Was war das fรผr ein fantastischer Tag! Herrliche Landschaften, die nach jeder Kurve wieder รคnderten und neu begeisterten, traumhaftes Wetter mit wenig Wind und meist angenehmen Temperaturen, kaum Verkehr, gute Beine – Herz, was begehrst du mehr?!? Ich glaube, heute hatte ich ein Dauergrinsen im Gesicht!
Gestern Morgen um 7.00 Uhr hatte ich in meinem trockenen Zelt doch ein bisschen Bedenken, ob der eingeschaltete Ruhetag wegen der Wetterprognose wirklich nรถtig war. Dann regnete es aber bis nach 14.00 Uhr durch, manchmal mehr, manchmal weniger. Also doch die richtige Entscheidung getroffen! So verbrachte ich die Zeit lesend im Zelt – nachdem ich „Goldfinger“ von Ian Fleming fertiggelesen hatte, unterbrach ich die James Bond-Serie und schob „Mr. Einsteins Sekretรคrin“ von Matthew Reilly dazwischen. Nach 15.00 Uhr konnte ich sogar meinen Campingstuhl fรผr ein paar Stunden hervorholen und im Sonnenschein die Wรคsche fertig trocknen lassen. Auch das um diese Zeit angekommene irische Radlerpaar freute sich รผber die Sonnenstrahlen, damit sie wieder trocken und etwas aufgewรคrmt wurdenโฆ
Als ich letzte Nacht mal aufs WC musste, war der Himmel sternenklar und ich konnte die dรผnne Mondsichel sehen – entsprechend hat es auch wieder abgekรผhlt. Daher las ich nach dem Morgenessen noch etwas weiter und startete die Tagesetappe erst um 08.15 Uhr – dafรผr gleich im Kurzarmhemd. Und mit Ausnahme der Abfahrt vom Sheeffry Pass, wo ich etwas Wรคrmeres anzog, konnte ich auch den ganzen Tag im Kurzarmhemd radeln.
Bevor ich beim Sheeffry Pass war, musste ich zuerst mal aus Westport hinaus. Dabei nahm ich dieselbe Route zurรผck, wie ich am Samstag zum Campingplatz gefahren bin. Auf der ehemaligen Eisenbahnstrecke geht es schรถn sanft bergauf – sonst hรคtte ich wieder in der Nรคhe vom Tesco die steile Rampe erklimmen mรผssen! Danach war der Radweg neben einer breiten Strasse angelegt, bis der Wegweiser davon wegzeigte und ich auf schmalen Strรคsschen unterwegs war, nun eben in Richtung Sheeffry Pass. Dort kam ich kurz nach Peter aus der Tschechischen Republik auf dem Gipfel an, der mich in den letzten Rampen mit seinem Rennrad รผberholt hatte; er macht zwei Wochen Urlaub in Westport.
Nach der Abfahrt ging es am Doo Lough und am Fin Lough vorbei, um zum Fjord von Killary Harbour zu gelangen. So ging es den Rest vom Tag weiter: mal an einem See vorbei, mal der Meereskรผste des Atlantiks folgend – Wasser war also nie weit weg. Und Sรผsswasser floss auch am hintersten Zipfel vom Killary Harbour ins Meer, wobei die Angler am Aasleagh Wasserfall auf die Lachse wartetenโฆ
Als ich die 15 Kilometer lange Fahrt dem Killary Harbour hinter mir hatte – zuerst Richtung Osten, auf der anderen Seite zurรผck in Richtung Westen, unterbrochen mit vielen Fotostopps – ging es wieder bergauf, und beim nรคchsten Fotostopp musste ich nach einem Blick auf die Karte feststellen, dass ich vor zwei Kilometer hรคtte rechts abbiegen mรผssen. Soll ich auf dieser Strasse weiterfahren und spรคter wieder auf den Radweg treffen oder zurรผckfahren? Die Hรถhenmeter sind praktisch identisch, auf dem Radweg geht es einfach 2 Kilometer weiter. Ich nahm diese Mehrdistanz in Kauf, und bereute dies keine Sekunde! Wieder ging es Seen und der Kรผste entlang, wobei ein Wow-Moment auf den Nรคchsten folgte!
In Letterfrack wรคre ich auch auf der anderen Strasse durchgefahren, wo ich in einem kleinen Shop noch das Nรถtigste fรผr heute einkaufte – so konnte ich in Clifden gleich den Zeltplatz anfahren, ohne zuerst in den Ort hinein zu mรผssen. Dort kann ich morgen frรผh einkaufen gehen – schliesslich ist der Campingplatz 60 Meter hรถher gelegen.
Von Letterfrack nach Clifden hรคtte man in wenigen Kilometern gelangen kรถnnen, der Radweg macht aber eine grosse Schleife der Kรผste entlang – und diese auszulassen, wรคre fast ein Verbrechen! Ich genoss die vielen Einblicke in die malerische Landschaft – ich habe heute wohl fast gegen 100 Fotostopps eingelegt!
Die letzte Schlaufe vor Clifden habe ich schlussendlich ausgelassen und fuhr „von hinten“ zum Campingplatz hoch. Dort hatte ich gestern Morgen eine Reservation auf der Homepage vorgenommen, aber keine Antwort erhalten. An der Rezeption konnten sie mir aber noch einen mittlerweile freien Platz zuteilen – und mir mitteilen, dass ich gestern eine Absage erhalten hatte. Zum Glรผck hatte ich heute Morgen den Spam-Ordner nicht konsultiertโฆ Und so endet dieser fantastische Tag mit einer weiteren Nacht im Zelt.


















