Heute gab es nochmals einen richtig schönen Sommertag! Um 05.00 Uhr wurde ich zwar von einem heftigen Regenschauer geweckt, doch beim Etappenstart um 07.30 Uhr war es bereits gegen 20 Grad warm und die Strassen trockneten rasch ab. Am Vormittag war es noch bewölkt, doch für das Mittagessen musste ich mir einen Schattenplatz aussuchen, was diesen Monat eine Rarität ist! Und nach dem Mittagessen konnte ich erstmals diesen Monat den zweitobersten Knopf öffnen, weil es so warm war. Das war natürlich auch dem Wind zu verdanken, der heute nur noch schwach wehte.
Bevor ich losfahren konnte, musste ich zuerst mein Fahrrad „freibekommen“. Ich konnte es gestern Nachmittag in einem grossen Raum neben dem Eingang abstellen, doch heute Morgen waren die Türen verschlossen – und bei einem Self Check-in-Hotel die Rezeption natürlich nicht besetzt. Also habe ich eine der beiden Telefonnummern angerufen, die neben der Rezeption an der Wand hingen, so dass jemand die Tür öffnen konnte.
Auf der Strasse ging es zuerst durch die Hochhäuserschluchten von Cardiff, praktisch alles auf Radwegen. Man muss einfach merken, dass es bei Kreuzungen nicht reicht, auf grün zu warten – man muss wie Fussgänger einen Knopf drücken, damit es auch grün wird…
Zwischen Cardiff und Newport gab es nur eine kurze Strecke im Grünen, bei der Einfahrt von Newport betrat ich erstmals einen Asda Superstore. Neben ein paar Lebensmittel für heute unterwegs habe ich auch WD40 und eine Bürste zur Kettenreinigung gekauft, damit ich das Fahrrad in den nächsten Tagen auch mal wieder etwas pflegen kann. Seit Derry/Londonderry hat sich an der Kette wieder einiges an Schmutz angesammelt…
Die Hafendurchfahrt von Newport war nicht gerade eine Augenweide, dafür ging es anschliessend mehr aufs Land hinaus und durch kleinere Ortschaften – dabei konnte insbesondere Caerwent auf eine lange Siedlungsgeschichte zurückblicken, gibt es dort doch Ruinen von römischen Bauten.
Nach dem Mittagessen folgten die letzten Kilometer vor Chepstow, wo ich erstmals auf dieser Tour einen Kreis schliess – Anfang Juli fuhr ich die Strasse hinunter, die ich nun in Chepstow hinein hochkletterte. Glücklicherweise hatte ich die Abfahrt etwas steiler in Erinnerung… Ich verzichtete jedoch auf einen Vergleichstest und fuhr nicht in Richtung Abergavenny um zu prüfen, ob ich nun die Steigungen hochfahren kann oder wieder schieben müsste… Stattdessen fuhr ich in Richtung Severn Bridge, sah den Park, wo ich damals meine Mittagspause einlegte, und folgte dem auflackierten Radweg vor der Brücke, der von der Fahrbahn abzweigte, in einem Tunnel unter der Brücke durchging (mit der Fahrt kamen auch die Erinnerungen zurück), und auf der anderen Strassenseite der Brücke wieder auf die Fahrbahn hoch – aber da war ein Gitter, Radweg gesperrt! Also wieder umkehren, durch den Tunnel zurück, die ca. 15 Höhenmeter zur Fahrbahn wieder hochpedalen – und da muss man einfach wissen, dass man nicht den rot lackierten Fahrradweg nehmen, sondern davon rechts abbiegen und der Fahrbahn folgend auf die Brücke fahren muss! Die Brücke hat also auf beiden Seiten einen Radweg, der Langstrecken-Radweg ist aber nur auf der gesperrten Seite ausgeschildert! Wales wollte mich offenbar noch etwas länger behalten – und auf der englischen Seite musste man auch selbst schauen, wie man wieder auf die Route zurückkommt…
Auf der englischen Seite hatte ich weniger Erinnerungen an die Strecke, nur an zwei bis drei Orten konnte ich sagen: Ja, da bin ich von der anderen Seite hergekommen!
Nachdem es bis zum Anstieg vor Chepstow praktisch flach voranging, kamen nun die Anstiege – und wie! Durch Bristol bin ich eine andere, direktere Route gefahren als bei der Hinfahrt vor ein paar Wochen, und schon damals brachten mich die ständigen steilen Anstiege fast zur Verzweiflung. Und heute war das nicht anders… Es heisst ja, dass Rom auf sieben Hügeln erbaut worden sei, bei Bristol müssten das unzählige mehr sein! Als ich gestern die Route in Outdooractive plante, wurde mir eine Höhendifferenz von 385 m angegeben. Aus den Erfahrungen wusste ich, dass es in Realität immer mehr sind, und so schätzte ich auf 450-500 Höhenmeter. Nun, es waren schlussendlich 579, und die Anstiege wurden immer steiler!
Schlussendlich habe ich es doch noch geschafft, nahm die Wohnungsschlüssel aus dem Schlüsselkasten, trug Gepäck und Fahrrad in den 1. Stock hoch, war anschliessend im Co-op und im Tesco Express einkaufen, damit ich morgen nicht raus muss (morgen und am Samstag soll es am heftigsten Regnen), und habe nach dem Duschen alle bisher getragenen Kleider in die Waschmaschine geworfen, die zur Einrichtung gehört. Mal schauen, was ich hier bis Montag alles machen werde – die Buslinien ins Zentrum sind ja nicht weit weg…
