Von der Ostschweizerin habe ich heute Morgen nur das Fahrrad in der Abstellkammer gesehen. Sie fährt heute ja „nur“ noch bis Aberdeen, wird also noch länger ausgeschlafen haben. Wir waren jedenfalls zu Dritt um 7.00 Uhr beim Frühstück – und mit Toast, Bohnen, Würstchen, Speck, Spiegelei und Black Pudding hatte ich bis zum Mittagessen fast genug im Magen – nur mit einem Milchdrink hatte ich noch Proteine nachgeführt.
Nach der kurzen Abfahrt hinunter zum Ortsausgang ging es gleich wieder weit bergauf – und den Radwegweisern der Route Nr. 1 folgend, kam bald wieder eine grosse Tafel „ROAD AHEAD CLOSED“. Wie die letzten Wochen passierte ich dieses Schild mit einem mulmigen Gefühl und fuhr weiter bergauf. Hinter der Kuppe gab es ein kurzes Flachstück – und dann war die Strasse tatsächlich mit Absperrgittern gründlich verbarrikadiert! Ich schaute mir die Situation auf Organic Maps an, und genau vor den Absperrgittern geht ein kleines Strässchen rechts weg hinüber zur Autobahn, wo ein weiteres Strässchen parallel zur Autobahn wieder zurück auf die Route führt. Während beim Absperrgitter nichts dergleichen zu sehen gab, gab es bei der Einmündung neben der Autobahn wieder ein Radwegschild, das die Richtung für die Umleitung zeigt. Auch bei der finalen Einmündung in den Radweg gab es ein solches Schild – nur zeigte dieses nach links, während der Radweg rechts weitergeht…
Für die Einfahrt nach Aberdeen verliess ich den Radweg Nr. 1 und nahm eine kürzere und flachere Route. So erreichte ich die Stadt auf dem Deeside Way, einer vor 60 Jahren stillgelegten Eisenbahnstrecke. Nun galt es, auf äusserst holprigen Strassen zum Currys zu kommen und meinen eBook-Reader abzuholen. Das gelang, und ich konnte meinen KOBO in Empfang nehmen. Als die Verkäuferin gesehen hat, dass ich die Adresse des Ladens als meine Adresse angegeben habe, hat sie gelacht – ich hatte es bei der Bestellung nicht geschafft, meine Schweizer Adresse zu erfassen…
Die Ausfahrt aus Aberdeen war wie die Einfahrt: Zuerst auf holprigen Strassen, dann wieder auf einer stillgelegten Bahnstrecke. Hier war es der Formatine and Bucham Way, dem ich von Dyce (gleich neben dem Flughafen von Aberdeen) 40 Kilometer bis Maud folgte.
Kaum war ich aber auf diesem Trassee, war es Zeit für die Mittagspause mit Erholungsphase. Als ich wieder weiterfuhr, wurde ich wenig später eingeholt – das waren wieder Sam und Fränzi aus Bern, die ich gestern schon angetroffen habe! Es stellte sich heraus, dass wir für heute Abend auf dem gleichen Campingplatz reserviert haben, und so fuhren wir die restliche Strecke zusammen. Ein paarmal hat mich das auch an den Anschlag gebracht, doch ich schaffte es immer wieder, das Hinterrad zu halten bzw. wieder hinzuspringen.
So fuhren wir durch die herrliche schottische Landschaft auf diesem fantastischen Bahnradweg bis nach Maud, der nur auf einem kurzen Abschnitt in einem grottenschlechten Zustand ist – das wird aber auch bald erledigt sein, denn sie bereiten offensichtlich die Asphaltierung dieses Abschnitts vor.
In Maud haben wir noch eingekauft, dann ging es die letzten 10 Kilometer wieder mit deutlich mehr Steigungen weiter – und auch voll im Gegenwind. Kurz vor der Abzweigung zum Campingplatz überholten wir wieder das Radpärchen aus Kiel, das wir auf dem Bahnradweg zuerst überholt hatten und sich dann zu unserem Rastplatz in Auchnagatt gesellte. Ihre heutige Destination war Turriff, fast 15 Kilometer weiter – und sie werden dort wohl nicht trocken angekommen sein! Als ich auf dem Campingplatz das Zelt neben Sam und Fränzi aufgestellt und geduscht hatte, kamen Wassertropfen vom Himmel. So was habe ich schon lange nicht mehr gesehen; wenn ich mich richtig erinnere, nennt man das „Regen“… Also verschwand ich gleich im Zelt, wo es schön trocken ist.
