach hinten gelaufen, und ich mit meinem nach vorne. Gespannt bin ich dann in den Bahnhof eingefahren, habe die Tรผr geรถffnet โ und der Bahnsteig hรคtte auch fรผr den vordersten Wagen noch gereicht! So konnte ich problemlos Gepรคck und Fahrrad ausladen.
Nachdem ich das Velo beladen hatte, kam die nรคchste Hรผrde, die es zu meistern galt: die Bahnhofunterfรผhrung, welche nur รผber Treppen zu erreichen war. Runter ging ja noch einigermassen, aber ein vollbepacktes Zweirad eine Treppe hochzuschieben, ist nicht gerade meine Lieblingsbeschรคftigung! Bei der Rรผckfahrt 3 Wochen spรคter habe ich dann gesehen, dass es am anderen Ende des Bahnsteigs einen Lift gehabt hรคtteโฆ
Die Ausfahrt aus Kolding habe ich dann รผberraschend gut gefunden, und bin direkt Richtung Jels gefahren. Kurz vor Jels fรผhrte mich der Radweg dann erstmals durch einen kleinen Wald an einen idyllischen See. So schรถn diese Szenerie war, umso รคrgerlicher wurde es anschliessend in Jels. Der Radweg fรผhrte mich wieder zurรผck an eine Strasse, und an der Kreuzung gab es dann nur links und rechts als Option. Ein Vergleich der Ortschaften auf den Wegweisern und der Karte ergab, dass ich die (nicht vorhandene) Strasse geradeaus benutzen wollteโฆ Ich entschied mich also fรผr links, was dann zu einer Zusatzstrecke von ca. 10 km fรผhrte. So sichtete ich einerseits aber immerhin meine ersten Windrรคder in Dรคnemark. Andererseits konnte ich aber auch ein bisschen Moral tanken, als ich eine kleine – aber steile –ย Steigung hinauf eine Gruppe von (stossender) Radfahrer รผberholen konnte. Immerhin hatten die kein Gepรคck dabei!
รberrascht bin ich durch die flachen Backsteine, mit denen in Dรคnemark die Hรคuser gebaut werden. Da ist es sicher nicht einfach, gerade Mauern zu erstellen. Und sicherzustellen, dass zwischen den Backsteinen immer dieselbe Dicke an Mรถrtel liegt. Aber eine Strassenzeile mit solchen Hรคusern sieht schon fantastisch aus!
In Gram war dann die erste Nahrungsaufnahme in Dรคnemark angesagt. Dort sah ich eine Kombination aus Restaurant / Pub / Fast-Food-Store direkt an der Strasse. Also parkierte ich mein Gefรคhrt, studierte die Speisekarte von oben bis unten, suchte mir etwas lecker klingendes aus, setzte mich draussen an einen Tisch und wartete erwartungsvoll darauf, was mir wohl vorgesetzt wird. Ich muss sagen, dass meine (Zufalls-)Wahl aber vorzรผglich war. Fein gewรผrztes Hackfleisch mit Kartoffeln und etwas Gemรผse โ einfach lecker!
Nach dem Mittagessen ging es dann weiter Richtung Westen nach Ribe. Und wie vor der Pause ging es auch gleich weiter: mit Gegenwind! Aber am ersten Tag einer Tour soll man sich von den Naturgewalten ja nicht die Laune verderben lassen, und so strampelte ich mit dem Kopf knapp รผber dem Lenker weiter. Nachdem ich Ribe hiner mir gelassen hatte, hatte ich sogar ein paar Kilometer Seitenwind, wo es in wieder einmal in einem angemessenen Tempo voran ging, aber die Strasse drehte dann bald wieder in den Wind. Und da ich es nicht gleich am ersten Tag รผbertreiben wollte, machte ich dann schon in Esbjerg Schluss. Eigentlich hatte ich ja in der Jugendherberge von Oksbรธl ein Bett reserviert, aber dann wรคren nochmals 20 km zurรผckzulegen. Und mit dem aktuellen Tempo bedeutet dies eine Reisezeit von ca. 2 Stundenโฆ
Also fuhr ich in Esbjerg ins Zentrum hinein, fand dann schlussendlich auch einen Stadtplan โ und das nur kurz vor der Jugendherberge! So fand ich in der prรคchtigen JH Esbjerg Unterschlupf. Allerdings hatte es nicht so viele Gรคste, so dass ich alleine in einem Doppelzimmer war โ und auch sonst blieben sehr viele Betten leer.
Nachdem ich sรคmtliches Gepรคck meinem geschundenen Rรผcken zugemutet habe, 2 Stockwerke zu รผberwinden, nahm ich die wohlverdiente Dusche und richtete mich im Zimmer ein. Und dann kam die mentale Hรผrde: โUnd was jetzt?โ, fragte ich mich. Bin ich alter Sack imstande, die ganzen 3 Wochen durchzustehen? Oder kann ich das gelรถste Retourbillet auf ein frรผheres Datum vorziehen? โIch muss raus!โ, dachte ich mir, damit ich wieder auf andere Gedanken komme.
Nach einer kleinen Stรคrkung in der nahe gelegenen Pizzeria kontrollierte ich nochmals, ob ich das Fahrrad sicher abgeschlossen hatte, und haute mich dann bald aufs Ohr, um meinem mรผden Kรถrper etwas Ruhe zu gรถnnen.


















