Do 23.07.2026 | Leuchars – Stonehaven

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Via

  • Tay Bridge
  • Dundee
  • Arbroath
  • Montrose
  • Inverbervie

Infos

  • 121 km
  • 7:29 h
  • 6.00 l
  • Hotel
  • Station Hotel
  • GBP 68.00

Strava

Mit Ortskenntnissen wรคre ich gestern ein paar Kilometer weiter gefahren und hรคtte im Wald oder am Strand campiert, denn die Unterkunft war grottenschlecht. Das Gemeinschaftsbad ist fรผr ca. 10 Personen, so dass es manchmal Glรผck brauchte, wenn man auf das WC wollte. Und Internet geht auch nicht – man arbeite dran, dass es wieder funktioniert.

Nun, heute wusste ich, dass ich mit 120 Kilometern eine lange Etappe fahren werde, allerdings mit deutlich weniger Hรถhenmetern als in den vergangenen Tagen. So ging es gleich flach los, durch einen schรถnen Wald und nahe der Kรผste entlang – eben, viele Gelegenheiten fรผr ein Wildcamp. Ein Zelt habe ich jedenfalls gesehenโ€ฆ

Nach dieser Passage hatte ich fast 10 Kilometer leichten Gegenwind, was mich aber ausnahmsweise erfreute! Ich wusste, dass ich nach der Passage รผber die Tay Bridge hinรผber nach Dundee die Richtung wechsle und danach fรผr den Rest des Tages Rรผckenwind haben sollte – und so war es dann auch!

An der Tay Bridge war speziell, dass sich die Fahrrad- und Fussgรคngerspur nicht wie sonst รผblich auf einer Seite der Brรผcke befindet, sondern in der Mitte. Wie bei einem Bahnhof kommt man als Fahrradfahrer von der Seite zur Brรผcke und nimmt dann mit einem 90 Grad-Winkel die Rampe hinauf zur Spur. Auf der anderen Seite angekommen, bekam ich jedoch einen Riesen-Schreck: Vor mir baute sich eine Wand auf, rechts fรผhrte eine steile Treppe hinunter. Das kann ja nicht euer ernst sein, oder? War es glรผcklicherweise nicht, denn die Wand รถffnete sich und ich konnte in den Lift fahren, der mich in Dundee eine grosse Etage tiefer brachte.

Wรคhrend vielen Kilometern folgte der Radweg nun flach der Kรผstenlinie, so dass ich mit dem Rรผckenwind rasch vorankam. In den vergangenen Wochen war es immer mein Ziel, bis um 12.00 Uhr 50 Kilometer zurรผckgelegt zu haben – heute hatte ich da bereits 70 Kilometer in den Beinen! Da war ich schon fast in Montrose, wo ich wenig spรคter meine Mittagspause zwischen einem Teich und einem Golfplatz einlegte. Das Essen hatte ich bewusst im Lidl von Arbroath gekauft – da meine Sirupflasche leer war, musste Nachschub her. Mit dieser 1.5 Liter-Flasche hatte ich nun zweieinhalb Wochen meine Getrรคnke fรผr unterwegs gesรผsst, reichte also fรผr รผber 70 Liter. Die neue Flasche wird wohl nicht so lange reichen: Diese hat „nur“ Double Strength, die vorherige vom gleichen Anbieter hate Quadruple Strength.

Kurz nach der Mittagspause machte ich mit der GoPro noch ein paar Videoaufnahmen – und schon wurde ich von einer Radfahrerin auf Schweizerdeutsch angesprochen. Sie ist seit 3 Wochen mit Rad und Zug von Dover bis hierher entlang der Veloroute 1 gefahren, nun geht es noch nach Aberdeen und anschliessend zurรผck nach Sรผdengland. Vielleicht sehen wir uns morgen beim Frรผhstรผck nochmals, denn sie hat im gleichen Hotel eingecheckt, als ich meine Taschen in den zweiten Stock hochtrugโ€ฆ Ich widmete mich wieder den Videoaufnahmen – und da kam ein Paar mit einer Schweizer Flagge am Veloanhรคnger! Sie starteten in London und fahren bis in den nรถrdlichsten Zipfel Schottlands. Sie habe ich wenig spรคter bei ihrem Videostopp รผberholt. Viel spรคter sah ich sie an mir vorbeifahren, als ich mich im Liegestuhl sitzend wieder verpflegte – und dann nochmals vor dem Co-op von Stonehaven, wo sie ebenfalls Nahrungsnachschub besorgten. Sie hatten da noch 16 Kilometer bis zu ihrem Etappenziel vor sich, ich nur noch 10 % davon.

Nach der Mittagspause gab es einige Anstiege, zum Teil auch sehr steile. Mittlerweile spรผre ich aber etwas Kraft in meinen Oberschenkeln, und die Fรผsse sind zwar noch zugepflastert, schmerzen aber รผberhaupt nicht mehr. So konnte ich die Steigungen meist mit einem ordentlichen Tempo oder dann mit viel Druck auf den Pedalen bezwingen. So gab es bis zum Schluss doch wieder รผber 800 Hรถhenmeter!

Wenn man viele Kilometer auf Radwegen und kaum befahrenen Nebenstrassen zurรผckgelegt hat, fรผhlt es sich seltsam an, wenn viele Fahrzeuge an einem vorbeibrausen. Je lรคnger der Tag, desto mehr solche verkehrsintensive Passagen gab es, da es fรผr Radfahrer keine Alternative gibt – aber die Auto- und LKW-Fahrer waren immer geduldig, es gab nie heikle Situationen!

Bei der Einfahrt in Stonehaven gab es zwei Optionen: Dem Fernradweg folgen und rechts abbiegen, unten am Meer beim Co-op einkaufen und dann รผber 30 Hรถhenmeter zum Hotel hinaufkraxeln – oder links abbiegen und beim Tesco Express gleich neben dem Hotel einkaufen, wobei es dorthin auch 30 Hรถhenmeter sind. Ich entschied mich fรผr die erste Option und bekam nach einer ersten Abfahrt leichte Zweifel, da Schilder die Sperrung der Strasse ankรผndigten. Ich fuhr weiter – und war schlussendlich froh, diese Route genommen zu haben! Die Strasse ist nur fรผr Motorfahrzeuge gesperrt und zu einem Fahrrad- und Fussgรคngerweg umfunktioniert worden – und man hat einen herrlichen Blick auf Stonehaven, das sich bis zu diesem Aussichtspunkt versteckt hatte.

Morgen „muss“ ich ausschlafen – Frรผhstรผck gibt es erst ab 7 Uhr. Dafรผr habe ich fรผr morgen Abend einen Pitch auf einem Zeltplatz in geeigneter Distanz reservieren kรถnnen – und eine Mail erhalten, dass ich den eBook-Reader in Aberdeen abholen kann.


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